Bären-Dienste

Dr. Winfried Rathke

Bärendienste

Die Bären haben mir schon oft,

das sei hiermit gepriesen,

beim Dichten völlig unverhofft

manch Bärendienst erwiesen.

 

Denn ohne einen Bärenklau

säß ich betrübt im Heime

und klagte meiner armen Frau:

„Ich finde keine Reime – – “.

 

Der Eisbär sitzt, im Packeis cool

auf seiner Pol-Position.

Der Waschbär steigt auf einen Stuhl,

um Schränke abzuwischen.

 

Der Erdbär schmeckt ganz sagenhaft.

Man muss sich nach ihm bücken.

Wir quetschen aus ihm Erdbärsaft,

da lohnt sich schon das Pflücken.

 

Der Blaubär haust im dunklen Tann

an menschenleeren Orten,

sein schöner blauer Pelz alsdann

kommt in die Blaubärtorten.

 

Der Brombär piekt uns voller Lust,

in seinen Brombärhecken,

ich jage ihn dort ganz bewußt

zu Marmeladenzwecken.

 

Der Seebär durch die Brandung surft

auf meterhohen Wogen,

wobei er jeden Seehund nervt,

und Meeresbiologen.

 

Der Maulbär küsst am Abend zart

die fesche Seidenraupe,

und kriegt davon, was sehr apart,

die ansteckende Staupe.

 

Der Grizzlybär im Weinberg sitzt,

um Trauben dort zu naschen,

dann lässt er sich, weil er gewitzt

beim Waschbär gründlich waschen.

 

Der Himbär brennt, und schwarz zumeist,

nachts in seiner Taverne

den wunderbaren Himbärgeist.

Den trinke ich so gerne.

 

Der Lorbär sitzt auf einem Baum

und knabbert ständig Blätter,

den Preißelbär, den sieht man kaum

bei dichtem Nebel-Wetter.

 

Falls jemand den Okto-Bär kennt,

der tapst vor dem Novem-Bär

Und’s Christkind naht stets im Advent,

da freut sich der Dezem-Bär.

 

Der Camem-Bär liegt abends blaß

vor mir auf einem Teller.

Der Stachelbär im Einmach-Glas

steht im Regal vom Keller.

 

Den Trockenbär der Winzer fängt

und macht aus ihm Auslese,

doch halt – vorhin – der Camem-Bär

ist eigentlich ein Käse !

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