Schlaflotsen…

Rathkes satirische Randnotizen

Der Schlaf-Lotse

 

Ich las jetzt ‘ne lange Liste,

wie man schlafen lernen müsste.

Man sollt‘ unbedingt versuchen,

einen Schlaf-Lotsen zu buchen.

 

Ein „Schlummerkissen-Workshop“ sei

bei ihm nützlich zweifelsfrei.

Denn er bietet wunderbare

tolle „Schlummerseminare“.

 

Erst bekommt man Kneipp‘sche Güsse, 

dabei klappern noch Gebisse.

Yoga hilft halluzinieren,

und der Grips lernt meditieren.

 

Es gibt Baldrian und Hopfen,

jeweils 180 Tropfen.

Der Unterleib wird balsamiert,

Leberknödel wegmassiert.

 

Rosenblüten und Lavendel

schnuppert man bei Songs von Händel.

In der Luft liegt tiefste Ruhe,

Füße duften ohne Schuhe.

 

Dank Gesundheitskompetenz

schwindet auch Inkontinenz.

Künstlich werden Tiefschlafphasen

durch die Birne uns geblasen.

 

Der Schlaf-Lotse zieht alle Stecker,

nix fällt uns mehr auf den Wecker,

Fantasien dürfen schäumen,

jeden Alb kann man jetzt träumen.

 

Vom Schlaf-Lotsen zertifiziert,

wird der Geist wohltemperiert.

Der Kursteilnehmer, sagen Kenner,

wird professioneller Penner.

 

Schlaf-Lotsen, das ist wohl klar,

fordern aber Honorar.

Deshalb mach‘ ich nur zu Hause

meine Schlummerkissenpause.

 

Mit der Wärmflasche im Bett

dehnt sich wohlig mein Skelett.

Auch ein Schnaps ist spät am Abend

als Betäubungsmittel labend.

 

Ende meiner Tagesschau

ist das Küsschen meiner Frau.

Ausgeknipst wird dann das Licht.

Schlaf-Lotsen brauch ich noch nicht.

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