Rathkes satirische Randnotizen
Die „Gemeine Wespe“
Die Wespe ist ein kleines Biest,
das tückisch jeden Stich genießt.
Man weilt im Garten, Freude taumelt,
beim Kaffeeklatsch die Seele baumelt.
Der Mund möcht allzugern versuchen
den frischgebacknen Zwetschenkuchen.
Prompt greift die Wespe an und sticht,
und das oft mitten ins Gesicht.
Normalerweis leckt sie nach Kräften
am Nektar und an Pflanzensäften
und wenn gestillt derart ihr Durst,
nagt sie an Rührei, Fleisch und Wurst.
Sieht sie auf Kuchen jedoch Zwetschen,
wird sie vor Lust die Kiefer fletschen.
Der Mensch ist davon nicht erbaut,
sodaß er wütend um sich haut.
Das paßt der Wespe aber nicht,
sodaß sie angreift und uns sticht.
Am Hinterleib hat die Kanaille
hinter der schlanken Wespentaille
den Stachel, der gefüllt mit Gift
die weichen Teile bei uns trifft.
Sie bohrt ihn kunstvoll, aus der Schwebe,
mit Anlauf in unser Gewebe.
Dann fliegt sie hochbefriedigt fort,
wir schlagen gleich Alarm vor Ort.
Man tanzt vor Schmerzen wild umher,
hat keine Lust auf Zwetschen mehr.
Die Stichstelle wird rot und schwillt,
man sinkt zu Boden, kreischt und brüllt.
Denn störend wirkt die Allergie.
Und wie das endet, weiß man nie.
Man spürt Brennen und ein Jucken,
Muskeln krampfen, Nerven zucken.
Durch die Adern fühlt man rasen
Histamin und Proteasen,
doch auch Acetylcholine,
also schreckliche Toxine.
Ohnmacht und der Schock uns droht.
Wer noch aufwacht, ist oft tot.
Hätte man, eh das passiert,
den Zwetschenkuchen schön halbiert
und einen Teil davon zum Prassen
der Wespe kampflos überlassen,
hätt‘ sie zum Fressen eingeladen,
ohne die Absicht, ihr zu schaden,
und nicht voll Wut und Gottvertrauen
einfach auf sie draufgehauen,
dann hätt‘ man jeden Zoff vermieden.
Im Wespennest herrschte dann Frieden.
Die Königin hätt‘ nix dagegen,
könnt weiter fröhlich Eier legen.
Die Drohnen würden glücklich lachen
und Zwetschenkuchen überwachen.
Man bräucht kein Antihistamin
und hätte nicht vor Schmerz geschrien.
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