Kalenderblatt Sonntag 19.7.20

Kalenderblatt Sonntag, 19. Juli 2020

menschen-0127.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandZitat des Tages: „Die Sklaven der entwickelten industriellen Zivilisationen sind sublimierte Sklaven, aber sie sind Sklaven.“ Herbert Marcuse (1898-1979)

19.7.1937: Kunst im Zeichen des Nationalsozialismus

Unter dem Motto „Entartete Kunst – Ausstellung von Kulturdokumenten des Bolschewismus und Jüdischer Zersetzungsarbeit“ startet heute in München eine Wanderausstellung, die Werke verfemter zeitgenössischer Künstler zeigt. Adolf Ziegler, Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste, eröffnet die von den Nationalsozialisten initiierte Ausstellung, die zwar der öffentlichen Abschreckung dienen soll, stattdessen aber zum Publikumsmagneten wird.

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Gewiss lässt sich auch heutzutage über moderne Kunst streiten, in NS-Zeiten hingegen ist sie ein Angriff auf die germanische Rasse, deren Ideale und Moralvorstellungen. Warum auch sonst sollten Maler als Motive für ihre Werke etwa leichte Mädchen, Alkoholiker, Kranke und Gelähmte wählen, mit grellen und abstrakten „Schmierereien“ traditionelle Werte in Frage stellen oder einen Angriff auf religiöse Vorstellungen starten?

Oder, wie Adolf Hitler es am Vortag, bei der Eröffnung seines Repräsentativbaus „Haus der deutschen Kunst“ in München, in dem nicht Werke vom Format eines Liebermann, sondern ausschließlich der Kategorie „Saubermann“ präsentiert werden, bekundete: „Kubismus, Dadaismus, Futurismus, Impressionismus etc. haben nichts mit unserem deutschen Volke zu tun.“ Der Mann, der bei der Aufnahme in die Wiener Kunstakademie zweimal scheiterte und es nur bis zum Postkartenmaler brachte, sich jedoch gerne in Künstlerkreisen bewegt und sich mit einigen Kunstbeflissenen seiner Wahl schmückte (u.a. Winifred Wagner, Leni Riefenstahl oder die Münchner Galeristenfamilie Hanfstaengl) maßt sich in seinem Verständnis von Kunst an: „So wenig, wie sich das Wesen und das Blut unseres Volkes ändern, muss auch die Kunst den Charakter des Vergänglichen verlieren…“. Dem Betrachter von heute drängt sich dabei die berechtigte Frage auf, inwieweit hier neben rassistischen Vorstellungen nicht auch von Neid geprägte Ressentiments angesichts eines Pablo Picasso oder Paul Klee eine Rolle gespielt haben mögen?

Moderne Kunst, die nicht in das vorgegebene Raster passt, wird von den Nazis als „entartet“ empfunden; renommierte in- und ausländische Künstler, deren Bilder heute als unbezahlbar gelten, gilt es zu diffamieren. „Entartete Kunst“ zeigt unter anderem Werke von verfemten Malern und Bildhauern wie Max Liebermann, Wassily Kandinsky, Otto Dix, Emil Nolde, Ernst Barlach sowie internationalen Größen wie Picasso, Chagall oder Gauguin. Das Volksempfinden anlässlich der Erstausstellung zeigt sich allerdings von einer ziemlich gesunden Seite: Über zwei Millionen Besucher strömen in die Ausstellung, die einen repräsentativen Querschnitt moderner Kunst gibt, um sich von den „Ausgeburten des Wahnsinns“ ein eigenes Bild zu machen.

Gedenktage:

1980: Im Leninstadion in Moskau beginnen die XXII. Olympischen Sommerspiele feierlich, aber mit einem Makel: Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympiade kommt es zu einem Massenboykott der Spiele, dem sich 60 Nationen, unter ihnen die USA und Deutschland, anschließen. Grund ist der sowjetische Einmarsch in Afghanistan im Vorjahr.

1969: Drei Tage nach dem Start von „Apollo 11“ in Cape Kennedy tritt das Raumfahrzeug mit drei amerikanischen Astronauten an Bord in den Mondorbit ein. Während Michael Collins im Kommandofahrzeug „Columbia“ in der Mondumlaufbahn verbleiben wird, bereiten sich Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf die Landung mit der Mondfähre „Eagle“ vor.

1950: Zur Vertretung ihrer Interessen gründen die in Deutschland lebenden Juden eine zentrale Dachorganisation: den Zentralrat der Juden, der in späteren Jahren zur Körperschaft des öffentlichen Rechts erhoben wird. Erster Vorsitzender wird Heinz Galinski, dem nach seinem Tod (1992) Ignatz Bubis nachfolgen wird.

1917: Der deutsche Chirurg und Professor Ferdinand Sauerbruch machte heute die Öffentlichkeit mit einer neuartigen, von ihm entwickelten Prothese bekannt: Mit der „Sauerbruch-Hand“ genannten Hand- und Unterarmprothese können Finger durch Züge, die mit in die Armmuskulatur eingelassene Stifte verbunden sind, bewegt werden.

1900: In Paris fährt rechtzeitig zur Weltausstellung die erste Metro auf der Strecke zwischen der Porte Maillot und der Porte de Vincennes: Die 16 Bahnhöfe auf dem 10,6 km langen Teilstück der Untergrundbahn sind in völlig neuem Stil, der „art nouveau“, wie der Jugendstil in Frankreich genannt wird, gestaltet und erregen großes Aufsehen.

Geburtstage:

1956: Juliane Werding; deutsche Sängerin. Bereits als 15-Jährige stürmte sie mit dem Song „Am Tag, als Conny Kramer starb“, der deutschen Version des Joan-Baez-Hits „The Night They Drove Old Dixie Down“, die deutsche Hitparade. Heute arbeitet die gebürtige Essenerin als Heilpraktikerin, spielt Theater, schreibt Bücher, bringt Alben heraus (u.a. „Es gibt kein Zurück“) und tourt durch die Lande.

1898: Herbert Marcuse († 29.7.1979); deutsch-amerikanischer Sozialphilosoph. Neben Theodor Adorno war er der wichtigste Denker der Frankfurter Schule, gemeinsam formulierten sie die Kritische Theorie, die den Spätkapitalismus zu analysieren versucht und eine revolutionäre Veränderung der Gesellschaft in Aussicht stellt. Hauptwerke: „Der eindimensionale Mensch“ (1964) und „Konterrevolution und Revolte“ (1973).

1834: Edgar Degas († 26.9.1917); französischer Maler und Zeichner mit Hochachtung für die alten Meister, jedoch mit dem pulsierenden Paris als Inspirationsquelle. Konturen und Bewegung waren ihm sehr wichtig, seine Motive bezog der als reserviert geltende Künstler aus dem Milieu des Theaters, der Bars und des Pferderennens. Bekannte Werke: „Ballettunterricht“ (1873-75), „Absinth“ (1876) und „Nach dem Bad“ (1888-92).

1819: Gottfried Keller († 15.7.1890); schweizerischer Schriftsteller. Der Hauptvertreter der realistischen Literatur seines Landes errang erste Bekanntheit mit seinem autobiografischen Roman „Der grüne Heinrich“ (1854/55). In der Folgezeit schuf er zahlreiche Novellen, u.a. „Die Leute von Seldwyla“ (1874) und „Züricher Novellen“ (1878). In seinem Spätwerk wandte sich der Schriftsteller verstärkt gesellschaftskritischen Themen zu.

1698: Johann Jacob Bodmer († 2.1.1783); schweizerischer Historiker und Schriftsteller. Der Herausgeber mittelalterlicher Literatur („Nibelungenlied“ und eine Auswahl der Manessischen Handschrift) hatte wenig mit den klassischen Normen der französischen Literatur im Sinn, für ihn waren Phantasie und Naturnachahmung in der Dichtung viel wichtiger.

Copyright Rosmarie Elsner

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