Dr. Winfried Rathke
„Saatkrähe als Steinewerfer“
Die Saatkrähe ist ein Subjekt,
der eine harte Nuss gut schmeckt,
gekaut mit vollen Backen.
Insofern ist sie Menschen gleich.
Doch eine Nuss ist ja nicht weich,
man muss sie erst mal knacken.
Der Mensch hat dafür manch Gerät,
mit dem er mühelos diskret,
die Nussschale zersplittert.
Die Krähe hat dergleichen nicht,
nur einen Schnabel im Gesicht,
der voller Fresslust zittert.
Der Mensch sitzt nach Minuten schon
mit einer großen Nuss-Ration
vorm Fernsehen gemütlich.
Die Krähe denkt derweil scharf nach,
ihr Hirn ist klein, jedoch nicht schwach,
ihr Geist ist unermüdlich.
Sie fliegt im schwarzen Trauerflor
im kühnen Schwung rasant empor,
die Nuss in ihren Krallen,
und lässt sie mit geballter Kraft,
was flugtechnisch ganz fabelhaft
aus großer Höhe fallen.
Die Nuss schlägt unten kurz und klein
mit Krach auf einen Pflasterstein
durch diese Raffinessen.
Die Krähe, die erfinderisch
setzt sich an den gedeckten Tisch
und kann nun Kernobst fressen.
Zuweilen trifft aus großer Höh’
die Krähe einen PKW,
das gibt dann schöne Beulen.
Den Autofahrer packt die Wut,
er findet Löcher gar nicht gut
am Blech von Autoteilen.
Die Saatkrähe nun schallend lacht,
die Nuss ist auf, was wohl durchdacht,
jetzt kann sie diese schlucken.
Flugs holt sie aus dem Kühlschrank Bier
und der Ge-Nuss ist irre schier.
Jetzt kann sie Fernsehn gucken!
Doch fragt man sich, was sie erregt,
und was ihr Krähenherz bewegt?
Sie schaut in aller Regel
nur einen Film, der ihr gefällt
und für sie extra hergestellt,
und das sind „Hitchcocks Vögel“.
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Reich bebildert, von P-T-M sehr empfohlene Werke