Rathkes satirische Randnotizen
Wie ernährt sich der Liebe Gott?
Der Liebe Gott sitzt im Gewimmel
seiner Sterne hoch im Himmel,
wo er großen Segen tut,
sagt man uns, soweit, so gut.
Doch uns plagen schon Interessen:
Was bekommt er dort zu essen?
Kriegt er da ein warmes Süppchen,
speist er bei den Sternen Schnüppchen?
Muss der Arme fleischlos leben?
Darf er auch mal einen heben?
Hat er, so wie Menschen auch,
einen umfangreichen Bauch?
Mag er falschen Hasenbraten?
Oder knabbert er Oblaten?
Ob ihm Englein mal was kochen?
Pellkartoffeln? Liebesknochen?
Isst er vielleicht anfallsweise
dreimal täglich Götterspeise?
Ob die für ihn auch gesund?
Spricht er dann mit vollem Mund?
Tut es ihn wohl sehr belasten,
dass wir Sünder ungern fasten?
Liebt er auch die Nimmersatten,
die noch niemals Hunger hatten?
Ruft er manchmal: „Tischleindeckdich!“
Solch Gedanke oft erschreckt mich.
Wer kann mir Genaues sagen?
Weil mich ernste Zweifel plagen!
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