Etruskische Kunst (2)

Etruskische Kunst (2)

Dr. Winfried Rathke

Die Etrusker (2) 

 

CORTONA – CURTUN

Cortona kann mit dem Gott Selvans (dem römischen Silvanus) aufwarten, der bei den Etruskern als Hüter der Wälder und Wildnis galt. Er wurde als Jüngling dargestellt, der eine Bären-fellmütze und hohe Stiefel trägt. Er hatte auch die Aufgabe, Grenzen zu bewachen.

Selvans
Herakles

Im Museum von Cortona entdeckte ich auch einen Herakles, den man bei den Griechen wohl im 2. Jhdt. vor Chr. abgeguckt hatte. Er sitzt ent-spannt auf einem Baumstumpf und stützt sich auf seine Keule. Vielleicht hat er schon die 12 Ta-ten erledigt, die er für König Erystheus bewältigen musste. Ferner besaß er göttliche Kräfte, weil ihn Göttermutter Hera einmal versehentlich gestillt hatte. Auch bei den Etruskern galt er als Symbol von Kraft und Stärke.

 

Chiusi – Clusium

Auf dem Weg von Cortona nach Orvieto liegt Chiusi. Auch hier gibt es hochinteressante Relikte aus der Etruskerzeit. Auf einem prächtigen Sarko-phag liegt die verstorbene adlige Larthia Seianti und sieht erwartungsvoll ihrer Zukunft entgegen. Anhand von Farbspuren lässt sich erahnen, wie bunt die Skulptur verziert war.

Fürstin Parthia Selanti

Vielleicht reiste sie mit einer Kutsche in die Ewigen Jagdgründe? Beim Totenkult wurde an alles gedacht. Und schöne Utensilien wurden den Toten immer mitgegeben, damit sie nicht unbe-mittelt ans Ziel kamen. Ein Satyrkopf aus purem Gold an einer Halskette wollte darauf hinweisen,

dass dionysische Freuden auch nach dem Tod zu erwarten seien.

Rhyton in Entenform

Eine entzückende Idee war es, den Toten aus Clusium solche Keramik-Trink-Gefäße mit auf die Reise zu geben. Durch einen Stutzen wurde oben Wein eingefüllt. Und den trank man dann aus dem Entenschnabel. Die Enten wurden mit einem attraktiven Frauenkörper verziert. Das steigerte sicherlich den Weingenuß. Der Besuch des Neuen Archäologischen Museums von Chiusi verspricht also viel Spaß.

Satyrkopf als Rhyton
Terracottakopf Begleitperson

Selbst an rituelle Trinkgefäße hatte man beim Totenkult gedacht. Auch Tonfiguren als Begleit-personal reisten mit dem Verstorbenen mit. 

von Dr. Winfried Rathke erscheinen zwischen 7. & 20.4.26 5 ETRUSKER-Beiträge in P-T-M. 


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Orvieto – Volsini – Velzna

In Orvieto entdeckte ich im Museum eine etruskische Architektur-Spezialität, das Antefix (Latein: ante – vor, fix- befestigt). Aus Terracotta hatte man an der untersten Dachziegellage, der Traufe, Verzierungen angebracht. Oft waren es gruselige Medusenköpfe, die Unheil abwenden sollten. 

Antefix am Tempeldach
Antefix aus Volsini

In Orvieto wurden aus den schrecklichen Medu-sen eher melancholisch blickende weibliche We-sen, und sie waren mit pflanzlichem Dekor um-säumt.

Ein Cippo war ein Steinmal, das den sakralen vom profanen Bereich abgrenzte. Denn einen Tempel durfte nicht jedermann betreten. Manchmal saß ein aus Ton modellierter Kopf darauf.

Ein Kernos war ein antikes tönernes Kultgefäß, an dem mehrere Behälter mit Speisen gefüllt kranzförmig auf einem Fuß standen. 

Etruskischer Kerns

Vulci – Velch

Vieles was in Vulci von den Etruskern gefunden wurde, findet man in Roms großartigem Museum der Villa Giulia wieder. Hier entdeckt man Zierrat aus Kult und Alltag. Sie sind ein Spiegel des damaligen Lebens.

10 Ein Knabe füttert seinen kleinen Vogel. 11 Ein junges Mädchen schaut interessiert in die Welt.

Knabe füttert Vogel
Mädchen schaut

Die Tempel der Etrusker sind alle zerfallen, aber 12 Keramikmodelle davon fand man noch in ihrem Schutt. Und war das daneben schon ein Campanile, oder nur ein Wehrturm? Jedenfalls gab es an den Dachkanten Antefixe, d.h. verzierte Ziegel mit Frauenköpfen, die wachsam auf Besucher herunterschauten. Wieder begegnet uns Herkules, der den berüch-tigten Erymanthischen Eber erlegte und ihn König Erystheus überbringt, der sich ängstlich in einem Pithos (Wasserkessel) verkrochen hatte. Man steckt tief in den alten Mythen.

Etruskische Amphore

Ein Schuh von Herakles wurde in einen Askos verwandelt. So nannte man handliche Kännchen, die einem Weinschlauch nachgebildet waren.

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