Dr. Winfried Rathke
Napoleon-Skulpturen von Antonio Canova
Als Napoleon nach vielen siegreichen Schlachten zum stärksten Herrscher Europas aufgestiegen war, lud er den renommierten italienischen Bildhauer Antonio Canova nach Paris ein, um sich von ihm eine Portraitbüste arbeiten zu lassen. Von 1802 bis 1806 war Canova damit beschäftigt.
Diverse Büsten entstanden und wurden in französischen Amtsstuben aufgestellt. Ein neuer Personenkult war geboren.
Neben Büsten schuf Canova von Napoleon, der inzwischen 1804 Kaiser geworden war, auch eine 3,45 m hohe Skulptur. Canova wollte ihn als idealisierten Kriegsgott und Friedensbringer Mars in antiker Pose darstellen.
Dieser Napoleon sollte an die Augusteische Klassik erinnern. Canova wollte ihn in die Nach-folge römischer Kaiser stellen. Die kleine Sieges-göttin Nike in seiner Rechten, auf einem Globus stehend, sollte der Figur mehr Charakter geben. Als Napoleon die Skulptur sah, war er peinlich berührt. Sie sei „zu athletisch“ kritisierte er. Sie dürfe auf keinen Fall öffentlich ausgestellt wer-den. Also wurde sie im „Napoleon-Museum“ (heute Louvre) in einem Saal mit illustren Män-nern aufgestellt, jedoch hinter einem Vorhang verborgen. Nach Napoleons Niederlage bei Waterloo wollte der neue Bourbonen-König Louis XVIII. sie nicht mehr in Frankreich sehen. Die englische Regierung kaufte sie 1816 und schenkte sie dem Duke of Wellington, der Napoleon geschlagen hatte.
Wellington war schon in Spanien eine Legende. Goya hatte ihn als Befreier vom französischen Joch portraitiert. Lawrence ließ ihn wesentlich jünger erscheinen. Wellington war Englands Stolz.
Das Aspley House ist heute ein Museum, in dem die Besucher beim Anblick des nackten Napoleon ihr Vergnügen haben.
Allerdings musste erst die Kellerstruktur verstärkt werden, um Schäden vorzubeugen, denn der „Peacemaker Napoleon“ wiegt mehrere Tonnen.
Nun lag es nahe, Canovas aufsehenerregenden Napoleon auch aus Bronze zu gießen. Das wurde in Rom gemacht. Als Material dafür dienten alte Bronze-kanonen von der Engelsburg. Ich traf ein Exemplar davon auf einem würdigen Sockel stehend im Hof der Mailänder Brera-Galerie.
Museumsbesucher und Studenten strömen vorbei und interessieren sich kaum noch für den großen Korsen. Er ist aus der Zeit gefallen.
Im Museum selbst imponiert ein Gipsabguss. Die kleine Nike wurde dabei vergessen, auch der Globus schrumpfte. Napoleon posiert fast wie ein Tennisspieler vor dem Aufschlag.
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Prof. Dietrich meldet sich zu Wort…
zum nackten Napoleon
Napoleon Bonaparte dargestellt als Akt
Fühlt sich ohne Dreispitz gänzlich nackt
Allerdings nicht ganz das ist kein Witz
Komplett bedeckt war sein kleiner Spitz
Zu Lebzeiten war er schon verbannt
Auf einer Insel wie uns ja bekannt
Die Statue blieb in Paris versteckt
Man hat dann etwas ausgeheckt
Lange nachdem er war gestorben
Hat ein Brit‘ die Skulptur erworben
Dem Marschall Wellington vermacht
Der hat drauf aus vollem Hals gelacht
Erinnert‘ sich doch an Napi als grossen
Mann mit Dreispitz und den roten Hosen
Der da auf seinem grossen Schimmel
Einst ragte in den Schlachtenhimmel
Die Marmorstatue stand in der Ecke
Das war kein grosser stolzer Recke
Der zu sehen war in seiner Grösse
Bis auf den Monospitz in Blösse