Woher kommt: „Silvester“?

Woher kommt: „Silvester“?

Dr. Winfried Rathke

Santi Quattro Coronati 

Roms Fresken in der „Aula Gotica“

Es war im 13. Jahrhundert, als ein unbekannter Freskenmaler einen Raum der Augustiner-Chor-Frauen in Rom ausmalte. Die Kunstwerke erklären, warum Kaiser Konstantin Christ wurde, sich tau-fen ließ und dem Papst den Westen des Römi-schen Reiches schenkte. Der Künstler illustrierte eine phantasievolle Propaganda-Geschichte, die lange Zeit von den Christen geglaubt wurde. Erst später stellte man fest, daß die „Konstantinische Schenkung“ gefälscht war. Aber wir können da-durch getrost „Silvester feiern.“

Fresken im Inneren von Kirchlein Santi Quattro Coronati in Rom

Die Legende berichtet, dass an dieser Stelle vier Steinmetze von Kaiser Diokletian hingerichtet wurden, die sich geweigert hatten, Götzenbilder für den Kult herzustellen. So entstand hier der An-dachtsraum „Quattro Coronati“ für die vier „Ge-krönten“ Märtyrer. Der gute Kaiser Konstantin, so wurde berichtet, hätte den Aussatz bekommen, die gefährliche Lepra. Er war über und über mit eitrigen Geschwüren bedeckt.

Noch saß er auf seinem Thron, doch die Bevölke-rung erschauderte. Schon lag er bewußtlos da. Petrus und Paulus kamen, konnten aber nicht helfen, da sie den Krankheitserreger nicht kann-ten. Guter Rat war teuer.

Man schickte 3 Boten, bzw. Kundschafter aus, die den damaligen Papst Silvester suchen sollten, der vor dem grausamen Diokletian geflüchtet war und nicht wußte, daß Konstantin seine Nachfolge an-getreten hatte.

Sie fanden Silvester und erzählten ihm, was ge-schehen war. Silvester hatte neben der Theologie auch Medizin studiert und kannte alle Heilmittel gegen Lepra. Sofort kam er nach Rom zurück und besuchte Kaiser Konstantin.

Nach gründlicher Untersuchung sagte er Konstan-tin: „Erst muß ich Dich taufen, dann heile ich Dich.“ Konstantin stieg also in das Taufbecken, wurde gründlich gewaschen und war plötzlich wieder gesund. Ein Wunder war geschehen.

Links Papst Silvester – Rechts Kaiser Konstantin

Der Kaiser war wieder sauber, der heidnische Grind von ihm abgewaschen. Konstantin fragte: „Wie kann ich Dir danken ?“ Silvester antwortete prompt: „Ganz einfach, mach mich zum Kaiser des Westens, dann sind wir quitt !“ „Wenn das alles ist, dann machen wird das,“ rief Konstantin entzückt. Konstantin kniete sich vor Silvester nieder und reichte ihm ein Phrygium, das war eine spitze Mütze, die einst von persischen Königen getragen wurde. Diese wurde fortan Tiara genannt und krönte den Papst. Es war das Signum weltlicher und geistlicher Macht. Der römische Papst war nun ein Kollege des Kaisers, der in Byzanz residierte.

Silvester setzte sich die Tiara auf und hielt Einzug in Rom, wie einst Jesus in Jerusalem. Konstantin führte die Zügel des Schimmels wie ein Stall-knecht. Der Papst hatte nun die Macht über das ganze Abendland. Die Sache hatte nur einen Haken: Der italienische Humanist Lorenzo Valla fand 1430 heraus, daß die alten Urkunden ge-fälscht waren, sie waren nur Propagandamaterial. Papst Silvester verstarb am 31. Dezember 335. Und deshalb nennen wir den letzten Tag des Jah-res Silvester. Prost Neujahr !

Ein „Phrygium“ für Silvester !

Papst Silvester I. (314-335)

 

„Warum feiern wir Silvester ?“

fragte mich mal eine Schwester.

Da habe ich ihr das erklärt,

weil das Nichtwissen so stört.

 

Früher gab’s den Papst Silvester,

der beim Klerus Klassenbester,

predigend ein Langeweiler,

aber trotzdem Wunderheiler.

 

Kaiser Konstantin war krank,

tage- und schon wochenlang,

weil er arg auf Schritt und Tritt

an der Krankheit „Aussatz“ litt,

 

Überall waren Geschwüre,

dick gefüllt mit Konfitüre.

Beinah wär er abgekratzt,

wenn die Dinger aufgeplatzt.

 

Papst Silvester zu ihm eilte,

und ihn mittels Taufe heilte.

Konstantin, der Christ geworden,

hörte sofort auf zu morden.

 

Dankbar reichte nun der Kaiser,

der im Reich ja Platzanweiser,

ihm das Phrygium, einen Hut,

und der stand dem Papst ganz gut.

 

Links man den Silvester sieht                                     

rechts der Konstantin da kniet

Dazu schenkte er ihm Rom,

damit er sich autonom

Bischöfe selbst anbaun konnte,

wenn er sich am Sonntag sonnte.

 

Seitdem gibt es simultan,

Römertopf und Vatikan.

Konstantinisch hieß die Schenkung,

angeblich durch Gottes Lenkung.

Kirchenväter warn zufrieden,

Durcheinander war vermieden.

 

Doch nicht lang währte die Freude

in dem stattlichen Gebäude.

 

Papst Silvester traf der Schlag

am letzten Dezembertag.

 

Zu Silvester starb Silvester,

aus dem Himmel grüßen lässt er.

 

Was die Kirche lang nicht wußte,

weil sie alles glauben musste:

dass gefälscht war diese Schenkung.

Sie liegt jetzt in der Versenkung. 

 

Doch wir feiern munter weiter,

auch die Knallfrösche sind heiter !

Schenkung hin und Schenkung her.

Feuerwerk erfreut doch sehr.

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