Kalenderblatt Sonntag 15.11.20

Kalenderblatt Sonntag, 15. November 2020

Zitat des Tages:„Es ist kein Verdienst, Verstand zu haben, sondern ein Glück; aber Verdienst ist es, ihn zur Erkennung seiner selbst anzuwenden.“ Johann Kaspar Lavater (1741-1801)

affe-0032.gif von 123gif.de15.11.1923: Inflation durch Rentenmark besiegt

Mit der Schaffung der Rentenbank und Einführung einer neuen Währung, der „Rentenmark“, am 15. November 1923, kann der Inflation in Deutschland endlich Einhalt geboten werden. Zwar können mit Ausgabe der Rentenbankscheine die Preise, die sich im Herbst 1923 im Deutschen Reich in schwindelnden Höhen bewegen, allmählich wieder aufgefangen werden, dafür stehen unzählige private Bürger, die ihr Erspartes auf der Bank liegen haben, vor dem Nichts.

Mehr Details:

Bedingt durch die hohen Reparationszahlungen, die der Erste Weltkrieg nach sich zog, hatte sich Deutschland Anfang der 20er Jahre hoffnungslos verschuldet. Diese kriegsbedingten Zahlungen addierten sich 1918 zu über 390 Milliarden Goldmark auf. Der Staat war gezwungen, immense Kredite aufzunehmen, und da die Volkswirtschaft zu schwach war, diese zu decken, ließ die Geldentwertung nicht lange auf sich warten. Im Herbst 1923 erreichte die Inflation ihren Höchststand, die Reichsmark – bis zum Ersten Weltkrieg eine stabile Währung – war keinen Pfifferling mehr wert.

Die Preise für Lebensmittel stiegen von Tag zu Tag, bezahlt wurde bald mit Millionen- und Billionen-Scheinen. Kostete ein Pfund Butter im August 1922 noch 30 Mark, musste man im Dezember bereits 1.000 Mark dafür berappen. Bald brachten die Arbeiter ihren Lohn, wie es sprichwörtlich heißt, „in Wäschekörben“ nach Hause. Am Tag der Lohnauszahlung warteten die Frauen schon mittags ungeduldig an den Fabriktoren, um noch am gleichen Nachmittag die notwendigsten Lebensmittel einzukaufen, da die Preise am nächsten Tag bereits wieder um ein Vielfaches gestiegen sein würden.

Der Verfall der deutschen Währung wird auch an der Dollarnotierung deutlich: Im Juli 1914 war ein US-Dollar noch 4,20 Mark wert, im Januar 1923 schon 17.972 Mark und am 15. November gar 4,2 Billionen Mark. Im März 1923 waren fünf Billionen, im November 400 Trillionen Reichsmark im Umlauf. Wer sich zu diesem Zeitpunkt ein Pfund Fleisch leisten wollte, musste dafür rund drei Billionen Mark auf die Ladentheke blättern.

Zur Sanierung musste eine neue Währung her. Sie kam schließlich am 15. November 1923 in Gestalt der neuen Reichsmark, besser bekannt als „Rentenmark“. Angeblich soll zu ihrer Deckung aufgrund des zur damaligen Zeit herrschenden akuten Goldmangels der landwirtschaftliche und industrielle Grundbesitz herangezogen worden sein. Eine Billion Mark entsprach nun einer Reichsmark.

Nach der Währungsreform war der Staat zwar den größten Teil seiner Schulden los, aber über 200.000 Sparguthaben der „kleinen Leute“ waren wertlos geworden. Breite Schichten der Bevölkerung waren mit der Sanierung des Staates zwangsläufig der Arbeitslosigkeit und Verarmung ausgesetzt.

Gedenktage:

1980: Der 700. Todestag des deutschen Philosophen und Theologen Albertus Magnus ist Anlass für den fünftägigen Besuch in Deutschland, zu dem Papst Johannes Paul II. heute auf dem Kölner Flughafen eintrifft. Es ist der erste Deutschlandbesuch eines katholischen Oberhaupts seit 198 Jahren.

1959: Auf ihrem außerordentlichen Parteitag in Bad Godesberg verabschiedet die SPD ein neues Parteiprogramm. Das so genannte „Godesberger Programm“, mit dem die älteste Partei Deutschlands zu Sozialismus und Marxismus auf Distanz geht und sich zur freien Marktwirtschaft bekennt, tritt an die Stelle des Heidelberger Programms aus dem Jahr 1925.

1929: Im Ufa-Palast am Berliner Zoo steht heute die Uraufführung von Arnold Francks Stummfilm „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ auf dem Spielplan. Hauptdarstellerin des Bergabenteuerfilms ist neben Schauspieler Ernst Petersen und Pilot Ernst Udet Leni Riefenstahl, die später selbst als Regisseurin Furore machen wird.

1912: Dem deutschen Schriftsteller und Dramatiker Gerhart Hauptmann wird heute, an seinem 50. Geburtstag, der Nobelpreis für Literatur zugesprochen. Unter den zahlreichen Gratulanten fehlt einer: Deutschlands Kaiser Wilhelm II. Ihm ist der Dichter zu sozialkritisch und daher nicht ganz geheuer.

1905: In Berlin nehmen die ersten Motor-Omnibusse ihren Dienst auf. Die Linienbusse der Berliner Omnibus-Actiengesellschaft, die zwischen Halleschem Tor und Chausseestraße verkehren, bieten in seitwärts offenen und mit Oberdeck ohne Dach versehenen Fahrzeugen Platz für jeweils 37 Passagiere. Sicherheitshalber fahren sie nur tagsüber, nachts sind weiterhin die altbekannten Pferdedroschken unterwegs.

Geburtstage:

1936: Wolf Biermann; deutscher Liedermacher und Lyriker. Der gebürtige Hamburger übersiedelte 1953 in die DDR, die den unbequemen Regimekritiker nach elfjährigem Berufsverbot im November 1976 in den Westen abschob. Privat war Biermann langjährig mit der Künstlerin Eva-Maria Hagen liiert und ist somit auch Ziehvater der Punkröhre Nina Hagen, deren West-Karriere er durch seine Ausbürgerung maßgeblich beeinflusste.

1926: Helmut Fischer († 14.6.1997); deutscher Schauspieler. Lange Jahre stand er im Schatten anderer Film- und TV-Größen, bis ihm Regisseur Helmut Dietl die Rolle seines Lebens, die Figur des liebenswerten Hallodri „Monaco Franze“ („der ewige Stenz“) aus der gleichnamigen Münchner TV-Serie, auf den Leib schneiderte.

1891: Erwin Rommel († 14.10.1944); deutscher Generalfeldmarschall, wegen seiner Erfolge als Oberbefehlshaber im Deutschen Afrikakorps als „Wüstenfuchs“ betitelt. Vom zunächst eifrigen Gefolgsmann Hitlers wandelte er sich zum Widerstandskämpfer. Aufgrund dieser Aktivitäten wurde er vor die Wahl gestellt: Kriegsgericht oder Selbstmord. Rommel wählte den Freitod – der Führer „dankte“ es ihm mit einem feierlichen Staatsbegräbnis.

1862: Gerhart Hauptmann († 6.6.1946); deutscher Bühnendichter und Dramatiker. Das umfassende Werk des Literaturnobelpreisträgers von 1912 spannt einen weiten Bogen, von naturalistischen und Milieu-Dramen („Die Weber“, „Fuhrmann Henschel“, „Rose Bernd“) zu Tragikomödien („Die Ratten“) und heiter-ironischen Bühnenstücken („Der Biberpelz“).

1741: Johann Kaspar Lavater († 2.1.1801); schweizerischer philosophisch-theologischer Dichter und Pfarrer. Dr Vertraute Goethes und Herders machte sich auch auf dem Gebiet der Physiognomik (grch.: „Deutung nach der Natur“) einen Namen, indem er die körperliche Ausprägung der Seele auf Merkmale des Gesichts und der Kopfform übertrug. Sein künstlerischer Nachlass umfasst religiöse Schöpfungen und die volkstümlichen „Schweizerlieder“.

Copyright: Rosemarie Elsner

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