Kalenderblatt Mittwoch 9.9.20

Kalenderblatt Mittwoch, 9. September 2020

Zitat des Tages: „Glück besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du auch immer willst, was du tust.“ Leo Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910)

chinaanim9.9.1976: Mao Tse-tung: Volksrepublik China ohne „Steuermann“

Nach langer Krankheit stirbt am 9. September 1976 in Peking der „Steuermann“ von rund 900 Millionen Chinesen: Mao Tse-tung (82), Staatsmann, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas, Dichter und bereits zu Lebzeiten eine Legende. Die in alle Sprachen übersetzte „Mao-Bibel“ mit den Worten des „Großen Vorsitzenden“ zog auch in der westlichen Welt eine ganze Studentengeneration in ihren Bann.

Mehr Details:

Der im Dezember 1893 in der Provinz Hunan als Sohn eines vermögenden Gutsbesitzers geborene Politiker arbeitete zunächst als Universitätsbibliothekar. Schon frühzeitig kam der junge Mao mit marxistisch beeinflussten Studiengruppen in Berührung. 1921 gehörte er dem Kreis derer an, die in Shanghai den Grundstein zur Kommunistischen Partei (KP) legten. Zwei Jahre später befürwortete er das Bündnis zwischen Kuomintang und KP, in deren Hierarchie der ehrgeizige Politiker Stufe für Stufe empor kletterte, bis er die Geschicke seines Volkes als unumschränkter Machthaber steuerte. Stationen auf seinem Weg waren der „Lange Marsch“ nach Yenan (1934), in dem er die rund 90.000 Soldaten der Roten Armee 12.000 Kilometer durch unwegsames Gelände führte, um der Umzingelung seines Widersachers Chiang Kai-shek zu entgehen.

Am 1. Oktober 1949 proklamierte der Generalsekretär der KP Chinas in Peking vor 200.000 Zuhörern die Volksrepublik China; er selbst wurde zum 1. Vorsitzenden des Zentralrats der Regierung gewählt. Die UdSSR, die er wenig später besuchte, erkannte als erste Nation die neue Volksrepublik an. Innenpolitische Fehlschläge wie den „Großen Sprung nach vorn“ (1958) überstand Mao Tse-tung ebenso unbeschadet wie die so genannte „Kulturrevolution“ (1966-69), die unzählige Todesopfer forderte und mit „Kultur“ nichts gemein hatte. Zu seinen wenigen echten Verdiensten zählte die Speisung des Volkes auf Staatskosten.

Erst Anfang der 70er Jahre öffnete sich die Volksrepublik China dem „kapitalistischen“ Westen. Im Oktober 1975 stattete ihr Helmut Schmidt als erster deutscher Kanzler einen Besuch ab. Er wurde vom „Großen Vorsitzenden“ und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng Xiaoping zu einem Gespräch empfangen, das die Verbesserung der beiderseitigen Beziehungen zum Ziel hatte.

Nach dem Tod des Vorsitzenden leitete die Partei behutsam die Liberalisierung im „Reich der Mitte“ ein. Dabei wurde auch Maos Witwe Jiang Quing, die als Kopf der „Viererbande“ galt, die Macht für immer entzogen. Das zunächst über sie verhängte Todesurteil wurde 1980 in lebenslängliche Haft abgewandelt.

Gedenktage:

1990: Einmütig wie selten verurteilen die Staatschefs der beiden Supermächte, US-Präsident George Bush und Staatsoberhaupt Michail Gorbatschow, bei einem Gipfeltreffen in Helsinki den Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait. Bereits im August hatte der UN-Sicherheitsrat Sanktionen gegen den Irak wegen Saddam Husseins Invasion des Nachbarlandes beschlossen.

1964: Drei Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer ist es wenigstens einem Teil der Bevölkerung Ostdeutschlands erlaubt, in den Westen zu reisen: Ein Beschluss des Ministerrats der DDR gestattet es ab heute Rentnern, jährlich einmal Verwandte in der Bundesrepublik und in West-Berlin zu besuchen.

1956: Dem 21-jährigen Sänger Elvis Presley gelingt mit einem Auftritt in der renommierten Ed-Sullivan-Show der große Durchbruch in den USA. Mit Rock’n’Roll-Songs wie „Hound Dog“ und nicht zuletzt dank gekonnter Hüftverrenkungen bringt er das weibliche Publikum zum Kreischen.

1901: Der französische Maler und Grafiker Henri de Toulouse-Lautrec stirbt mit nur 36 Jahren auf Schloss Malromé im Department Gironde. Mit seinen Plakaten zur Eröffnung des „Moulin Rouge“ (1890) erlangte der Künstler, der die letzten Jahre vor seinem Tod in einer Nervenheilanstalt zubrachte, weltweiten Bekanntheitsgrad.

1899: Hallo Taxi! Der Fuhrherr August Nikolai erhält vom Berliner Verkehrskommissariat des Königlich-Preußischen Polizeipräsidiums am Alexanderplatz die Konzession zum Betreiben der ersten Kraftdroschke für die Personenbeförderung.

Geburtstage:

1966: Georg „Schorsch“ Hackl; deutscher Rennrodler und „Sportler des Jahres“ von 1998. Der aus Berchtesgaden stammende Sportler, ein gelernter Kunstschlosser, errang in seiner Disziplin seit 1987 insgesamt 16-mal den Titel Deutscher Meister sowie zahlreiche Olympiamedaillen (Gold: 1992, 1994 und 1998), Weltcup- und EM-Siege.

1960: Hugh Grant; englischer Schauspieler. Der Durchbruch kam mit seiner Rolle im Film „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, danach ging’s schlagartig bergauf: u.a. an der Seite von Julia Roberts in der Filmkomödie „Notting Hill“ (1999). Unfreiwillige Publicity brachte dem auf der Leinwand meist ein wenig schüchtern und linkisch wirkenden Ex-Lover von Topmodel Liz Hurley auch die peinliche Eskapade mit einer Prostituierten in einem US-Taxi.

1924: Rik van Steenbergen († 16.5.2003); belgischer Radrennfahrer. In den Jahren zwischen 1948 und 1965 gewann der Sportler überlegen vierzig Sechstagerennen. In seiner aktiven Karriere, die er 1966 beendete, konnte er insgesamt 1.141 Siege für sich verbuchen, darunter befanden sich auch drei Weltmeistertitel (1949, 1956, 1957).

1873: Max Reinhardt, eigentlich M. Goldmann († 31.10.1943); österreichischer Theaterregisseur und Intendant jüdischer Herkunft. Der Direktor des Deutschen Theaters und der Berliner Volksbühne beeinflusste das deutschsprachige Bühnenwesen nachhaltig. Neben der Gründung von Schauspielschulen gehört er zu den Initiatoren der Salzburger Festspiele; unter seiner Regie wurde im August 1920 erstmals der „Jedermann“ aufgeführt.

1828: Leo (Lew) Nikolajewitsch Tolstoi († 20.11.1910); adeliger russischer Dichter, der seine letzten Lebensjahre in Askese und Einsamkeit zubrachte. Großer Erfolg war dem Grafen mit seinen heute zur Weltliteratur zählenden Romanen „Krieg und Frieden“ (1868/69) und „Anna Karenina“ (1878) beschieden. Beide Klassiker wurden in späteren Jahren erfolgreich und aufwändig verfilmt.

Copyright Rosmarie Elsner

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