Kalenderblatt Sonntag 24.1.21

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Zitat des Tages: „Was nützt ein Engel, wenn er Englisch spricht?“ Eugen Roth (1895-1976)

24.1.1995: Mord(s)prozess gegen Footballstar Simpson

Im kalifornischen L.A. bricht der erste Tag im Mordprozess gegen den US-Football-Star und Schauspieler O. J. Simpson an. Der farbige Sportler wird des Doppelmordes an seiner Ex-Frau Nicole und deren Freund Ron beschuldigt. Der spektakuläre Mord avanciert im Prozessverlauf zum „Mordsspektakel“. Das zum internationalen Medienereignis hochstilisierte Verfahren endet im Oktober 1995 mit einem sensationellen Freispruch.

Mehr Details:

Hat er, oder hat er nicht – seine attraktive Exgattin Nicole Brown und deren Liebhaber Ronald Goldman am 12. Juni 1994 mit zahlreichen Messerstichen getötet? So lautet die Frage, die die amerikanische Nation beschäftigt. Nicht nur die ehemaligen Schwiegereltern und Freunde des ermordeten Paares, sondern Millionen von Amerikanern sind überzeugt davon, dass der scheinbar mitunter gewalttätige Simpson die abscheuliche Tat begangen hat. Schließlich fand einer der Kripo-Beamten im Garten der Simpson-Villa einen blutbefleckten Handschuh, das Gegenstück dazu wurde bereits am Tatort sichergestellt. Angesichts dieses Hauptbeweisstückes sieht es zunächst ziemlich düster für den Angeklagten aus, der beharrlich seine Unschuld beteuert.

Im Lauf des knapp zehn Monate dauernden und acht Millionen teuren Indizienprozesses wendet sich jedoch das Blatt zugunsten des auch im Gerichtssaal überaus medienfreudigen Football-Nationalhelden Simpson. Dies verdankt er in erster Linie seinem Hauptverteidiger Cochran, der aus seinem Ärmel ein Ass namens „Rassismus“ zieht. Irgendwie gelingt es ihm, dem weißen Kriminalbeamten zu unterstellen, dass dieser quasi einen „Fehdehandschuh“ in Simpsons Garten eingeschmuggelt habe.

Der Stellenwert, den die Mordaffäre in der Öffentlichkeit einnimmt, ist fast so sensationell wie die Entscheidung der Geschworenen nach 371 Verhandlungstagen. Der im Rampenlicht stehende Angeklagte wird beinahe zum Wirtschaftsfaktor im Leben der US-Bürger: Er verhilft dem Gerichts-TV zum Programmstart, lässt am Tag der Urteilsverkündung den Stromverbrauch in die Höhe schnellen, die Telefongespräche schlagartig zurückgehen und sogar die ehrwürdige Börse an der New Yorker Wall Street für eine Stunde ruhen.

Die Welt hält den Atem an, als die zwölf Geschworenen sich zu ihren Beratungen zurückziehen. Am 3. Oktober verkündet Richter Lance Ito das Urteil: Es lautet „not guilty“.

Anmerkung: Der freigesprochene O. J. Simpson wurde in einem späteren Prozess zivilrechtlich für den Tod des Paares verantwortlich gemacht.

Gedenktage:

1997: Das Landgericht Mannheim verkündet den Urteilsspruch gegen Peter Graf, den Vater der Tennisspielerin Steffi Graf. Der prominente Steuersünder, der rund 16 Millionen Mark am Finanzamt vorbeigeschleust hat, muss für drei Jahre und neun Monate hinter Gitter.

1965: Sir Winston Churchill, eine der herausragendsten Persönlichkeiten dieses Jahrhunderts, stirbt im Alter von 90 Jahren in London. Zu Ehren des großen Staatsmannes und ehemaligen britischen Premierministers salutieren 7.000 Soldaten am Sarg des Politikers und Literatur-Nobelpreisträgers von 1953.

1941: Nach fünfjährigem Londoner Exil kehrt Äthiopiens Kaiser Haile Selassie mit britischer Hilfe in die Heimat zurück und übernimmt nach dem Zusammenbruch der italienischen Besetzung erneut die Macht in seinem Land.

1857: Ein in Paris beginnender Prozess wirft dem französischen Schriftsteller Gustave Flaubert „Obszönitäten und Blasphemie“ in seinem Roman „Madame Bovary“ vor. Darin begeht eine Frau aus romantischer Liebe Ehebruch – für Moralapostel ein triftiger Grund, vor Gericht zu ziehen. Ein brillantes Plädoyer von Flauberts Anwalt führt zum Freispruch.

1848: Der amerikanische Holzfäller James Marshall und der 1834 aus der Schweiz eingewanderte General Sutter finden auf Sutters Grundstück nahe des Sacramento River Gold. Der sensationelle Fund lockt zahlreiche Goldsucher an und führt zum legendären „Goldrausch“ in Kalifornien.

41: Der römische Gewaltherrscher Gaius Julius Caesar Germanicus, „Caligula“ genannt, (der lateinische Begriff für „Soldatenstiefelchen“), fällt einer Verschwörung der Prätorianer zum Opfer. Sein Onkel Claudius tritt die Nachfolge als Kaiser an.

Geburtstage:

1939: Joseph Vilsmaier; deutscher Regisseur. Der Vollblutbayer begeisterte die Kinozuschauer schon viele Male: mit heimatverbundenen Filmen („Herbstmilch“, „Bergkristall“) oder historischen Stoffen („Stalingrad“, „Comedian Harmonists“). Verheiratet ist der Starregisseur mit der tschechischen Schauspielerin Dana Vávrowá, die auch in seinen Filmen häufig zu sehen ist (u.a. in „Schlafes Bruder“).

1895: Eugen Roth († 28.4.1976); deutscher Schriftsteller und Journalist. Hinterlassenschaft des berühmten Münchners sind hintergründig-humorvolle Gedichte, in denen er die menschlichen Schwächen einer heiteren Betrachtung unterzieht: so geschehen in seinen „Mensch“-Büchern „Mensch und Unmensch“ (1948) oder „Der letzte Mensch“ (1983).

1888: Vicki Baum († 29.8.1960); österreichische Unterhaltungsschriftstellerin, die zunächst Musikerin werden wollte. Weil ihre Bücher im Dritten Reich verboten wurden, wanderte die Wiener Autorin, deren bekanntestes Werk der mit Greta Garbo in Hollywood verfilmte Roman „Menschen im Hotel“ (1932) ist, 1931 nach Kalifornien aus.

1776: E. T. A. Hoffmann († 25.6.1822); deutscher Dichter, Komponist und Zeichner der Spätromantik. Seine Initialen stehen für Ernst Theodor Amadeus, letzteren Namen legte er sich allerdings wegen seines Faibles für Mozart zu. Berühmt wurde der Künstler durch seine von Jacques Offenbach vertonten „Hoffmanns Erzählungen“.

76: Publius Aelius Hadrianus, genannt Hadrian († 10.7.138); römischer Kaiser ab 117, Adoptivsohn und Nachfolger Trajans. Auf den großen Förderer von Kunst und Literatur geht unter anderem die Erbauung der Engelsburg in Rom, des Pantheons und des Olympieions in Athen zurück.

Copyright Rosmarie Elsner

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