Dr. Winfried Rathke
Die Kunst der Etrusker (5)
Veji – Portonaccio
Nur 20 km vom aufstrebenden Rom entfernt lag die alte Etrusker-Stadt Veji. Sie wurde nach meh-reren Kriegen von Rom zerstört. Doch die archäo-logischen Funde beweisen, daß Veji jahrhunderte-lang sehr bedeutend war. Ein 1,80 m großer Apoll aus Terracotta hatte in 12 Metern Höhe als Akro-terion auf einem Tempeldach gestanden, dicht ne-ben ihm seine Mutter Latona. Legenden berichten, dass sie ihn in Delphi vor der gefährlichen Python geschützt habe. Auch ein gut erhaltener Hermeskopf gehört zu dem Ensemble.
… während der Weingott in seiner Ekstase für das Durcheinander im Rauschzustand verantwortlich war. Die eine durfte durch ihre Schönheit blenden und verwirren. Eine Gorgo war das von Perseus abgeschlagene Haupt der Meduse und erschreck-te mit seiner Fratze.
Aber in Veji gab es noch viele Kleinfunde. Amüsant sind kleine Figurinen von Müttern aus einem Minerva-Tempel, die ihre Kleinen auf dem
Sie sind vom ägyptischen Isiskult inspiriert, der später in der christlichen Ikonographie zum Bild Maria mit Kind weiterführte.
Tarquinia
Tarquinia hat mich gleich beim ersten Besuch fast betäubt, so aufgewühlt war ich durch die tollen Malereien in den unterirdischen Nekropolen.
Beginnen möchte ich mit der Tomba del Triclinio. Da lagert der Verstorbene in seinem Triclinium, trinkt genüßlich Wein, Musik ertönt, man tanzt und genießt den Tag.
Oder wechseln wir zur Tomba dei Baccanti, wo in Ekstase herumgetollt wird, während ein Löwe vom Fresko eine Gazelle jagt. In dieser Tomba hatte man den Toten mit einem Festmahl verabschie-det. Sein Körper zerfiel, aber die Farbenpracht vom Fresko überdauerte die Zeiten.
Nicht zu übertreffen an Farbenpracht ist die Tomba dei Leopardi. Auch hier endete das Leben eines Etruskers mit einem Symposions-Gelage, wie es uns die griechische Kunst einst lehrte.
Die Herren haben einen braunen Teint, die Damen sind an ihrer vornehmen Blässe zu erkennen. Ein Kellner schwingt seine Weinkanne. An einer seitlichen Wand trägt ein Musiker seine Lyra, ein Di-Aulos-Spieler bringt uns die Flötentöne bei. Es ist ein festliches Bankett für die Ewigkeit.
Direkt unter der Decke fletschen 2 Leoparden die Zähne und Zungen. Sie gaben dem Grab seinen Namen: Tumba der Leoparden. Überall verloren Skulpturen und gemalte Szenen im Laufe der Zeit ihre Farben. Hier blieben sie phantastisch erhalten, mehr als 2500 Jahre lang!
Aber mit den Tomben haben wir in Tarquinia noch nicht alle Etruskerschätze gesehen. Im Palazzo der Familie Vitelleschi gibt es noch ein Museum, das mit Skulpturen und anderen Kunstgegenstän-den gefüllt ist.
Hier genießen wir schon im noblen Innenhof die prachtvolle Architektur der Renaissance.
Im Museum von Tarquinia
Ein Saal ist etruskischen Steinsarkophagen und ihren vielen Variationen gewidmet. Der Körper des Toten lagert darauf mit einer Opferschale in der Hand. Ein Bronzehelm und ein Spiegel gehörten zu den Grabbeigaben. Der Spiegel bestand noch aus glatt polierter Bronze, denn das Glas wurde erst viel später erfunden.
Höhepunkt eines Tarquinia-Besuchs sind die „Cavalli alati“ (geflügelte Pferde) im Etrusker-Museum. Es sind 2 vollplastisch gearbeitete Terracotta-Pferde.
Mit dieser meisterhaften Skulptur beende ich mein 5. und letztes Kapitel über etruskische Kunst. Möge es schöne alte Erinnerungen auffrischen.
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