Johannes Schilling (1828-1910)

Rathkes satirische Randnotizen

Johannes Schilling (1828-1910)

 

Viel Denkmäler von großer Pracht

hat sich ein Künstler ausgedacht,

der einst im schönen Dresden lebte

und nach Ruhm und Ehren strebte.

Johannes Schilling war der Mann,

von dem man viel berichten kann.

 

Als Jüngling lief voll Energie

er durch die Kunstakademie.

Bei Meistern war er oft zu Gast,

hat viel gelernt und schnell erfasst.

In Rom hat er sich umgeschaut.

Die Klassik war ihm gleich vertraut.

 

Bald kam die Dresdner Hautevolee

in sein eignes Atelier.

Als Bildhauer war er gereift.

von Aufträgen bald überhäuft.

Seine Skulpturen waren Klasse

schon auf der Brühl’schen Terrasse.

Er setzte nun, als Gutbekannter,

auf die Semper-Oper Panther,

mit dem Weingott als Quadriga.

Ja, er war jetzt erste Liga.

Sein Schillerdenkmal sich im Trab

in einen Park von Wien begab.

 

Deutschland machte triumphal

in Versailles im Spiegelsaal

Preußens Wilhelm dann zum Kaiser.

Bismarck war der Platzanweiser.

Dafür war ein Denkmal nötig.

Schilling wurde sofort tätig.

Ein kolossaler Bau begann,

als er den Wettbewerb gewann.

Seine GERMANIA stand auch bald

am Rüdesheimer Niederwald,

stolzgeschwellt, mit Schwert und Krone,

als neue deutsche Reichs-Ikone.

 

Doch Schilling modellierte weiter,

war ein echter Schwerarbeiter.

280 Plastiken

schuf dieser tolle Selfmademan.

In Leipzig heut sein Luther sitzt,

auch Kaiser Willi wurd‘ geschnitzt.

Er steht auf einem Sockel stramm

in Wiesbaden am „Warmen Damm“

7 Meter ist er klein, 

aus Marmor ist dort sein Gebein.

Der Schilling hatte echt was los.

Was er auch schuf, das war grandios

Dr. Winfried Rathke

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