Dr. Winfried Rathkes satirische Randnotizen
SEEBESTATTUNG
Ich fahr so gerne an die See,
wo eine frische Brise zieht
und weil mir eine Gute Fee,
zu einer Seebestattung riet.
Ich löste also erste Klasse,
hinauf an einen Nordsee-Strand.
Wenn ich das Leben schon verlasse,
dann setz ich alles in den Sand.
Mich wickelte die Kurverwaltung
behutsam in ein Formular.
Man bietet dort zwecks Unterhaltung
ein Seebestattungsseminar.
Bei ausgesuchten Balneologen,
zu denen man frühmorgens geht,
wird man vermessen und gewogen,
dann gibt es eine Null-Diät.
Nun kann man einen Gutschein kaufen
für Stretch-Übungen erst am Strand
als nächstes muss man Wattenlaufen,
und anschließend wird man verbrannt.
Die Aschenurne wird verschlossen,
ein Schiff fährt bis zum Horizont,
dann wird noch mal Salut geschossen,
auch das wirkt irgendwie gekonnt.
Der Kapitän hält eine Rede,
die Urne schmeißt er über Bord.
Die Rede klingt natürlich blöde,
die Urne sinkt, schon ist sie fort.
Zum Schluss spielt die Gebirgsmarine
unter erhöhtem Wasserdruck
mit einstudierter Trauermiene
ein Abschiedslied von Willi Gluck.
Nur frag ich Euch mal wirklich gütlich,
zumal der Mensch am Leben klebt,
wär es nicht sinnvoll und gemütlich
wenn man ein bissel weiter lebt ?
Ich liebe zwar die Dauerwelle,
und fahr drauf volle Kraft voraus,
doch bin ich längst keine Forelle,
ich laiche gar zu gern zu Haus.
Selbst regelmäßiges Ertrinken
in Weinkellern kann reizvoll sein,
doch so als Urne zu versinken,
auf so was lass ich mich nicht ein !
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