Kalenderblatt Samstag 1.8.20

Kalenderblatt Samstag, 1. August 2020

frauen-0004.gif von 123gif.deZitat des Tages:

„Eine Dame trägt keine Kleider. Sie erlaubt den Kleidern, von ihr getragen zu werden.“ Yves Saint-Laurent (1936-2008)

1.8.1936: Olympische Spiele Berlin: Spektakel unterm Hakenkreuz

Im neu gebauten Olympiastadion von Berlin findet heute vor 100.000 jubelnden Zuschauern und in Anwesenheit der NS-Führungsriege die Eröffnungsfeier zu den XI. Olympischen Spielen statt. 3.980 Teilnehmer aus insgesamt 49 Ländern werden bis zum 16. August an den Wettkämpfen teilnehmen, die 1931 vom IOC in Barcelona an ein Deutschland vergeben wurden, das sich in diesen fünf Jahren in seiner politischen Struktur völlig gewandelt hat.

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Es ist zweifellos ein perfektes Spektakel, das sich ab heute in der Reichshauptstadt abspielt und bei dem weder Kosten noch Mühen gescheut wurden. Über dem Stadionrondell kreist während der Eröffnungsfeier Graf Zeppelins mit Olympiaflagge versehenes Luftschiff „Hindenburg“, der Rundfunk überträgt die Aktivitäten in alle Welt, die Filmerin Leni Riefenstahl wurde mit der Dokumentation des Geschehens beauftragt; die Organisation klappt wie am Schnürchen, und selbst der Himmel über Berlin zeigt sich von seiner strahlendsten Seite. 

Bevor er sich in die „Führerloge“ auf die Haupttribüne begibt, marschiert Adolf Hitler an vorderster Front gemeinsam mit den IOC-Oberen ins hypermoderne Stadion ein und lässt sich wenig später von Spiridon Louis, dem Marathongewinner der ersten Spiele der Neuzeit, einen Ölzweig aus Olympia überreichen. Nach dem Einmarsch der 49 Mannschaften, zuletzt das Gastgeberland Deutschland, entzündet der letzte von über 3.000 Staffelläufern die olympische Flamme; danach spricht der Münchner Gewichtheber und Olympiasieger von 1932, Rudolf Ismayr, den olympischen Eid. 

Hitler, der bereits bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Garmisch-Partenkirchen von IOC-Präsident Henry Graf de Baillet-Latour gebeten wurde, sich dezent im Hintergrund zu halten und nichts weiter zu sagen als „Ich erkläre die Spiele für eröffnet“, kann’s nicht lassen. Mehrfach von offizieller Stelle angehalten, die Spiele nicht zu Propagandazwecken zu missbrauchen, verkündet er bei dieser Gelegenheit mit stolzgeschwellter Brust, Deutschland werde die Ausgrabungen im griechischen Olympia finanziell unterstützen und zur Vollendung bringen. Auch andere spendable Gesten, wie die im Vorfeld an Gründer Pierre Baron de Coubertin verabreichte Finanzspritze in Höhe von 10.000 Reichsmark, bringen das IOC in eine missliche Lage und erfordern viel diplomatisches Geschick und Feingefühl. Möglicherweise um Konflikten vorzubeugen, bittet der IOC-Präsident den „großen Diktator“ in einer frühen Phase, von Siegerempfängen in seiner Loge abzusehen. In weiser Voraussicht wird dadurch verhindert, dass Schwarz und Weiß – Adolf Hitler und einer der größten Ausnahmesportler aller Zeiten, der farbige US-Amerikaner Jesse Owens – sich gegenüber stehen. Dass Hitler, wie man häufig liest, sich geweigert habe, dem vierfachen Goldmedaillengewinner von Berlin die Hand zu reichen, entspricht jedoch nicht den Tatsachen.

Gedenktage:

1976: Bei einem schweren Autounfall beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring geht der Wagen des österreichischen Rennfahrers Niki Lauda in Flammen auf. Der Weltmeister kann aus dem brennenden Wrack geborgen werden und überlebt das Inferno mit schwersten Verbrennungen.

1949: Der Schriftsteller und Nobelpreisträger Thomas Mann, seit 1944 amerikanischer Staatsbürger, wird nach Frankfurt am Main (25.7.) nun auch von der Stadt Weimar mit dem Goethe-Preis ausgezeichnet. Es ist Manns erster Besuch auf deutschem Boden seit seiner Flucht vor dem NS-Regime im Jahr 1933.

1917: Mit einem Prohibitionsgesetz, das drei Jahre später in Kraft tritt, will der US-Senat dem Alkohol den Kampf ansagen. Zwar werden darin Herstellung und Vertrieb von alkoholischen Getränken strikt verboten, doch unterschätzt die Regierung die Findigkeit ihrer Bürger beim Umgehen dieser Bestimmung.

1914: Überall im Deutschen Reich erfährt die Öffentlichkeit heute gegen 17.00 Uhr von der allgemeinen Mobilmachung. Auslöser zu der Kriegserklärung Deutschlands an Russland (und zwei Tage später an Frankreich) war das Attentat des Serben Gavrilo Princip auf dem Balkan, bei dem am 28. Juni das österreichisch-ungarische Thronfolgerpaar zu Tode kam.

1888: Berlin: Nach englischem Vorbild wird auf dem Areal der ehemaligen königlichen Fasanerie der erste deutsche Zoologische Garten eröffnet. Direktor des Berliner Zoos wird Ludwig Heck, der sich u.a. für eine artgerechte Tierhaltung einsetzt und sich in späteren Jahren auch um vom Aussterben bedrohte Tierarten verdient machen wird.

Geburtstage:

1967: Coolio, eigentlich Artis Ivey; US-amerikanischer Rap- und HipHop-Musiker. Der aus dem Drogen- und Kriminellenmilieu stammende Rapper kam 1995 mit „Gangsta’s Paradise“ (Titelsong zum Film „Dangerous Minds“) ganz groß heraus; die Scheibe wurde in kurzer Zeit mehr als zwei Millionen Mal verkauft. 1996 wurde ihm der Grammy verliehen, gefolgt von drei MTV-Awards und einem World Music Award (Weiterer Hit: „C U When U Get There“, 1997). 

1936: Yves Saint-Laurent († 1.6.2008); französischer Modeschöpfer. Der Mann, der die Damen anzogen, startete seine Karriere als 18-Jähriger beim Pariser Couturier Christian Dior. Nach Diors Tod (1957) wurde er sein Nachfolger und gründete 1962 sein eigenes Modehaus. Neben Prêt-à-Porter-Schöpfungen der 1960er-Jahre kreierte er allerlei Avantgardistisches, u.a. verführerische Blusen aus hauchdünnem Chiffon, Oben-Ohne-Modelle und den weltbekannten Duft „Opium“.

1925: Ernst Jandl († 9.6.2000); österreichischer Schriftsteller. Für seine experimentelle Lyrik wurde der Autor, der auch Hörspiele verfasste, mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 1984 mit dem renommierten Georg-Büchner-Preis. Die Sprache war für den gebürtigen Wiener in erster Linie ein Experimentierfeld, wie in seinen Werken, darunter „Laut und Luise“ sowie „Lechts und Rinks“, deutlich zum Ausdruck kommt.

1918: Arthur „Atze“ Brauner; deutscher Filmproduzent, der in den Nachkriegsjahren vorwiegend im Genre Unterhaltungsfilm aktiv war: in den 1960-ern mit Romanverfilmungen aus der Feder des britischen Krimiautors Edgar Wallace oder mit den hierzulande so populären Karl-May-Filmen. In späteren Jahren kritische Auseinandersetzung mit der NS-Zeit: u.a. in „Die weiße Rose“ und „Hitlerjunge Salomon“.

10 v. Chr.: Claudius († 13.10.54); ab 41 römischer Kaiser. Morde waren die Begleiter seines Lebens: Seine Herrschaft verdankte er der Ermordung seines Neffen, Kaiser Caligula, durch die Prätorianergarde, sein Ende fand er durch ein vergiftetes Pilzgericht, das seine Frau Agrippina veranlasst hatte, um ihren Sohn Nero auf den Thron zu bringen. Und dabei hatte er für sie ihre Geburtsstadt – das vormalige Oppidum Ubiorum – zur römischen Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensis (Köln) erhoben.

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