Tucholsky: Feldfrüchte 1926

Tucholsky: Feldfrüchte 1926

Kurt Tucholsky (1890-1935)

„Feldfrüchte“ -1926

 

Sinnend geh ich durch den Garten,

still gedeiht er hinterm Haus;

Suppenkräuter, hundert Arten,

Bauernblumen, bunter Strauß.

 

Petersilie und Tomaten, eine Bohnengalerie. 

Ganz besonders ist geraten der beliebte Sellerie.

Ja, und hier – ? Ein kleines Wieschen?

Da wächst in der Erde leis

das bescheidene Radieschen:

außen rot und innen weiß.

 

Sinnend geh ich durch den Garten

unsrer deutschen Politik;

Suppenkohl in allen Arten

im Kompost der Republik.

 

Bonzen, Brillen, Gehberockte, Parlamentsroutinendreh.

Ja, und hier – ? Die ganz verbockte liebe, gute S. P. D.

 

Hermann Müller, Hilferlieschen

blühn so harmlos, doof und leis

wie bescheidene Radieschen:

außen rot und innen weiß.

Dr. Winfried Rathke und Gemahlin

„Feine Früchtchen!“

Dr. Winfried Rathkes Kontrafraktur zu „Feldfrüchte“ von Kurt Tucholsky 

 

Denke ich im Garten schwitzend 

so an unsre Politik,

an‘s Gemüse, das dort sitzend,

eifernd zur  Passionsmusik.

 

Fröhlich wuchern Haushaltspläne,

wo die „schwarze Null“ dran blüht.

Angela streut Mulch und Späne,

um Europas Wohl bemüht.

 

Bündnis-grün lacht Özdemirchen,

Pausbäckchen hat Claudia Roth,

Seehofer spielt Trampeltierchen,

Gysi kaut noch Stasi-Brot.

 

Schwarzwurzeln sät Volker Kauder,

Schäuble achtet auf Diät.

Gabriel packt leiser Schauder,

der durch Roten Rüben weht.

 

Auf dem Mistbeet Frauenquoten,

Dobrindts Maut scheint überdüngt,

Lustig schwirren Uschis Drohnen,

wo es noch nach BREXIT stinkt.

 

AfD glaubt weit rechts außen:

Holocaust fand niemals statt.

Petry-Heil macht blaue Pausen.

Gauland keinen Jagdschein  hat.

 

Gülle schenkt uns mehr Nitrate.

Oskar war ein toller Hecht.

Königin der Nacht im Staate,

ist nun Sahra Wagenknecht.

Viele, wunderbare Bücher am besten direkt beim Autor bestellen, per Email: Dr. Winfried Rathke

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