Kalenderblatt Freitag 25.12.20

Kalenderblatt Freitag, 25. Dezember 2020 – 1. Weihnachtsfeiertag

Zitat des Tages: „Wichtigtuer sind Leute, die nie etwas Wichtiges tun.“ Henri Nannen (1913-1996)

Fernseher von 123gif.de25.12.1952: Startschuss fürs Deutsche Fernsehen: Eine schöne Bescherung
„Unser tägliches Bild gib‘ uns heute!“ Dieser Wunsch geht für Bundesbürger am Abend des ersten Weihnachtsfeiertages 1952 in Erfüllung. Zunächst allerdings nur für ganz wenige, denn wer verfügte sieben Jahre nach Kriegsende schon über den Luxus eines Fernsehgerätes? In Nordrhein-Westfalen waren es 300 Personen, in Norddeutschland und Berlin kamen weitere 600 bis 700 Gerätebesitzer hinzu; alles in allem gab es in Deutschland 4.664 registrierte Fernsehapparate. Mehr Details:Der Eintritt ins Fernsehzeitalter – mit einem Programm, das aus den behelfsmäßigen Studios des NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) in Hamburg, Köln und Berlin-Tempelhof für Zuschauer in Berlin, Nord- und Westdeutschland ausgestrahlt wurde – fand daher nur vor einer Handvoll „Auserwählter“ statt. Denn ein Fernsehapparat kostete die stattliche Summe von 1.150 Mark – zur damaligen Zeit ein Vermögen.

Eine Stunde und 58 Minuten dauerte die erste reguläre Fernsehübertragung in Deutschland; angesagt wurde das Programm von Deutschlands erster Fernsehansagerin, der charmanten 24-jährigen Hamburgerin Irene Koss, die dem Fernsehpublikum auch in Zukunft treu bleiben wird.

Natürlich ging alles noch ein wenig improvisiert vonstatten, wenngleich dem TV-Start eine längere Testphase voranging. Den offiziellen Startschuss fürs deutsche Fernsehen gab der damalige Intendant des NWDR, Dr. Werner Pleister, mit einer Eröffnungsrede. Danach wurde es weihnachtlich: Es folgte das Fernsehspiel „Stille Nacht, heilige Nacht“. Daran schloss sich ein internationaler Teil an, in dem Fernsehsender aus aller Welt den deutschen Neuzugang aufs Herzlichste begrüßten. Und schließlich bildete eine Tanzsendung mit dem Rundfunkorchester des NWDR den krönenden Abschluss des ersten deutschen Fernsehtages.

Am Tag darauf, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, ging die erste Tagesschau auf Sendung, die fortan dreimal wöchentlich ausgestrahlt werden sollte. Im Mittelpunkt der Nachrichten, die in die deutschen Wohnstuben flimmerten, standen die Koreareise des künftigen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower sowie ein Fußball-Länderspiel, in dem die deutschen Kicker gegen die Mannschaft Jugoslawiens antraten. Nach dem Wetterbericht hielt ein bald Altbekannter, der Showmaster Peter Frankenfeld, mit der Unterhaltungssendung „Eine nette Bescherung“ seinen Einzug in die deutsche Fernsehlandschaft.

Dass die „Bescherung“ geglückt ist, wird sich in den kommenden Jahren immer wieder aufs Neue bestätigen. Bald werden immer mehr Bundesbürger stolze Besitzer einer „Flimmerkiste“ sein, ohne die der deutsche Alltag nur halb so schön ist. Schließlich versprach Intendant Pleister den Zuschauern beim Programmstart: „Wir versprechen Ihnen, uns zu bemühen, das neue geheimnisvolle Fenster in Ihrer Wohnung, das Fenster in die Welt, Ihren Fernsehempfänger, mit dem zu erfüllen, was Sie interessiert, erfreut und Ihr Leben schöner macht.“

Gedenktage:

1989: Rumäniens gestürzter Staats- und Parteichef Nicolae Ceausescu und seine Frau Elena werden von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und unmittelbar darauf erschossen. Die Nachfolge des stalinistischen Diktators, der 20 Jahre lang die Herrschaft in Rumänien ausübte, tritt Ion Iliescu an, der sich von der Politik seines Vorgängers distanziert.

1977: In Vevey/Schweiz stirbt der britische Schauspieler Charlie Chaplin im Alter von 88 Jahren. Der brillante Slapstick-Komiker, der 1953 seine Wahlheimat USA verließ, weil ihm in der McCarthy-Ära eine „unamerikanische Haltung“ vorgeworfen wurde, bleibt dem Publikum unvergesslich mit Filmen wie „Lichter der Großstadt“, „Moderne Zeiten“ und „Goldrausch“.

1818: In einer Dorfkirche bei Salzburg wird während der Weihnachtsmesse zum ersten Mal das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gesungen. Den Liedtext verfasste der ortsansässige Geistliche Joseph Mohr, die Melodie hingegen stammt aus der Feder des österreichischen Organisten Franz Xaver Gruber.

1705: Obwohl sie die Waffen niederstreckten und um Gnade für ihr Leben flehten, werden über tausend wehrlose Bauern, die sich gegen die österreichische Besatzungsmacht erhoben hatten, südlich von München von kaiserlichen Truppen brutal niedergemetzelt. Mit der „Sendlinger Mordweihnacht“ bricht der Bauernaufstand zusammen.

800: Frankenkönig Karl der Große, auf der anderen Seite des Rheins auch „Charlemagne“ genannt, wird am Weihnachtsabend in der Peterskirche von Rom von Papst Leo III. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gekrönt.

498: Um die Unterstützung der katholischen Kirche zu gewinnen, bekennen sich der heidnische Merowingerkönig Chlodwig und seine Krieger zum Christentum. Als Zeichen ihrer neuen religiösen Gesinnung empfangen sie in Paris das Sakrament der heiligen Taufe.

Geburtstage:

1954: Annie Lennox; britische Sängerin und zusammen mit Dave Stewart Mitglied des Pop-Duos „Eurythmics“ („Sweet Dreams Are Made Of This“). Auch als Solistin ist die Schottin mit der ausdrucksstarken Stimme erfolgreich: Nach der Geburt ihrer beiden Töchter tauchte sie 1992 wieder aus der Versenkung auf und landete mit ihrem Debüt-Album „Diva“ gleich einen Treffer, einen Oscar erhielt sie 2004 für den besten Filmsong, das Lied „Into the West“ im Fantasyfilm „Herr der Ringe“.

1943: Hanna Schygulla; deutsche Schauspielerin und Chansonsängerin. Dem Publikum wurde sie zunächst mit Rollen in Rainer Werner Fassbinders Filmen (u.a. „Lili Marleen“, „Die Ehe der Maria Braun“), seinen Bühnenstücken und der TV-Serie „Acht Stunden sind kein Tag“ bekannt. Die mehrfach mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnete Mimin arbeitete später auch mit den Regisseuren Wim Wenders, Carlos Saura und Margarethe von Trotta und jüngst mit Fatih Akim („Auf der anderen Seite“).

1918: Mohammed Anwar as-Sadat († 6.10.1981); ägyptischer Politiker und Friedensnobelpreisträger von 1978. Der Nachfolger Nassers als Staatspräsident brachte mit seinem historischen Besuch in Israel 1977 die Gespräche mit dem verfeindeten Nachbarland wieder in Gang. Diese Friedenspolitik, die in der arabischen Welt auf wenig Gegenliebe stieß, wurde im schließlich zum Verhängnis; 1981 wurde der Staatsmann von religiösen Fanatikern in Kairo ermordet.

1913: Henri Nannen († 13.10.1996); deutscher Publizist, Kunstsammler und Mäzen. 1948 begründete der Journalist und Chefredakteur der hannoverschen „Abendpost“ das Magazin „stern“, dessen Chefredakteur er bis 1980 und Herausgeber bis 1983 war. Sein Rückzug aus dem Verlagsgeschäft (1983) wurde vom Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher überschattet.

1742: Charlotte von Stein († 6.1.1827). Die geistige Freundin Johann Wolfgang von Goethes lernte diesen 1775 kurz nach seiner Ankunft in Weimar kennen, als sie (35-jährig) bereits Mutter von sieben Kindern war und in einer unglücklichen Ehe mit dem Stallmeister Friedrich Frhr. von Stein lebte. Die zwölf Jahre währende „Geistesverwandtschaft“ soll Goethe als Künstler und Wissenschaftler inspiriert haben; zum Bruch kam es, als Deutschlands Dichterfürst die Jahre in Italien ihrer Gesellschaft vorzog.

Copyright Rosmarie Elsner

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