Kalenderblatt Sonntag 1.11.20

liebe-0265.gif von 123gif.deKalenderblatt Sonntag, 1. November 2020 – Allerheiligen

Zitat des Tages: „Auf dem Wort Liebe lastet eine ungeheuerliche Geschichte. Kein Mann kann zu einer Frau auch nur das Wort Liebe sagen, ohne dass darauf der Ballast von 5.000 Gedichten und 20.000 Schlagern lastet.“ Edgar Reitz (1932)

1.11.1957: Mord am Callgirl Rosemarie

Ein Mord in der Prostituierten-Szene erschüttert heute die deutsche Öffentlichkeit. Rosemarie Nitribitt, eine 24-jährige Edeldirne, war in ihrer Frankfurter Wohnung erdrosselt aufgefunden worden. Man munkelt, dass dem Freierkreis des Callgirls eine Reihe hochstehender Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft angehört haben sollen, deren Telefonnummern in einem Notizbuch vermerkt waren. Dieses ist seit dem Mord spurlos verschwunden.

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In Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders zittern nun etliche Prominente um ihren makellosen Leumund. Angeblich haben Industriebosse die Liebesdienste der attraktiven Lebedame, die sich gerne mit Pudel „Showing“ vor ihrem schwarzen Luxus-Cabrio ablichten ließ, ebenso in Anspruch genommen wie Politiker und andere hochkarätige Persönlichkeiten. Der mysteriöse Tod, das sündige Metier und die Gerüchte um eine High-Society-Klientel machen den „Fall Nitribitt“ zu einem regelrechten Gesellschaftsskandal in Deutschland, der wie kein anderer die Sensationspresse beschäftigt.

Bei der Suche nach dem Mörder tappt die Polizei allerdings im Dunkeln. Zwar gilt das Hauptaugenmerk der Kripo einem Bekannten der Nitribitt, dem Handelsvertreter Heinz P., dem die Prostituierte gelegentlich mit Geld aus seiner finanziellen Klemme geholfen hatte. Schwer wiegt auch die Tatsache, dass der Verdächtigte am Mordtag Reis gekocht hatte und die Gerichtsmediziner bei der Obduktion feststellen, dass Rosemarie N. kurz vor ihrer Ermordung Milchreis gegessen hatte. Doch auch die Reiskörner bringen kein Licht in den Mordfall. Der Verdacht erweist sich als haltlos; Heinz P. wird vom Gericht mangels Beweisen im Juli 1960 freigesprochen.

Das skandalumwitterte Leben und Sterben der Liebesdienerin lieferten auch der Filmindustrie einen idealen Stoff. Regisseur Rolf Thiele nahm sich als Erster des Themas an. Er stilisierte in seinem Spielfilm „Das Mädchen Rosemarie“ die Frankfurter Dirne, die er mit Schauspielerin Nadja Tiller besetzte, zur Nobelkurtisane der 50er Jahre hoch. Doch war 1958 noch zu wenig Gras über die Angelegenheit gewachsen: Thiele musste bei der Realisierung seines Projekts ständig gegen einflussreiche Persönlichkeiten ankämpfen, die Befürchtungen hegten, in die Mordaffäre hineingezogen zu werden. Ende der 90er-Jahre rollte Produzent Bernd Eichinger den brisanten Fall erneut auf und brachte ihn mit der jungen Darstellerin Nina Hoss auf die TV-Mattscheibe.

Dichtung und Wahrheit vermischten sich schließlich im Lauf der Jahre so sehr, dass aus dem Mordfall ein Mythos entstand, der mit der Realität vermutlich nur noch wenig gemein hat. Auch das verschwundene Notizbuch soll später wieder aufgetaucht sein. Aufschluss brachte es jedoch nicht. Angeblich fanden sich darin überwiegend Aufzeichnungen über den Haushalt der Ermordeten.

Gedenktage:

1986: Ein in der Nacht ausgelöster Großbrand im Baseler Chemiekonzern Sandoz führt zu einer Umweltkatastrophe: Große Mengen giftiger Chemikalien gelangen zusammen mit dem Löschwasser in den Rhein und schädigen die Tier- und Pflanzenwelt des Ober- und Unterlaufs des Rheins in einem unvorstellbaren Ausmaß.

1976: Unter der Devise „Frauen helfen Frauen“ wird in West-Berlin das erste deutsche Frauenhaus eröffnet. Die Einrichtung verspricht misshandelten Frauen (und ihren Kindern) Schutz vor ihren gewalttätigen Männern. 20 Frauen machen von diesem Angebot gleich am Eröffnungstag Gebrauch; bis Ende des Jahres wird die Zahl auf 615 Frauen und 730 Kinder angestiegen sein.

1952: Die erste, von US-Kernphysikern konstruierte Wasserstoffbombe wird auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik gezündet. Die bei der Explosion freigesetzte radioaktive Energie ist 700 Mal größer als die der im Sommer 1945 über Hiroshima abgeworfenen Atombombe. Das 5 km lange und 1 km breite Atoll wird durch die neue Waffe restlos zerstört.

1947: Der US-Ölmilliardär, Filmproduzent und leidenschaftliche Flieger Howard Hughes führt heute in einem selbstkonstruierten Flugboot einen Testflug im Selbstversuch durch. Bereits in den Jahren 1935-38 hatte der als eigenwillig bekannte Hughes, der auch 1941 mit einem speziell für die Schauspielerin Jane Russell kreierten BH für Aufsehen sorgte, mehrere Flugweltrekorde aufgestellt.

1809: Den Versuch, mit seinem Bauernheer Tirol von der bayerischen Herrschaft zu befreien, muss der Freiheitskämpfer und Gastwirt Andreas Hofer teuer bezahlen. Der „Tiroler Aufstand“ wird heute von der bayerischen Armee am Bergisel bei Innsbruck niedergeschlagen. Hofer kann flüchten, wird aber verraten und in Mantua vor ein Kriegsgericht gestellt. Napoleon befiehlt die standrechtliche Erschießung.

Geburtstage:

1963: Katja Riemann; deutsche Schauspielerin, die von der Kinoleinwand kaum mehr wegzudenken ist. Zu sehen war sie u.a. als „Giftmörderin aus Liebe“ in Ingrid Nolls verfilmtem Bestseller „Die Apothekerin“, in Sönke Wortmanns „Der bewegte Mann“ und als Mitglied der Frauenband „Bandits“. Im Kinderfilm „Bibi Blocksberg“ stand sie als Mutter der kleinen Hexe vor der Kamera, in Margarethe von Trottas Drama war sie als „Ich bin die Andere“ zu sehen.

1932: Edgar Reitz; deutscher Regisseur und Drehbuchautor. Das Werk des Filmemachers zeichnet sich durch zahlreiche preisgekrönte Dokumentar- und Spielfilmproduktionen aus: darunter sein Erstlingswerk „Mahlzeiten“ (1967) und die TV-Filmreihe „Heimat“ – eine Familien- und Zeitchronik, die im Hunsrück, der Heimat des Regisseurs, spielt.

1921: Ilse Aichinger; österreichische Schriftstellerin und eine der bedeutendsten Vertreterinnen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur. Viele Erzählungen („Eliza“, 1965), Gedichte („Verschenkter Rat“, 1978) und Hörspiele („Knöpfe“, 1953) machen das literarische Werk der Wienerin aus. Aus ihrer Feder stammt auch ein Roman: „Die größere Hoffnung“ (1948) zeigt den Leidensweg einer Halbjüdin in der Zeit des NS-Regimes auf.

1902: Eugen Jochum († 26.3.1987); deutscher Dirigent, der wie seine beiden Brüder Georg Ludwig und Otto sein Leben und Schaffen in den Dienst der Musik stellte. Der ehemalige Chefdirigent beim Bayerischen Rundfunk und in späteren Jahren Leiter der Bamberger Symphoniker galt als virtuoser Interpret der Werke des Komponisten Anton Bruckner.

1757: Antonio Canova († 13.10.1822); italienischer Bildhauer. Der bedeutendste Repräsentant der klassizistischen Skulptur in Europa schuf eine Vielzahl von Plastiken und Statuen (u.a. Bildnisse von Napoleon und seiner Familie) sowie zahlreiche Grabmäler für Päpste und Adelige, u.a. die der Päpste Clemens XIV. und Clemens XIII. in Rom.

Copyright: Rosemarie Elsner

 

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