Drr. Winfried Rathke
Der Oberschenkelhalsbruch
Unter dem Kopf sitzt unser Hals,
normalerweise jedenfalls.
Der Hals ist da, um ihn zu drehen,
damit wir möglichst alles sehen.
Auch das, was hinter uns versteckt,
wird durch die Halsdrehung entdeckt.
Doch diesen Hals gibt’s nicht allein
unterm Gehirn, denn auch am Bein,
soweit ich richtig das verstanden,
sind Schenkelhälse stets vorhanden,
die unter Schenkelköpfen sitzen
und uns beim Stehn und Gehen stützen.
Der Schenkelhalskopf aber steckt
in einer Pfanne, gut verdeckt,
die tief in Hüftgelenken sitzt
und selbst noch bei Arthrose nützt.
Dort kann sich auch, sobald wir stehen,
der Kopf vom Schenkelhals gut drehen.
Doch bleibt der in der Pfanne drin,
selbst wenn der Hals vom Schenkel dünn.
Bei Stürzen kann er aber brechen,
denn Rumgehampel wird sich rächen
bei Leutchen, die schon tatternd laufen,
und stolpern über jeden Haufen.
Der Oberschenkelhalsbruch ist
bei Altersstarrsinn großer Mist.
Wer sicher gehen will komplett,
bleibt drum im wohlig-warmen Bett.
Auch dort kann man die Hälse drehen,
selbst wenn sich die Gedärme blähen.