5.2.26: Bayerischer Brauerbund zur Entwicklung der Brauwirtschaft 2025
Im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz hat der Bayerische Brauerbund heute aktuelle Absatzzahlen der bayerischen Brauwirtschaft vorgestellt und deren wirtschaftliche Lage bewertet.
Die Bilanz für das Jahr 2025 fällt ernüchternd aus: Der Inlandsbierabsatz in Deutschland ist gegenüber dem Vor-jahr um 5,8 Prozent oder 3,94 Mio. Hektoliter auf 64,1 Mio. Hektoliter zurückgegangen. Auch in Bayern, das sich in den vergangenen Jahren stets robuster gezeigt hatte, sank der Inlandsabsatz spürbar um 4,5 Prozent auf 17,1 Mio. Hektoliter. Absatzeinbrüche in dieser Größenordnung waren Bayerns Brauern selbst in den Corona-Jahren fremd.
Noch etwas stärker sind die Gesamtabsätze der Brauer, also diejenigen unter Einschluss der Exporte, gefallen: Die deutsche Brauwirtschaft verliert insgesamt 6% oder knapp 5 Mio. Hektoliter, Bayern büßt 5,4% oder 1,3 Mio. hl ein – alles ohne alkoholfreies Bier.
Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielschichtig und ein Zusammenspiel aus demografischer Entwick-lung, verändertem Konsumverhalten und einer Konsum-zurückhaltung auch in den namhaften Exportländern für Bayerisches Bier.
Rechnet man das sich wachsender Beliebtheit erfreu-ende Segment der alkoholfreien Biere hinzu, liegt der gesamte bayerische Bierausstoß bei ca. 25 Millionen Hektolitern. Obwohl alkoholfreie Biere in Bayern mittlerweile auf ein Volumen von 2,5 Mio. hl und damit einen Produktionsanteil von 10% kommen, vermag ihr Zuwachs 2025 (11,5% oder 260.000 hl) die Verluste bei den traditionellen, alkoholhaltigen Sorten bei weitem nicht zu kompensieren.
Unbefriedigende Erlössituation verschärft wirtschaftlichen Druck, besonders im Mittelstand
Dieser Rückgang betrifft große wie kleine Brauereien. Besonders be-troffen ist allerdings der mittelstän-disch geprägte Teil der Branche, der ohnehin schon mit steigenden Be-triebskosten, Fachkräftemangel, wachsendem Preisdruck im Handel und zunehmender Bürokratie zu kämpfen hat. Die weiterhin niedrige Konsumlaune der Verbraucherinnen und Verbraucher sowohl im Handel als auch in der Gastronomie tut ihr Übriges. In der Summe ergibt sich daraus ein wirtschaftlicher Druck, der viele Betriebe an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringt.
Dass Ende 2026 in einer der älte-sten und zudem größten Brauerei der Oberpfalz endgültig das Feuer unter dem Sudkessel erlischt, steht dabei exemplarisch für eine Ent-wicklung, die sich in vielen Regio-nen Bayerns zeigt. „Das Aus dieser Traditionsbrauerei ist kein Einzelfall, sondern Teil eines schleichenden Aderlasses“, so Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauer-bundes. „Was verloren geht, ist nicht nur wirtschaftliche Substanz, sondern auch kulturelle Identität.“
Rahmenbedingungen an Branchenentwicklung anpassen
Deshalb darf der Abbau überbor-dender Bürokratie kein Lippenbe-kenntnis bleiben. Die energetische Transformation muss gerade für kleinere und familiengeführte Betrie-be machbar bleiben. Und wenn selbst die Monopolkommission den übermächtigen Konzentrationsgrad im Lebensmitteleinzelhandel kriti-siert, dann ist es höchste Zeit, daraus auch politische Konsequen-zen zu ziehen. Denn die Markt-macht der Handelsriesen schnürt gerade mittelständischen Herstel-lern buchstäblich die Luft zum At-men ab.
Bayerisches Bier bleibt ein Symbol für Qualität und Herkunft
Trotz dieser schwierigen Lage warb Präsident Schneider für eine diffe-renzierte Betrachtung. Denn die bayerischen Brauerinnen und Brau-er stehen weiterhin für Qualität, Handwerk, Nachhaltigkeit und regio-nale Verantwortung.
Das Bayerische Bier, geschützt durch die EU als geografische Her-kunftsangabe, bleibt ein Symbol für gelebte Tradition und handwerkliche Braukunst. „Unsere Brauereien lie-fern nicht nur ein Produkt. Sie er-zählen Geschichten, schaffen Ar-beitsplätze und stiften Gemein-schaft“, so Schneider. „Und wer sich für Bayerisches Bier entscheidet, entscheidet sich ganz bewusst für Herkunft, Haltung und Heimat.“
Verantwortung für die Zukunft – Chancen nutzen im Schulterschluss mit der Branche
Mit Blick auf die Zukunft setzt der Branchenverband auf eine enge Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette, von der Brauwissenschaft und den Bierrohstoffen über die Brauereien bis in den Handel. Gleichzeitig engagiert sich der Brauerbund für praxisnahe, nachhaltige Lösungen in der Klimaanpassung, für energieeffiziente Produktionsverfahren und alternative Produkte, die sich mit Kreativität und der vorhandenen Brauereitechnik herstellen lassen. Dies gilt nicht nur für ein noch breiteres Angebot an alkoholfreien Erfrischungsgetränken, sondern auch für die Produktkategorie „Liquid food“, bei der die Brauwirtschaft erst am Anfang steht und viel Potential sieht. Schneider betonte: „Unsere Aufgabe ist es, das bayerische Brauhandwerk in eine neue Zeit zu führen! Mit Maß, mit Mut und mit dem Vertrauen darauf, dass die Menschen in Bayern auch morgen noch wissen, was ein gutes Bier wert ist.
