Kalenderblatt Montag 22.6.20

Kalenderblatt Montag, 22. Juni 2020

planeten-0316.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Die ärgste aller Weltanschauungen ist diejenige von Leuten, die die Welt nie angeschaut haben.“ Wilhelm von Humboldt (1767-1835)

22.6.1633: Galileo Galilei: Ein Mann verleugnet sein Lebenswerk

Auf Druck der Inquisition muss der Florentiner Philosoph und Mathematiker Galileo Galilei am 22. Juni 1633 seinem „Irrtum“ abschwören, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt, wie von der Kirche gelehrt. Dreieinhalb Jahrhunderte wird es dauern, bis die katholische Kirche den genialen Astronomen, der bis zu seinem Tod 1642 unter Hausarrest steht, offiziell rehabilitiert.

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Im Büßerhemd tritt der 70-jährige Gelehrte den schweren Weg an, der ihm zwar das Leben retten wird, mit dem er aber sein im Widerspruch zur Heiligen Schrift stehendes Lebenswerk verleugnen muss. Galilei wäre nicht der erste Anhänger der kopernikanischen Lehre, der unter der Anklage der „Häresie“ (Abtrünnigkeit) zum Tode verurteilt würde. Der große Astronom Galilei entsinnt sich des Philosophen und Dominikaners Giordano Bruno, den man 33 Jahre zuvor bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte. Im 17. Jahrhundert ist es nahezu lebensgefährlich, die Ansicht der Kirche, die Erde stehe unbeweglich im Zentrum des Universums und die Sonne drehe sich um sie, nicht zu teilen. Solange Galilei seine Lehre von den Planeten und sein Buch „Dialog über die beiden Weltsysteme“ unter dem Schutz des toskanischen Großherzogs Cosimo de Medici (sein ehemaliger Schüler) verbreiten konnte, war er vor Verfolgung sicher. Aber sein Gönner ist tot, und nun ist er der Willkür Papst Urbans VIII. ausgeliefert.

Der weise Alte beschließt, sich den gestrengen Richtern zu unterwerfen. Auf Geheiß der Kardinäle kniet er im Dominikanerkloster von Santa Maria sopra Minerva in Rom nieder und verliest den Text: „In Erwägung der Tatsache, dass das Heilige Offizium mir den Befehl erteilt hat, die falsche Ansicht aufzugeben, nach der die Sonne im Zentrum der Welt steht und unbeweglich ist, während die Erde nicht im Zentrum der Welt steht und beweglich ist, komme ich mit aufrichtigem Herzen und nicht erheucheltem Glauben, um die oben genannten Irrtümer und Irrlehren abzuschwören, zu verfluchen und zu verwünschen.“

Dieses Bekenntnis rettet ihm das Leben, bringt ihm aber eine lebenslange Haftstrafe ein. Nach einem Jahr darf er das Gefängnis verlassen und sich in sein Haus begeben, wo er fortan unter strenger Bewachung steht. Die Zeit bis zu seinem Tode (1642) verbringt er mit dem Schreiben von Büchern.

359 Jahre brauchte die Kirche, um ihren Fehler einzugestehen. 1992 rehabilitierte Papst Johannes Paul II. den genialen Astronomen: „Ein tragisches gegenseitiges Unverständnis wurde als Folge eines grundsätzlichen Gegensatzes von Wissen und Glauben hingestellt. Die durch die jüngeren historischen Forschungen erbrachten Klärungen gestatten uns nun die Feststellung, dass dieses schmerzliche Missverständnis inzwischen der Vergangenheit angehört.“

Gedenktage:

1995: Die Landtage von Berlin und Brandenburg stimmen dem Zusammenschluss der beiden Bundesländer zu. Die Fusionsvereinbarung war am 27. April von Eberhard Diepgen (CDU) und Manfred Stolpe (SPD) unterzeichnet worden.

1980: Rom: Im Endspiel gegen Belgien (2:1) erringt die bundesdeutsche Nationalelf, unter ihnen Karl-Heinz Rummenigge und Torjäger Horst Hrubesch, den Europameistertitel. Es ist der erste große Erfolg seit Amtsübernahme durch den neuen Bundestrainer Jupp Derwall im Jahr 1978.

1941: Unternehmen „Barbarossa“: Ohne Kriegserklärung und ungeachtet des 1939 geschlossenen Nichtangriffspakts überfällt Adolf Hitler in den frühen Morgenstunden die Sowjetunion. Mit rund drei Mio. Soldaten und dem Ziel Leningrad und Moskau marschiert die deutsche Wehrmacht über die sowjetische Grenze.

1933: Mit dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) und der Verhaftung ihrer Funktionäre beginnt die zwölfjährige Verfolgung und Verfemung der Partei während der Nazi-Ära.

1889: Letzter Mosaikstein zu Bismarcks Sozialgesetzgebung: Das Gesetz über die Alters- und Invalidenversicherung, das heute in Kraft tritt, schafft eine Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer unter 2.000 Mark Jahreseinkommen, die deren finanzielle Unterstützung im Alter und im Invaliditätsfall sichert.

Geburtstage:

1962: Campino, eigentlich Andreas Frege; deutscher Musiker. Der Leadsänger der Punkband „Toten Hosen“ setzt sich auch außerhalb von Bühnenauftritten gerne in Szene: als er z.B. mit dem britischen Posträuber Ronald Biggs in Buenos Aires Plattenaufnahmen machte. 1996 zogen die „Toten Hosen“ mit „Zehn kleine Jägermeister“ erstmals in die Hitparade ein und bekennen sich inzwischen auch zu leiseren Tönen („Nur zu Besuch“). Derzeit steht der Punker in einem Film des Regisseurs Wim Wenders sogar vor der Kamera.

1944: Klaus Maria Brandauer, eigentlich K. Georg Steng; österreichischer Schauspieler und Regisseur. Anspruchsvolle Rollen, u.a. in den Filmen „Mephisto“, „Jenseits von Afrika“ und „Oberst Redl“, stehen stellvertretend für die Vielfalt seines Könnens; selbst dem Bösewicht aus der James-Bond-Verfilmung „Sag niemals nie“ verleiht Brandauer Charisma.

1932: Soraya Isfandiary († 25.10.2001); persische Kaiserin deutscher Herkunft. Ihre Ehe, die sie im Alter von 16 Jahren mit Schah Reza Pahlewi von Persien einging, wurde nach sieben Jahren wegen Kinderlosigkeit geschieden. Zeitweise versuchte sie ihr Glück beim Film, jedoch mit wenig Erfolg. Die meiste Zeit pendelte sie zwischen Paris und Marbella hin und her und genoss ihr süßes Leben im internationalen Jetset.

1906: Samuel „Billy“ Wilder († 27.3.2002); österreichisch-amerikanischer Filmregisseur, der wegen seiner jüdischen Herkunft 1933 in die USA flüchtete. Seinen Weltruf verdankt der brillante Filmemacher turbulenten Hollywood-Komödien wie „Manche mögen’s heiß“, „Irma La Douce“ und „Sabrina“. Einen Oscar erhielt er 1960 für die Tragikomödie „Das Apartment“.

1767: Karl Wilhelm Freiherr von Humboldt († 8.4.1835); deutscher Philosoph, Sprachforscher und Politiker. Der überzeugte Humanist gründete 1811 die Berliner Universität und leitete die Reform des preußischen Schulwesens ein. Seine Schriften zur Geschichts- und Sprachtheorie stellen den Beginn der modernen Sprachwissenschaft dar.

Copyright Rosmarie Elsner

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