Die Sixtinische Madonna

Die Sixtinische Madonna

Dr. Winfried Rathke

Raffael – Die Sixtinische Madonna – Dresden – 1512

 

Jeder kennt sie, aber wo kommt sie her? Wer ist abgebildet? Warum Sixtina?

Raffaels Meisterwerk kam zu uns aus Piacenza. Abgebildet sind Papst Julius II. links, Maria mit dem Kind und die Heilige Barbara rechts. Papst Julius stiftete das Gemälde im Gedenken an sei-nen Onkel Papst Sixtus IV. (1471-1484), der ihm seine Karriere ermöglicht hatte. Daher also der Name. Dieser Sixtus hatte auch die Sixtinische Kapelle bauen lassen, in der die Papstwahlen stattfinden. Sein Neffe Julius ließ sich auf dem Bild selbst als Sixtus portraitieren. Warum ?

Raffael, Die Sixtinische Madonna, Dresden 1512

Barbara von Nikomedien war die Schutzheilige der Stadt Piacenza. Sie ist bekannt, als „Barbara mit dem Turm“, da sie als frühe Christin in einen Turm gesperrt und hingerichtet wurde. Ihre Reliquien ruhen in Piacenza.

 

Maria sitzt nicht auf einem Thron, sie schreitet hier wie eine „Nike“ vorwärts auf einer Wolken-bank, ist eine Siegesgöttin, eine „Madonna della Vittoria“. Ihr Blick sei „tiefgründig, verwundert“ (Herder). Sie habe ein Charisma göttlicher Würde und Mütterlichkeit, sei eine „Visionäre Himmels-königin.“ Ihr Kind bringt sie den Menschen als Erlöser dar. Mit beiden Armen drückt sie es an sich.

Raffael, Maria mit Jesuskind (Detail)

Das Jesuskind hingegen schaut ernst drein, fast ängstlich. Denn genau gegenüber vom Bild hing in Piacenza über dem Lettner ein Kruzifix. Mutter und Kind sahen also das Leiden am Kreuz, den Tod. Und sie waren von zwei Heiligen flankiert, die für ihren Glauben sterben mußten, denn auch der allererste Bischof Sixtus war als Märtyrer hinge-richtet worden. Raffael erinnert also an eine lange Vorgeschichte. 

Papst Giulio della Rovere stammte aus liguri-schem Adel und war in Piacenza zuhause. Er gab das Bild Raffael in Auftrag und wollte sich in sei-ner Heimat ein Denkmal damit setzen. Er hatte auch Ungewöhnliches geleistet und schon als Kardinal den Kirchenneubau im Kloster Piacenza gefördert. Nun sollten ihn die Kirchgänger bei je-der Messe auf dem Gemälde bewundern. Er hatte die französischen Truppen an der Spitze einer Armee aus dem Land geworfen. „Fuori i Barbari !“ (Raus mit den Barbaren) war sein Schlachtruf gewesen.

Raffael, Papst Giulio (Detail)

10 Jahre von 1503-1513 war er als Papst „Vertre-ter Gottes auf Erden“ und löste den verhassten spanischen Borgia-Papst ab.  Seinen Zeitgenos-sen erschien er als vitaler Tat- und Machtmensch, vor allem eroberte er verloren gegangene Lände-reien, wie die Romagna, für den Kirchenstaat zu-rück. Zum Schutze seiner Person gründete er auch die „Schweizer Garde“. Und im Jahr 1506 hatte er den Bau des neuen Petersdoms veran-lasst. Er galt als großzügiger Mäzen. Michelange-lo hatte er die Decke der Sixtinischen Kapelle ge-stalten lassen. Raffael überließ er die Ausmalung der berühmten Vatikangemächer, der „Stanzen“.

Die Sixtinische Madonna hing nun in der Kloster-Kirche San Sisto in Piacenza.

 

In Italien war sie nahezu in Vergessenheit geraten. Dann entdeckten sie Beauftragte von August III., König von Polen und Kurfürst von Sachsen. Er hörte, daß die Mönche bereit seien, sie zwecks Finanzierung der Kirchenrenovierung zu verkau-fen. Er bot 25 000 Scudi, eine unvorstellbar hohe Summe. Man wurde sich einig. 1754 kam das Gemälde nach Dresden. Allein der Transport über die Alpen in einer 4×3 m großen Kiste hatte 5 Wo-chen beansprucht. Im Elbflorenz wurde es zur Sensation, zum Tourismus-Magneten. Die Resi-denz Dresden sollte damals nach dem Vorbild italienischer Städte gestaltet werden.

Raffael, Sixtina Engel (Detail)

Winckelmann bemerkte: „Die Künste wurden als fremde Kolonie in Sachsen eingeführt“. Viele Be-sucher kamen aber, um das Werk zu bestaunen. Manche sagten, es sei „das schönste Gemälde der Kunstgeschichte !“ 1945 war das Bild von den Sowjets beschlagnahmt und nach Moskau ge-bracht worden. Es gab eine Beutekunst-Debatte. 

 

Die Kuratorin Irina Antonowa hatte es im Puschkin -Museum betreut. 1955 wurde es vom Kreml zu-rückgegeben. Im Gegensatz zu der „Heiligen Un-terhaltung“ (Sacra Conversazione), wie dieser Bildtypus in Italien genannt wird, kommt aber mit den beiden Engeln am unteren Bildrand eine Ver-menschlichung und heitere Note ins Spiel. Der prophetische Ernst des Christkinds wird durch ihre kindliche Unbefangenheit nahezu aufgeho-ben. Sie wurden als „Lausbuben“ bezeichnet und machten eine mediale Solokarriere.

 

Unzählige Male wurden sie kopiert, gerieten in Poesiealben, auf Postkarten, auf Bettwäsche. Sie dienten als Werbemotiv für Pralinen, Schokolade und unzählige andere Dinge.

Publikationen aus Dr. Winfried Rathkes Bücherschatzkiste 

Rasch zugreifen, am besten gleich mehrere kaufen. Sowas findet man so leicht nicht wieder! Nur noch in begrenzter Anzahl (steht vorne) vorhanden!

5 Bacchus auf den Versen 

Satirische Poesie zum Wein      

Leibhaftiges 

Lyrische Anatomie von Kopf bis Fuß   

Rheingauer Spitzen 

Poesie auf der Riesling-Route  

Denk mal 

80 Literaten im Spiegel des Sonetts          

Jenseits-Gedanken 

Wanderungen in eine andere Welt              

12 Tierisch 

Ein gereimter Streifzug durch die Fauna  

Gut in Form 

Besuch bei Bildhauern, Skulptur u. Plastik            

Auch Wörter wandern 

Etymologische Ausflüge                            

Heilige, Märtyrer, Wunder 

Spurensuche über 300 Jahre

J. Lyrisches Potpourri ECHO 

Meine Kolumnen-Gedichte aus dem „Rheingau-Echo“ 

(Jeweils 14,80 €)

6   Wein-Mythos-Kunst 

Von Dionysos &. Bacchus, und aus der Bibel

Römische Obelisken 

Ägypten, Rom, Paris, Londin, NY.

Als der Orient gen Westen blickte 

Alte Römerstädte im Osten, Palmyra, Petra

Kunstschätze am Spanischen Jakobsweg Jakobus-Legenden u. die historischen Fakten.  

Kunst und Mythos Unser griechisches Erbe. Ein Rundgang durch die Mythologie in der Kunst.

(Jeweils 15,80 €)

___________________________________

Direkt beim Autor per Mail bestellen

Tags: