Rathkes satirische Randnotizen
Die Trinkpause
Der Fußball ist für uns sehr wichtig,
nur dort macht man heut alles richtig.
Man hat sich kürzlich über Nacht
was völlig Neues ausgedacht
und für den Menschen was erfunden,
was vorher üblich nur bei Hunden.
Die Trinkpause wurd‘ eingeführt
damit man nicht vor Durst krepiert.
Man spielt nur noch 20 Minuten
und darf dann trockne Hälse fluten.
Die Spieler hören auf zu kicken,
um sich im Abseits zu erquicken.
Denn wenn das Blut zu stark verdickt,
werden Verteidiger verrückt.
Auch Stürmer fangen an zu wanken,
wenn sie vorher zu wenig tranken.
Selbst Schiedsrichter sich Pfiff verkneifen,
wenn zu trocken sind die Pfeifen.
Doch was man jetzt beim Fußball macht,
kommt auch für mich längst in Betracht.
Wird meine Mundschleimhaut zu trocken,
ist der Blinddarm ganz erschrocken.
Ich muss pausieren, kann nix schaffen,
will nur noch in die Glotze gaffen.
Jetzt hab‘ ich, obgleich weit entfernt,
viel von Amerika gelernt.
Ich hol aus meiner Hosentasche
Schnaps aus einer großen Flasche
und tank mich, wie beim Fußball auf.
Dann bin ich gleich viel besser drauf.
Ich denke also wirklich schon,
auch die ECHO-Redaktion
und besonders alle Leser
bräuchten schleunigst volle Gläser.
Die Trinkpause könnte uns retten,
wenn wir diese öfter hätten.
(Dr. Winfried Rathke im Rheingau Echo)