Dr. Winfried Rathke
Die Etrusker (4)
Perugia – Perusna – Etruskische Schrift
Perugia hat seinen Namen vom etruskischen Wort PERU (Fels). Dort stand ich zum ersten Mal vor Etruskischer Schrift. Sie hatte sich aus den Phöni-zischen Buchstaben entwickelt, die schon die Griechen übernommen hatten. Und wie das Phö-nizische schrieben auch die Etrusker von rechts nach links. Es gab auch Bustrophedon-Schreib-weisen („wie der Ochse pflügt“) abwechselnd links- und rechtsläufig. Griechen und später die Römer schrieben dann von links nach rechts, was bis heute so blieb. Die etruskische Schrift ist noch nicht vollkommen entziffert, da nur kurze Texte überliefert sind. Über 10 000 Inschriften sind dokumentiert, sie bestehen aber oft nur aus Namen und rituellen Formeln.
Wer einmal im Libanon den Sarkophag des Ahiram gesehen hat, erkennt die Ähnlichkeit vieler Buchstaben mit der Schrift auf dem Cippo. Das war ein Grenzstein, der in Perugia zwischen zwei Grundstücken gefunden wurde. In 46 Zeilen gibt es 465 Wörter zum Besitzstand der Familie Velthina aus Perugia und der Familie Afuna aus Chiusi. Diese Stele aus Travertin zitiert auch Ge-setze und nennt Würdenträger, die das Schieds-verfahren überwachten.
In Pyrgi, dem antiken Hafen von Caere (Cerveteri) fand man 3 Goldbleche mit eingeritzten Texten. Zwei der Täfelchen tragen etruskische Schrift, das Dritte phönizische Buchstaben. Es bestanden also Handelskontakte zum Nahen Osten. Alle Tafeln loben die Verdienste eines Königs Velianas, der in Caere einen Kultort für die Göttin Astarte schuf.
In der Monterozzi-Nekropole von Tarquinia fand man das Grab eines Mannes, der vor sich eine Schriftrolle öffnet, auf der seine Ämter und Ver-dienste eingemeißelt sind. Soviel zur etruskischen Schrift.
Pupluna – Populonia – Piombino
In der Antike waren die Gegend von Piombino und die gegenüberliegende Insel Elba bekannt für ihre erzhaltigen Minen, aus denen Eisen, Kupfer und anderen Metalle in Öfen verhüttet wurden. Es war ein Dorado für die Metallurgie.
In diesem Bereich der toskanischen Küste war das etruskische Kunsthandwerk hoch entwickelt. In den Museen kann man die Vasen, Kessel, Urnen und andere Gebrauchsgegenstände bewundern.
Pupluna war Mitglied im Etruskischen 12-Städte-Bund. Es belieferte die Nachbarn mit Metallwaren. Viele gestalterische Ideen aus Griechenland und dem Nahen Osten wurden dabei aufgenommen.
Besucher werden 26 Jahrhunderte zurückversetzt und können ihren Phantasien freien Lauf lassen.
Hier verblüfft der Bronze-Handgriff einer Cista-Urne in Form eines skythischen Reiters. Die Skythen waren ein Reitervolk, das nordöstlich der griechischen Territorien lebte. Sie schienen mit ihren Pferden verwachsen zu sein.
Piombino ist eine toskanische Hafenstadt am Thyrrenischen Meer, das auch heute noch einige etruskische Funde präsentieren kann.
Im großen Baratti-Park von Populonia spaziert man durch alte Nekropolen aus Etruskerzeiten, kann Grabhöhlen besichtigen, findet Tumuli und andersförmige Bestattungsplätze. In diesen Gräbern ließen sich wohlhabende Bewohner von Puplona bestatten.
Im Archäologischen Museum von Piombino kann man aber noch eine andere kostbare Silberam-phore bewundern, die Fischer 1968 vor der Küste aus ihrem Netz zogen. Sie ist 60 cm groß, wiegt 7 Kg und ist mit 132ovalen Medaillons geschmückt.
Hier ist der Dionysoskult bebildert, mit Sirenen, Faunen, tanzenden Mänaden.
Plötzlich hat man wieder die phantastische Welt der griechischen Mythen vor sich und wird zu den Olympiern versetzt.
Jedes Medaillon bot Unterhaltung, Musik, Tanz, Ausgelassenheit und Ekstase.
Auch Ariadne und ihre Hochzeit mit Dionysos wird illustriert. Das Weingefäß muß im 4. nachchristli-chen Jahrhundert in Antiochia gearbeitet worden sein, ist also rund 1000 Jahre jünger als etruski-sche Kunstwerke. Für das Bankett wurde es geschaffen. Im Seehandel gelangte es an die Küste der Toskana.
von Dr. Winfried Rathke erscheinen zwischen 7. & 20.4.26 5 ETRUSKER-Beiträge in P-T-M.
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