Rathkes satirische Randnotizen
400 Jahre Reeperbahn
In Hamburg sind die Nächte lang,
da haut der Lustmolch übern Strang.
Der Kiez ist nämlich ein Komplex,
der bietet Tanz, Musik und Sex.
Man weiß, dass vor 400 Jahren
hier Reeper an der Arbeit waren,
die für die Schiffe Taue machten
und an den Striptease noch nicht dachten.
Sie mussten andren Späßen weichen,
Bordellen, Kneipen und dergleichen.
Ein Rotlichtviertel hier entstand,
das jeder Gast vergnüglich fand.
In diesem sogenannten Kiez,
machte man eifrig Ringelpietz,
sah tolle Haut, die völlig nackt,
ist gern im Alkohol versackt.
So mancher impotente Mops
fand Hilfe in Erotik-Shops.
Wenn mal verdunstet war der Kater,
ging man Ohnsorg ins Theater.
Selbst Wilhelm Buschs fromme Helene
war Teil der Sadomaso-Szene.
Dazwischen trieb man auch Askese
bei Damenwahl im Café Keese.
Musik erscholl, Klimbim und Jazz,
man schwofte gern, machte Rabatz.
Es wurd‘ gescherzt, gelacht, gesungen,
auch laut gegrölt aus vollen Lungen.
Hans Albers war hier Dauergast,
der „Blaue Engel“ machte Rast.
Beatles, Rolling Stones, Joe Cocker
rockten, bis man fiel vom Hocker.
Die Große Freiheit ist nicht weit,
die Herbertstraße sprungbereit,
der Silbersack zum Greifen nah,
auch Udo Lindenberg oft da.
Den Besucher macht hier scharf,
das, was er zuhaus‘ nie darf.
Die Bahn der alten Reeper-Väter
mißt 930 Meter.
Vierhundert Jahr ist sie nun alt.
Zur Feier jetzt das Bockshorn schallt.
Die Davidswache gibt gut Acht,
daß niemand zuviel Blödsinn macht.
Mich lockte heut ein Schwips des Weins
von den Ufern rechts des Rheins
zur Reeperbahn und ihrem Rummel,
Ich grüß sie herzlich ! Hummel-Hummel!
(von Dr. Winfried Rathke für RHEINGAU-ECHO)
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