Kalenderblatt Sonntag 25.10.20

Kalenderblatt Sonntag, 25. Oktober 2020

Zitat des Tages: „Unter den Menschen gibt es viel mehr Kopien als Originale.“ Picasso (1881-1973)

flag-usa25.10.1929: „Schwarzer Freitag“ an der Wall Street

New Yorks Börse in der Wall Street erlebt am 25. Oktober 1929 ihre bislang dramatischsten Kurseinbrüche. In die weltweite Finanzgeschichte geht dieser Tag als „Schwarzer Freitag“ ein. Bereits tags zuvor war es zu unzähligen Panikverkäufen gekommen. Binnen vier Tagen belaufen sich die Verluste auf rund 50 Milliarden Dollar und führen in der Folge zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft.

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12,9 Millionen Aktien werden an einem Tag verkauft; Wertpapiere von großen US-Konzernen verlieren in kürzester Zeit bis zu 40 Prozent ihres Werts. Gerüchte, dass die Börse geschlossen werde, dass sich ruinierte Banker aus Verzweiflung aus dem Fenster gestürzt hätten, lösen Angst und Chaos am Finanzplatz New York aus. Vor dem Börsengebäude in der Wall Street versammelt sich eine aufgeregte Menschenmenge, getrieben von der Sorge um ihr Geld.

Banken und Geldinstitute reagieren prompt, indem sie in einer gemeinschaftlichen Aktion versuchen, durch den Aufkauf von Wertpapieren im Wert von 240 Millionen Dollar die Börse zu stabilisieren. Am Abend des 25. Oktober verzeichnet der Aktienmarkt zunächst eine leichte Beruhigung, aber schon drei Tage später kommt es zu neuen Panikverkäufen. Am 29.10. haben die Verluste die Schwindel erregende Höhe von 50 Milliarden Dollar erreicht. Amerikas Banken bleibt keine andere Wahl, als Zahlungen einzustellen und alles verfügbare Kapital zurückzurufen, darunter auch sämtliche Auslandskredite. Dies ist insofern besonders dramatisch, als sich die europäische Marktwirtschaft Ende der 20er Jahre durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der damit verbundenen Reparationszahlungen in nahezu völliger Abhängigkeit von der US-Konjunktur befindet.

Nach anfänglich verhaltenen Reaktionen auf den Kurseinbruch führt der Börsenkrach dann auch in Europa unweigerlich zu einem Finanztief, zunächst jedoch nicht im gleichen Ausmaß. Die Auswirkungen für Industrie, Handel und Landwirtschaft kommen erst ein Jahr später voll zum Tragen: in Deutschland mit unzähligen Konkursen, Arbeitslosigkeit durch Massenentlassungen, Rückgang der Produktion, zunehmender öffentlicher und privater Geldnot und einer anhaltenden Krise in der Agrarwirtschaft.

Bedingt durch den zwangsweisen Rückruf der den europäischen Unternehmen gewährten US-Kredite, bleiben die typischen Kettenreaktionen nicht aus: Firmen, die auf diese Mittel angewiesen sind, werden zahlungsunfähig, was wiederum den Zusammenbruch der involvierten Banken zur Folge hat. Landwirte sind durch das Überangebot an Agrarprodukten, das die Preise in den Keller fallen lässt, in ihrer Existenz bedroht. Was folgt, ist ein Schneeballsystem ohne Ende. Eine Depression, die die Weltwirtschaft vorübergehend lahm legt, zahlreiche Unternehmen in den Bankrott und noch mehr Menschen in die Armut treibt.

Gedenktage:

1984: Die „Flick-Parteispenden-Affäre“ fordert ein weiteres prominentes Opfer: Bundestagspräsident Rainer Barzel (CDU) gibt den Rücktritt von seinem Amt bekannt. Ihm wird vorgeworfen, sich gegen den Erhalt indirekter Zahlungen für die Steuerbefreiung Flicks stark gemacht zu haben. Sein Nachfolge tritt Anfang November Philipp Jenninger, bisher Staatsminister im Bundeskanzleramt, an.

1983: Der Rockmusiker Udo Lindenberg und sein Panikorchester dürfen bei einem „Friedenskonzert“ vor handverlesenem Publikum im Ost-Berliner Palast der Republik auftreten. Sein Hit „Sonderzug nach Pankow“ allerdings muss draußen bleiben. Danach soll es Jahre dauern, bis der Rockbarde mit den regimekritischen Texten wieder eine Einladung in den Osten erhält.

1948: In Deutschland schlägt die Geburtsstunde des Fußball-Toto: Den Vorreiter macht der Stadtstaat Bremen; dort dürfen auf das Spielgeschehen auf deutschen Fußballplätzen die ersten per Gesetz erlaubten Wetten abgeschlossen werden.

1932: Nach den Standorten Weimar und Dessau bezieht die renommierte, von Walter Gropius gegründete Hochschule „Bauhaus“ heute in Berlin ihr drittes und letztes Domizil. Noch bis 1933 findet der Unterricht in einer stillgelegten Berliner Fabrik statt; danach wird die renommierte Lehrstätte, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge ist, aufgelöst.

1836: Auf der Pariser Place de la Concorde wird der aus dem ägyptischen Luxor angereiste 23 m hohe und 250 t schwere Obelisk aufgestellt. Er ist ein Geschenk des ägyptischen Statthalters Mehmet Alis an Frankreichs König Louis Philippe und wurde von Ramses II., dem größten Bauherrn Ägyptens, im 13. Jahrhundert v. Chr. gefertigt.

Geburtstage:

1946: Stefan Remmler; deutscher Musiker. Die „Neue Deutsche Welle“ hat der Leadsänger der erfolgreichen Gruppe Trio entscheidend mitgeprägt. Auf das Konto von Trio geht auch der wortreiche Song „Da Da Da“; nach der Auflösung der Band (1984) hielt sich Remmler als Solist noch eine Weile über Wasser und landete mit „Keine Sterne in Athen“ erneut einen Hit.

1919: Beate Uhse, eigentlich B. Rotermund († 16.7.2002); deutsche Unternehmerin und Erotik-Pionierin. Als „fliegende Händlerin“ mit Knöpfen und Spielzeug im Gepäck begann die mutige Ostpreußin ihr Geschäft, in der Nachkriegszeit machte sie sich die Ahnungslosigkeit der Deutschen bei der Schwangerschaftsverhütung zunutze und legte schließlich mit Erotikprodukten den Grundstein zu ihrem Sex-Imperium, der Beate Uhse AG in Flensburg.

1915: Konrad Henkel († 22.4.1999); deutscher Chemiefabrikant, der dank seiner Produkte (Wasch- und Putzmittel) deutsche Wäsche etwas weißer werden ließ. Das 1876 von seinem Vater Fritz in Aachen gegründete Familienunternehmen (1878 nach Düsseldorf verlegt) avancierte unter der Leitung des Sohns zum größten Waschmittelkonzern Deutschlands.

1881: Pablo Picasso, eigentlich P. Ruiz Y Picasso († 8.4.1973); spanischer Maler. Im Alter von 21 Jahren verließ der Sohn eines Kunstlehrers seine Heimat, um in Paris Fuß zu fassen. Dort begründete er u.a. die Stilrichtung Kubismus und avancierte zum bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, dessen Nachlass Galerien auf der ganzen Welt füllt. Berühmt sind fast alle seine Bilder, insbesondere aber „Guernica“ und das „Kind mit Friedenstaube“.

1838: Georges Bizet († 3.6.1875); französischer Opernkomponist. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die fulminante Oper „Carmen“, die 1875 bei der Premiere in Paris jedoch erst einmal beim Publikum durchfiel, bevor man ihr den gebührenden Tribut zollte. Heute gehört das Stück, das dem Meister soviel Kopfzerbrechen bereitete, zu den weltweit am meisten aufgeführten Opern.

Copyright: Rosemarie Elsner

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