der Heilige Antonius

der Heilige Antonius

Dr. Winfried Rathke

Antonius Eremita

 

Ein Heiliger hat einen Schein,

selten jedoch hat er Schwein.

Antonius, der Eremit,

ein Mensch von freundlichem Gemüt,

lebte einstmals in der Wüste,

wo er betete und büßte.

 

Da lebte seine gute Seele

in einer ziemlich kargen Höhle.

Kein Sofa gab’s, kein Tisch, kein Bett,

kein Bad, kein Klo, kein Bügelbrett,

nur kahle, nackte Felsenwände,

so jedenfalls will’s die Legende.

 

Wollte der Teufel ihn versuchen,

mit Frauen, Kaffee und mit Kuchen,

hat er sich wahnsinnig geträubt

und seine Sinne rasch betäubt.

 

Aus einer Höhle nebenan

kam freundlich grunzend dann und wann

ein ungewasch’nes dummes Schwein,

das schmiegte sich oft an sein Bein.

 

Das Schwein verkörperte die Sünde,

was ich als merkwürdig empfinde.

Es ist die Wollust in Person,

das Laster und die Perversion.

 

Wer der Versuchung widerstand

und alle Sünden überwand,

wer innerlich sein Schwein bekriegte,

es fertig machte und besiegte,

der hatte danach dieses Schwein

außer sich, und zwar am Bein.

 

Das hat Antonius geschafft

mit Frömmigkeit und Willenskraft.

Sein Leib war völlig sündenfrei,

nur neben ihm – die Schweinerei.

 

Doch ich gesteh, mit trübem Sinn:

bei mir ist dieses Schwein noch drin.

Antonius, komm doch in mein Haus

und jag aus mir die Sau heraus !

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