Absacker
Will ich absacken am Abend
schaue ich sehr tief ins Glas,
was erquickend ist und labend,
und dann sacke ich ins Gras.
Doch im Gras, schon nach Minuten
wird mein Hosenboden nass,
schon beginnt ein Nierenbluten
und das Fell wird leichenblass.
Außerdem an allen Ecken,
ja sogar am Unterleib
beißen mich vor Durst die Zecken,
so dass ich im Gras nicht bleib.
Krieg ich später Meningitis,
holt mich fort der böse Tod.
Oder ich kriege Rachitis,
Maulsperre und Atemnot.
Absacken, sollt man begießen
nicht allein, aufs Geratewohl,
und nicht nachts auf kalten Wiesen,
und betäubt von Alkohol.
Besser unsre Lippen saugen
sich beim Küssen im Duett,
und wir schaun uns in die Augen,
und dann – sacken wir ins Bett.
(Dr. Winfried Rathke)