Kalenderblatt Samstag 20.6.20

Kalenderblatt Samstag, 20. Juni 2020

Zitat des Tages: „Unkraut jäten allein macht noch keinen Garten, und Verhindern ist keine Politik.“ Heinrich von Brentano (1904-1964)

20.6.1995: Greenpeace: Öko-Triumph über Shell

comic-0048.gif von 123gif.deNach massiven Protesten und dem europaweiten Boykott von Shell-Tankstellen nimmt der unter öffentlichen Druck geratene Mineralölkonzern Shell heute seine Entscheidung zurück, die ausgediente Ölplattform „Brent Spar“ im Nordatlantik zu versenken. Stattdessen wird die „Brent Spar“, in der Giftabfälle vermutet werden, bis zur endgültigen Entsorgung an Land in einen norwegischen Fjord geschleppt.

Mehr Details:

Am 20. Juni 1995 änderte die Shell-Plattform „Brent Spar“ wenige Seemeilen vor dem vorgesehenen Versenkungsort im Nordost-Atlantik ihren Kurs um 180 Grad und steuerte den norwegischen Erfjord an, in dem sie zehn Jahre zuvor zusammengeschweißt worden war. Diese Kursänderung markierte einen der größten Erfolge der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die seit zwei Monaten mit einer groß angelegten Kampagne ein unbeschreibliches öffentliches Echo hervorgerufen hatte.

Im April hatten Greenpeace-Aktivisten aus Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland die ausrangierte Ölplattform 190 km nordöstlich der Shetland-Inseln besetzt. Sie forderten den Rückbau der Anlagen an Land, da hochgradig giftiger Industrieabfall nicht einfach im Meer versenkt werden dürfe. Shell ließ die Plattform nach drei Wochen räumen. In der Zwischenzeit hatten Protest- und Boykott-Aktionen gegen den Mineralölkonzern bereits erstaunliche Ausmaße angenommen: In Deutschland und Skandinavien liefen hochrangige Politiker Sturm gegen das von der britischen Regierung genehmigte Vorgehen von Shell. Hunderttausende von Autofahrern tankten nicht mehr wie gewohnt bei Shell, und etliche Tankstellen wurden Ziele von Angriffen und Anschlägen. Als sich ein ernsthafter Schaden für Image und Einnahmen des Ölmultis abzeichnete, beschloss dieser nachzugeben und auf die Versenkung der 137 Meter hohen und 14.500 Tonnen schweren Ölverladestation zu verzichten. Die rostige Ruine wartete drei weitere Jahre auf ihre endgültige Ruhestätte, bis sie 1998 in fünf Segmente zerlegt und beim Ausbau der Hafenanlagen im norwegischen Mekjarvik verwendet wurde, wo die Teile als Kaimauern dienten.

Die „Brent Spar“ wurde zum Symbol für einen wirksamen Ökoprotest mobilisierter Konsumenten. Wohl kein Industrieunternehmen könnte heute so unverfroren wie Shell damals vor den Augen der Weltöffentlichkeit eine ähnliche Umweltsünde begehen im Glauben daran, es würde schon keiner mitkriegen. Aber auch Greenpeace musste sich die Frage gefallen lassen, ob der Zweck die Mittel heiligt: Die Umweltorganisation gab später kleinlaut zu, dass eine Menge von 5.500 Tonnen Altöl, die angeblich noch in der „Brent Spar“ lagerte, nie existiert hatte.

Gedenktage:

1997: Aus sieben wird acht: Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der sieben höchstentwickelten Industriestaaten, kurz „G 7“ genannt, nimmt Russland, das bereits seit 1994 voll an den politischen Beratungen beteiligt ist, als Partner auf und wird damit zum Gipfel „G 8“.

1968: In Sacramento/Kalifornien gelingt es bei den US-Leichtathletikmeisterschaften gleich drei Sprintern, die Schallmauer von 10,0 sec beim 100-m-Lauf zu durchbrechen. Die Läufer Jim Hines, Ronnie Ray Smith und Charlie Greene bewältigen die Distanz in 9,9 sec und stellen damit einen neuen Weltrekord auf.

1949: In den drei Westzonen Deutschlands nimmt die Alliierte Hohe Kommission ihre Tätigkeit auf; ihre Vertreter sind Brian Robertson (Großbritannien), André François-Poncet (Frankreich) und John McCloy (USA). Den Hohen Kommissaren ist auch das zu Jahresanfang gegründete Militärische Sicherheitsamt unterstellt.

1900: Boxeraufstand in Peking: Der deutsche Gesandte in Peking, Klemens Baron von Ketteler, wird von Anhängern des Boxeraufstands im Diplomatenviertel der belagerten chinesischen Stadt auf offener Straße ermordet.

1837: Mit der Thronbesteigung der 18-jährigen Viktoria beginnt in Großbritannien eine Ära, die als das „Viktorianische Zeitalter“ in die Geschichtsbücher eingehen wird. Die Epoche ihrer 64-jährigen Regierungszeit wird ein Synonym für eine Blütezeit Großbritanniens, aber auch für Prüderie und rigide Moralvorstellungen.

Geburtstage:

1967: Nicole Kidman; US-amerikanische Schauspielerin australischer Herkunft und elf Jahre lang mit Hollywoodstar Tom Cruise verheiratet. Mit ihm stand sie u.a. im Film „In einem fernen Land“ (1992) vor der Kamera. Nach der Trennung widmete sich die rotblonde Schönheit verstärkt ihrer Film- und Musikkarriere, wie die Oscar-Preisträgerin als Virginia Woolf in „The Hours und im Duett mit Robbie Williams („Something Stupid“) bewies.

1949: Lionel Richie; US-amerikanischer Sänger. Der Farbige mit der samtweichen Stimme begann als Leadsänger bei den „Commodores“, bevor er eine erfolgreiche Solokarriere startete. Nahezu alle seine Songs stürmten die Hitparade, darunter „All Night Long“, „Stuck On You“ oder das Duett mit Enrique Iglesias „To Love A Woman“ aus dem Album „Encore“ (2002).

1940: Eugen Drewermann; deutscher katholischer Theologe und Psychotherapeut. Der brillante Rhetoriker nutzte seine Fähigkeiten, um in den 80ern und 90ern im Fernsehen und auf Vortragsreisen die Kirche zu kritisieren und u.a. die Abschaffung des Zölibats zu fordern. 1991 wurde ihm deswegen die kirchliche Lehrbefugnis entzogen.

1909: Errol Flynn († 14.10.1959); australisch-amerikanischer Schauspieler und Inbegriff des Leinwand-Abenteurers. Der umschwärmte Frauenheld war vor seiner Filmkarriere als Schiffskoch, Kapitän, Perlenfischer und Weltreisender tätig, also in Sachen Abenteuer nicht unerfahren und prädestiniert für seine Rollen in „Herr der Sieben Meere“ oder „Robin Hood, der König der Vagabunden“.

1904: Heinrich von Brentano († 14.11.1964); deutscher Politiker und Rechtsanwalt. Der frühere Bundesaußenminister (1955-61) und Fraktionsvorsitzende der CSU/CDU im Bundestag (1961-64) gilt auch als einer der Mitbegründer der CDU in Hessen.

Copyright Rosmarie Elsner

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