Samstag 27.7.24

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Kalenderblatt Samstag, 27. Juli 2024


Zitat des Tages: „Wahr ist nicht, was A sagt, sondern was B versteht.“ Paul Watzlawick (1921-2007)

waffen-0349.gif von 123gif.de27.7.1900: Wilhelm II. und seine „Hunnenrede“: Keine Gefangenen!
Fünf Wochen nach der Ermordung des deutschen Gesandten in Peking durch einen chinesischen Soldaten schickt Kaiser Wilhelm II. seine Truppen nach China. In einem internationalen Korps sollen sie den Boxeraufstand niederschlagen und die in Peking eingeschlossenen Europäer befreien. Die Art und Weise, wie der Monarch die Soldaten verabschiedet – keine Gefangenen zu machen, sondern einen rücksichtslosen Feldzug nach Art der Hunnen zu führen – stößt im In- und Ausland auf Empörung.


Mehr Details:
Für seine zackigen Sprüche ist der Preußenkönig und deutsche Kaiser ja hinreichend bekannt, doch sein Missgriff in der Wortwahl bei der Verabschiedung des Expeditionskorps in Bremerhaven schlägt dem Fass den Boden aus. Darin spricht der Monarch zwar von den großen überseeischen Aufgaben, die dem Deutschen Reiche zugefallen sind und dass dieses seinem Charakter nach die Verpflichtung habe, seinen im Ausland bedrängten Bürgern beizustehen; dann aber kommt die berüchtigte Passage, die wie ein Aufschrei durchs Land geht und die überall für erregte Gemüter sorgt, weil sie in völligem Widerspruch zum herrschenden Kriegsrecht steht:
„Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen. Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht haben, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, dass es niemals wieder ein Chinese wagt, einen Deutschen scheel anzuschauen. Wahrt Manneszucht!“
Den Auslöser für die bewaffnete Intervention in China gab der Boxeraufstand in Peking, eine Untergrundbewegung namens „Yi-he-quan“ (übersetzt: Boxer, die sich in Gerechtigkeit vereint haben), die sich seit Anfang 1898 formiert hat, um gegen alles Ausländische im Land, vor allem die zunehmende und immer unverschämter werdende Kolonialisierungswelle von europäischer Seite zu rebellieren. Der Zorn der aufständischen Chinesen, die von der Kaiserin-Witwe Ts’e-Hsi unterstützt werden, richtet sich verstärkt gegen christliche Missionare, europäische Handelseinrichtungen und Botschaften, so dass es unweigerlich zu Bluttaten kommen musste. In Pekings Diplomatenviertel wurde schließlich am 20. Juni 1900 der deutsche Minister und Gesandte Klemens Freiherr von Ketteler ermordet und alle weiteren Europäer gefangen genommen. Einen Tag später erklärte die mächtige Ts’e-Hsi den ausländischen Nationen den Krieg, der die alliierten Streitkräfte auf den Plan rief und einen unbarmherzigen Rachefeldzug gegen China zur Folge hatte.
Gedenktage:
1997: Als erster Deutscher gewinnt der 23-jährige Jan Ullrich vom Team Deutsche Telekom die 3.942 km lange „Tour de France“, das bekannteste und schwierigste Radrennen der Welt. Das berühmte gelbe Trikot hatte der aus Rostock stammende Radrennfahrer erstmals am 15. Juli übernommen und bis zu seinem sensationellen Sieg verteidigt.
1976: In China ereignet sich das bisher schwerste Erdbeben unserer Zeitgeschichte. Die etwa 150 km von Peking entfernte Industriestadt Tangschan wird bei der Naturkatastrophe dem Erdbeben gleichgemacht. Dabei sollen 650.000 Menschen den Tod gefunden haben und bis zu 800.000 Menschen verletzt worden sein. Die Meldungen aus dem Unglücksgebiet sind – wie überhaupt alle Informationen die VR China betreffend – spärlich.
1921: Den kanadischen Wissenschaftlern Frederick G. Banting und Charles H. Best gelingt es am heutigen Tag, das von der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon Insulin zu isolieren. Mit der spektakulären Entdeckung ist erstmals die Senkung des Blutzuckerspiegels möglich und damit die Erhöhung der Lebenserwartung und -qualität von Zuckerkranken.
1834: Rund 80 Jahre nach Gründung der Moskauer Staatsuniversität erhält auch die ukrainische Hauptstadt Kiew ihre erste Hochschule, die heute feierlich ihrer Bestimmung übergeben wird.
1777: Vom Rasen sozusagen auf den grünen Filz, so gestalten sich die Anfänge des Kugelspiels Billard. Heute erhält das in Frankreich immer populärer werdende Spiel gesetzlich verordnete Regeln. Die Sportart, die bis vor kurzem noch mit einem gebogenen Schläger anstatt dem später traditionellen „Queue“ gespielt wurde, findet bald auch in anderen europäischen Ländern Anhänger.
Geburtstage:
1958: Barbara Rudnik († 23.5.2009); deutsche Schauspielerin. Als deutsche „Lauren Bacall“ wurde die kühl wirkende Blondine gefeiert, die man von vielen Rollen in Spielfilmen und TV-Filmen kannte, darunter „Der Sandmann“, „Es geschah am hellichten Tag“, „Solo für Klarinette“, „Im Schatten der Macht“ oder „Polizeiruf 110“. Die langjährige Lebensgefährtin des Produzenten Bernd Eichinger (zuletzt von Sternekoch Karl Ederer) erlag kürzlich mit nur 50 Jahren einem Krebsleiden.
1921: Paul Watzlawick († 31.3.2007); US-amerikanischer Psychotherapeut. Sein Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“ (1983) stand jahrelang in den Bestsellerlisten ganz oben – kein Wunder, denn das darin enthaltene Rezept zum zufriedenen Leben klingt auf den ersten Blick einfach: Auf Patentlösungen verzichten und das große Glück erst gar nicht suchen.
1909: Hilde Domin, verheiratete H. Palm († 22.2.2006); deutsche Lyrikerin, die das unschuldige Staunen über einfache Dinge nie verlernt hatte. Behutsamen Ausdruck findet dieses Empfinden unter anderem in ihrem Gedicht „Nur die Rose als Stütze“ (1959), aber auch in ihrer Autobiografie „Von der Natur nicht vorgesehen“ (1974).
1878: August Aichborn († 13.10.1949); österreichischer Pädagoge und Psychoanalytiker, dem die Jugend besonders am Herzen lag. Er vertrat die Überzeugung, dass der Mensch nicht von Grund auf böse ist, weshalb Verbrechen Jugendlicher ihre Ursache in mangelnder oder falscher Erziehung hat. Mit therapeutischen, von ihm selbst entwickelten Maßnahmen versuchte Aichborn, verwahrloste Kinder und Jugendliche zu resozialisieren.
1835: Giosuè Carducci († 16.2.1907); italienischer Schriftsteller. In seinen Anfangsjahren schrieb er auch unter dem Pseudonym Enotrio Romano. Lyrik und Oden (u.a. „Canto di Marzo“) machen das Werk des in der Toscana geborenen Künstlers aus, der als erster Italiener einen Literaturnobelpreis in Empfang nehmen konnte.
1824: Alexandre Dumas fils († 27.11.1895); französischer Schriftsteller. Als unehelicher Sohn von A. Dumas père eiferte er dem Vater nach und erlangte sogar dessen Berühmtheit. Unterhaltung und Belehrung zeichnen seine Romane aus, von denen „Die Kameliendame“ (1848) der bekannteste ist und in späteren Jahren mit Greta Garbo verfilmt wurde.
Copyright Rosmarie Elsner

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