Kalenderblatt Sonntag 31.10.21

Kalenderblatt Sonntag, 31. Oktober 2021

religion-0018.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandZitat des Tages: „Die Arznei macht kranke, die Mathematik traurige und die Theologie sündhafte Leute.“ Martin Luther (1483-1546)

31.10.1517: Martin Luther: Der streitbare Reformator und seine 95 Thesen

Auf ziemlich eigenwillige Weise veröffentlicht Martin Luther, Professor für Moralphilosophie, heute seine Thesen, mit denen er die Bürger über den päpstlichen Ablasshandel aufklären will. Insgesamt 95 Thesen nagelt der beherzte Reformator kurzerhand an die Türe der Wittenberger Schlosskirche. Damit löst der anders denkende Theologe im Land die Reformation aus und spaltet die bis dahin allein selig machende Kirche in zwei konträre Lager.

Mehr Details:

Mit der römisch-katholischen Kirche stand der Professor für Bibelauslegung auf der Suche nach der wahren Gerechtigkeit Gottes schon seit geraumer Zeit auf Kriegsfuß. Insbesondere die päpstliche Ablasspraxis, mit der sich jedermann gegen Geld von seinen Sünden loskaufen konnte, war ihm ein Dorn im Auge. Der Ablass, eine vom Klerus auferlegte Bußleistung für begangene Sünden, hatte im Laufe der Zeit seltsame Blüten getrieben. Ließ sich in früheren Zeiten Buße dadurch tun, dass man an einem Kreuzzug teilnahm, genügte es später bereits, einen Stellvertreter zu entsenden oder dem in Geldnöten geratenen Vatikan ein stattliches Sümmchen zu spenden. Echte innere Reue wurde durch diese gängige Praxis überflüssig, mit dem „Freibrief von oben“ war dem Laster im Land bald Tür und Tor geöffnet.

Erschwerend kam hinzu, dass immer mehr Ablassprediger im Reich unterwegs waren, um die „Bußgelder“ zu kassieren. Als besonders eifrig erwies sich dabei der päpstliche Commissarius Johannes Tetzel, der im benachbarten brandenburgischen Jüterbog sein lukratives Amt ausübte. Da Kursachsen, wo Luther aktiv war, nicht zum Einzugsgebiet der Ablasshändler zählte und hier überdies die Pest herrschte, pilgerten die sündigen Wittenberger nur zu gerne nach Jüterbog, um Buße käuflich zu erwerben. Somit blieb das Geld noch nicht einmal im eigenen Territorium. Zum Verdruss Luthers gab Tetzel überdies eine Instruktionsschrift für Ablasshändler heraus, die den Theologen nicht länger schweigen ließ. In seinen 95 Thesen, die bei der Bevölkerung auf ein gewaltiges Echo stießen, forderte er die öffentliche Diskussion über den päpstlichen Missbrauch.

Der Aufforderung des Vatikans, seine Thesen unverzüglich zu widerrufen, kam der streitbare Luther in der Form nach, als er die päpstliche „Bulle“ vor dem Wittenberger Elstertor demonstrativ verbrannte. Darüber hinaus brachte ihm seine Überzeugung, „das Papsttum sei eine rein menschliche Institution, auch Konzilien könnten irren“, die Androhung der Verbannung ein.

Anmerkung: Die Thesentüre wurde im Siebenjährigen Krieg zerstört und durch eine Bronzetüre ersetzt. Historisch lässt sich nicht belegen, ob Luther seine Thesen tatsächlich plakativ an der Kirchentüre anbrachte oder sie auf andere Weise unters Volk brachte. Tatsache ist, dass er damit die Spaltung der Kirche herbeiführte und neben der römisch-katholischen eine evangelische Glaubensgemeinschaft entstand.

Gedenktage:

1996: Während eines einwöchigen Staatsbesuchs in Asien, wo er auf den Philippinen die Ehrendoktorwürde der Universität Manila entgegennimmt, begeht Bundeskanzler Helmut Kohl ein denkwürdiges Jubiläum: 5.145 Tage im Amt als Regierungschef; damit übertrumpft der „standhafte“ Politiker alle seine Vorgänger.

1984: Indiens Ministerpräsidentin Indira Gandhi wird im Park ihrer Residenz Opfer eines Attentats, ausgeübt von zwei fanatischen Anhängern der Religionsgemeinschaft der Sikhs. Der Tod der 67-jährigen Regierungschefin, deren Nachfolge ihr 40-jähriger Sohn Rajiv antritt, löst Unruhen im ganzen Land aus, die zahlreiche Menschenleben fordern.

1957: Auf Grundlage des im Juli verabschiedeten Atomgesetzes nimmt heute der erste Atomforschungsreaktor der Bundesrepublik in Garching, nördlich von München, seinen Betrieb auf. Wegen der eigenwilligen Form erhält das Kraftwerk der Technischen Universität München von den Bürgern den Spitznamen „Atomei“.

1888: Leicht gerädert! Der irische Tierarzt John Boyd Dunlop erhält das Patent für den Luftreifen, den er ursprünglich für das Dreirad seines Sohns konstruiert hatte. Bald verdrängt der leichtere Reifen das Modell aus Vollgummi und trägt entscheidend zum Erfolg von Fahrrad und Automobil bei.

1848: Mit der Eroberung Wiens durch Feldmarschall Alfred Fürst zu Windischgrätz endet die so genannte „Zweite Revolution“. Bürger und Proletarier hatten die Donaumetropole eine Woche lang in ihre Gewalt gebracht; dabei waren mehrere tausend Aufständische und Soldaten ums Leben gekommen.

Geburtstage:

1960: Diego Armando Maradona; argentinischer Fußballspieler und Trainer, der nicht nur mit seinen Ballkünsten, sondern auch mit Dopingskandalen Schlagzeilen schrieb. „Die Hand Gottes“ wurde 1991 wegen Kokainbesitzes verhaftet und nach seinem Comeback (1994) bei der WM in den USA wegen Drogenmissbrauchs erneut aus dem Verkehr gezogen. Der übergewichtige Stürmer arbeitet heute als TV-Moderator und zeigte sich der Öffentlichkeit während der Fußball-WM 2006 als euphorischer Anhänger der argentinischen Nationalmannschaft.

1928: August Everding († 26.1.1999); deutscher Bühnenregisseur und Intendant. Von 1973 bis 1977 steuerte er die künstlerischen Geschicke der Hamburger Staatsoper, von 1982 bis zu seinem Tod leitete er als Generalintendant das Bayerische Staatstheater und setzte sich in dieser Zeit engagiert für die Wiedereröffnung des Münchner Prinzregententheaters ein.

1922: Prinz Norodom Sihanouk; kambodschanischer König und Politiker. Nach seinem Sturz als Staatspräsident (1970) lebte er über zwei Jahrzehnte in Peking im Exil, während die Roten Khmer in weiten Teilen des Landes die Herrschaft übernahmen. Erst 1990 kehrte er in die Heimat zurück, wurde Vorsitzender des Nationalrats und im September 1993 erneut zum König gekrönt. 2004 übernahm sein Sohn Norodom Sihamoni die Regierungsgeschäfte.

1920: Helmut Newton († 23.1.2005); deutsch-australischer Starfotograf. Der für internationale Modemagazine tätige Künstler kreierte einen neuen Stil in der Aktfotografie und gelangte damit zu Weltruf. 1999 wurde dem in Monte Carlo lebenden und bekanntesten Fotografen der Welt der „Life Legend Award“ verliehen; im Januar 2004 kam Newton bei einem Autounfall in Hollywood ums Leben.

1920: Fritz Walter († 16.6.2002); deutscher Fußballspieler und langjähriger Kapitän der Nationalelf, bei dessen Namenserwähnung Fans des runden Leders heute noch ins Schwärmen geraten. In 61 Länderspielen erzielte der Torjäger 33 Treffer. Die Fußball-Legende wurde 1954 im Endspiel gegen Ungarn (3:2) unter Trainer Sepp Herberger Weltmeister. Herbergers Nachfolger als Bundestrainer wollte er zu dessen Leidwesen aber nicht werden.

Copyright: Rosemarie Elsner

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