Kalenderblatt Samstag 21.11.20

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Zitat des Tages: „Gesellschaftlich ist kaum etwas so erfolgreich wie Dummheit mit guten Manieren.“ Voltaire (1694-1778)

21.11.1620: Mayflower: Ankunft in der Neuen Welt
Nach einer abenteuerlichen zweimonatigen Atlantiküberfahrt trifft das englische Schiff „Mayflower“ mit 100 puritanischen Einwanderern an Bord heute in Cape Cod in Massachusetts (Neuengland) ein. Dort hoffen die aus Plymouth kommenden Pilgerfamilien auf ein neues Leben als Siedler. Im „Mayflower-Compact“ verpflichten sich die frommen Emigranten zur Errichtung einer gesetzlichen Ordnung zum Wohle aller Bürger.

Mehr Details:

Im englischen Hafen Plymouth war die „Mayflower“ am 16. September 1620 in See gestochen. Dass von den 102 an Bord gegangenen Puritanern, die mit dem Wunsch der freien Religionsausübung in die „Neue Welt“ auswanderten, hundert lebend ihr Ziel erreichten, war eher einem glücklichen Zufall zu verdanken als dem Kapitän und dessen seemännischer Erfahrung. Kapitän Christopher Jones hatte bis dahin noch nie eine derart weite Reise unternommen, allenfalls einige Fässer Wein von Frankreich nach England transportiert. Und was den Zustand der „Mayflower“ anbelangt, so grenzt es an ein Wunder, dass das aus heutiger Sicht für eine Atlantiküberquerung völlig untaugliche Schiff zu dieser Jahreszeit die Küste von Neuengland überhaupt erreichte. Ursprünglich planten die „Pilgrim Fathers“ einen Neuanfang in Virginia, für das ihnen eine Siedlungsgenehmigung vorlag, doch verschlug es sie wegen der ungünstigen Witterung nach Cape Cod, dem heutigen Provincetown im US-Bundesstaat Massachusetts.

Kapitän Jones setzte die fromme Fracht, die bei der Überfahrt durch die beengten Verhältnisse, Krankheiten und mangelnde Ernährung gelitten hatte, ab und segelte im Frühjahr nach England zurück. Als die „Mayflower“ im Mai 1621 in ihrem Heimathafen Plymouth eintraf, brachte er nur die halbe Mannschaft nach Hause. Der Großteil der Besatzung hatte den Gewaltakt nicht überstanden, und auch der Kapitän litt bis zu seinem Tod im März 1622 an den Folgen von Unterernährung und Erschöpfung.

Währenddessen versuchten sich die englischen Siedler in ihrer neuen Heimat mehr schlecht als recht durchzuschlagen. Besonders der erste harte Winter im „Gelobten Land“ machte ihnen zu schaffen; ohne die Hilfe der Ureinwohner, die sie mit Mais – das indianische „Korn“ – versorgten, ihnen die heimische Pflanzenwelt erklärten und ihnen zeigten, wie man aus Ahornbäumen Sirup gewinnt, wären ihre Überlebenschancen gleich Null gewesen. Sie gründeten New Plymouth, die erste Siedlung Neuenglands und gelobten per Gesetz, dem sog. „Mayflower-Compact“, eine Kolonie zu gründen und in einer frei geschaffenen Selbstregierung die Ordnung zum Schutz und Wohle aller Bürger aufrechtzuerhalten. Diese von 41 Pilgern (das Häuflein, das den strengen Winter überlebte) unterzeichnete Urkunde gilt als die erste „Verfassung“ in der neuzeitlichen Geschichte Amerikas.

Im Jahr darauf feierten sie aus Dankbarkeit das erste „Thanksgiving“-Fest, eine Tradition, die bis heute erhalten blieb.

Gedenktage:

1964: In New York wird die Verrazano Bridge, die den Stadtteil Brooklyn mit Staten Island verbindet, dem Verkehr übergeben. Bis 1981 bleibt das 1,3 Mrd. Mark teure Bauwerk, das über eine Spannweite von 1.295 m verfügt, die größte Hängebrücke der Welt.

1947: Das Bühnenstück „Draußen vor der Tür“, das das ergreifende Schicksal eines Kriegsheimkehrers schildert, feiert in Hamburg Uraufführung. Dem 26-jährigen Autor Wolfgang Borchert ist es nicht mehr vergönnt, die Premiere mitzuerleben: Er erlag am Tag zuvor einem schweren Leiden.

1916: Mit dem Tod von Österreichs Kaiser Franz Joseph I. in Schloss Schönbrunn geht in der Donaumonarchie eine 68-jährige Regentschaft zu Ende. Die Nachfolge des 86-Jährigen, der zwei Jahre zuvor nach dem Attentat auf seinen Neffen und Thronfolger in Sarajevo schweren Herzens die Kriegserklärung gegen Serbien unterschrieb, die mit zum Ersten Weltkrieg führte, tritt sein 29-jähriger Enkel Karl an.

1811: Einen Monat nach seinem 34. Geburtstag scheidet der vom Leben enttäuschte deutsche Dichter Heinrich von Kleist („Der zerbrochene Krug“) in Berlin gemeinsam mit seiner schwer kranken Freundin Henriette Vogel aus dem Leben. Wie viele begnadete Künstler hatte der Dramatiker zu Lebzeiten keinen Erfolg und gelangte erst nach seinem Tod zu Ruhm.

1803: Der „Schinderhannes“ genannte Räuberhauptmann (eigentlich Johann Bückler), der im Hunsrück sein Unwesen trieb und einst, wie Robin Hood, überwiegend reiche Händler überfiel und ausraubte, wird mit seinen Gefährten in Mainz durch die Guillotine hingerichtet.

1783: Die vermutlich erste Luftreise in der Geschichte der Menschheit nimmt heute in Paris ihren Anfang. Dort startet der Franzose Jean-François Pilâtre de Rozier in einem von den Brüdern Montgolfier konstruierten Heißluftballon, einer „Montgolfiere“, in der er in rund 1.000 Metern Höhe eine zwölf km lange Strecke zurücklegt.

Geburtstage:

1946: Heinz Bosl († 12.6.1975); deutscher Tänzer. Nicht nur als Solist an der Bayerischen Staatsoper erwarb sich der früh verstorbene Ballett-Tänzer einen ausgezeichneten Ruf, auch im Team mit Partnerin Konstanze Vernon begeisterte er die Anhänger des klassischen Balletts in den 70er Jahren. Eine 1978 ins Leben gerufene und nach Bosl benannte Stiftung widmet sich seither der Förderung des talentierten Nachwuchses.

1945: Goldie Hawn; US-amerikanische Schauspielerin und Regisseurin. In ihren frühen Filmen sah man sie häufig in Rollen der naiven Blondine. Schauspielerisches Können bewies sie in späteren Jahren, z.B. in der Filmkomödie „Die Kaktusblüte“ (1969), für die sie mit einem Nebenrollen-Oscar ausgezeichnet wurde. Ferner glänzte sie als verlassene Ehefrau neben Bette Middler und Diane Keaton im „Club der Teufelinnen“. Im Privatleben ist sie 1983 mit dem Schauspieler Kurt Russell liiert, mit dem sie einen Sohn hat.

1927: Barbara Rütting, eigentlich Waltraud Goltz; deutsche Schauspielerin, Ernährungsberaterin, Autorin und Politikerin. Als Schauspielerin wirkte sie in rund 45 Filmen mit, u.a. in Krimis wie „Der Zinker“, aber auch in US-Produktionen („Stadt ohne Mitleid“). Die Bundesfilmpreis-Trägerin widmete sich nach dem Rückzug aus dem Filmgeschäft dem Thema „Gesunde Ernährung“. Unter eigenem Label vermarktet die ehemaligen Grüne-Politikerin eine Vollwert-Brotmarke und organisiert Hilfsprojekte.

1898: René Magritte, eigentlich R. François Ghislain M. († 15.8.1967); belgischer Maler. Der zu den bedeutendsten Repräsentanten des Surrealismus zählende Künstler beeinflusste nicht nur maßgeblich moderne Stilrichtungen wie die Pop-Art-Kultur, sondern animiert die Betrachter seiner Bilder auf reizvolle Weise zum Mitdenken, mit naturgetreuen Abbildungen, die sich bei näherer Betrachtung als etwas anderes herausstellen (z.B. das Bild des Apfels, laut Magritte: „Ceci n’est pas une pomme“, 1968).

1694: Voltaire, eigentlich François Marie Arouet († 30.5.1778); französischer Schriftsteller und Philosoph der Aufklärung. Seine Heimat Frankreich verließ er 1726 wegen eines Streits mit einem Chevalier und lebte und arbeitete fortan in England. Sein schöpferisches Werk umfasst Dramen ebenso wie Satiren und naturwissenschaftliche, philosophische und historische Betrachtungen: u.a. „Histoire de Charles XII.“, 1731, „La mort de César“, 1736.

Copyright: Rosemarie Elsner

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