Rathkes satirische Randnotizen
Das Mercosur-Abkommen
Der Gott des Handels war Merkur.
Und nach America del Sur
will Europa endlich wandeln,
um dort frei und fair zu handeln.
Beginnen will man auf die Schnelle
durch Verzicht auf alle Zölle.
Waren sollten freiweg wandern
von einem Erdteil auf den andern.
Gebrauchen könnten wir sehr viel,
für einen neuen Lebensstil.
Es gäbe mehr Delikatessen
durch Mercosur bei uns zum Essen,
In Argentinien leben Rinder
als Schlachtvieh wesentlich gesünder,
weil sie das Gras der Pampas fressen,
nicht Grüne Soße, wie in Hessen.
Die Gauchos lieben Pinguine
als Suppenfleisch in der Terrine.
Anakonda im Spinat
sei besonders delikat.
Warzenschwein und Nasenbären
als Roulladen lecker wären.
Und wer nach Paraguay mal fliegt,
gleich preiswert Marihuana kriegt.
Schließt man in Uruguay den Laden,
geht man im Rio Negro baden.
Abends gibt’s zum Halben Schoppen
Ragout fins von Mähnenrobben.
Jemand in Brasilien pries
Gürteltiere, frisch vom Spieß,
Dort schwärmt auch fast jede Frau:
„Piranhas mache ich in blau.“
Selbst Ochsenfrösche sollen schmecken
aus dem Amazonasbecken,
aber mit Curare-Sauce.
Das gibt’s heut schon aus der Dose.
Wir hätten solchen Segen bald
freihandelnd aus dem Regenwald,
würden all das importieren,
um‘s bei uns zu frikassieren.
Statt Schoßhunden könnten wir Alten
uns zuhaus ein Faultier halten,
das am Kronleuchter faul hängt,
und sich garnix dabei denkt.
Wir holen auch, was herrlich wär,
Rio’s Sambaschulen her,
die Gymnasien hier ersetzen
und die Kinder mehr ergötzen.
Strände der Copacabana
winken uns mit dem Nirwana,
und ein Hit wär absolut
auf dem Hirn ein Zuckerhut.
Europa ruft entzückt: „Hurra !
Hoch lebe Südamerika !“
Alles wär zu akzeptieren,
wenn wir Autos exportieren.
Sicher wär‘ unser Verbrenner
für Mercosur noch echt ein Renner !
Es winkt also manch fairer Deal.
Gott Merkur macht jetzt mobil.
HELAU !
