Kalenderblatt Samstag 2.5.20

Kalenderblatt Samstag, 2. Mai 2020

Zitat des Tages: „Kleine Unterlassungssünden können unübersehbare Folgen haben.“ Katharina II., Kaiserin von Russland (1729-1796)

flagungarn2.5.1989: Ungarn: Schlupfloch in den Westen

Mit der heutigen Öffnung des Grenzzauns von Ungarn nach Österreich zeichnen sich die ersten tief greifenden Veränderungen im Osten ab. Der bislang scharf bewachte „Eiserne Vorhang“, die ehemals unüberwindbare Barriere in den Westen, hat den ersten Riss erhalten. Die von Ungarns Reformern herbeigeführte Demontage der Grenzbefestigung zieht in den kommenden Monaten einen unaufhaltsamen Flüchtlingsstrom nach sich und führt schließlich zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems.

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Als ungarische Grenzsoldaten am 2. Mai 1989 begannen mit Drahtscheren Löcher in den Grenzzaun zu Österreich zu schneiden, warfen tief greifende Veränderungen im Ostblock ihre Schatten voraus. Der brüchig gewordene „Eiserne Vorhang“ wurde von ungarischer Seite zwar noch scharf bewacht, dennoch gelang es zahlreichen Flüchtlingen, durch dieses Schlupfloch in den Westen zu gelangen. Ungarn, das bei der Demontage des Grenzzauns und damit der Entmachtung des Kommunismus eine Vorreiterrolle einnahm, ging bald noch einen symbolischen Schritt weiter und schnitt das kommunistische Emblem aus seiner rot-weiß-grünen Fahne. In den kommenden Monaten rollte eine unglaubliche Welle von DDR-Flüchtlingen an, die einen Urlaub in Ungarn als Vorwand nahmen, um in den Westen zu fliehen. Nach inoffiziellen Schätzungen waren es allein im Mai 1989 über 1.500 DDR-Bürger, die über diese Öffnung nach Österreich und von dort in die Bundesrepublik Deutschland gelangten.

Für Ungarns Regierung bedeutete dies keineswegs eine leichte Entscheidung, schließlich war sie an den 1970 geschlossenen „Warschauer Vertrag“ gebunden und musste mit allerlei unfreundlichen politischen Konsequenzen aus der Vertragsverletzung rechnen. Doch die Zeit war reif, das System überholt, und die Ereignisse sollten sich in wenigen Monaten überschlagen.

Auch Michail Gorbatschow, sowjetischer Staats- und Parteichef, setzte bei seinem Deutschlandbesuch im Juni 1989 mit „Perestroika“ und „Glasnost“, den russischen Begriffen für Neugestaltung und Transparenz, deutliche Zeichen. In seiner Rede in Ost-Berlin gab er eindeutig zu verstehen, dass jeder Nation das Recht vorbehalten sei, sein eigenes politisches System zu wählen. Die Reformtendenzen der UdSSR, wie sie deutlicher nicht sein konnten, stießen beim SED-Regime der DDR jedoch auf taube Ohren.

Im August 1989 schließlich erreichte die Flüchtlingswelle ihren vorläufigen Höhepunkt: Täglich suchten Hunderte von DDR-Bürgern in der Botschaft von Budapest Zuflucht. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin musste wegen Überfüllung zeitweise sogar ihre Pforten schließen. Nicht viel anders sah es in der Bundesrepublik aus: Im ganzen Land entstanden Notunterkünfte, um die immer größer werdende Flüchtlingsschar aus Ostdeutschland aufnehmen zu können. Auf die Massenflucht reagierte das zunehmend ohnmächtiger werdende SED-Regime zwar mit erschwerten Ausreisebedingungen nach Ungarn, doch der Strom in die Freiheit war nicht mehr aufzuhalten.

Gedenktage:

1999: In Panama steuert erstmals eine weibliche Regierungschefin die Geschicke des mittelamerikanischen Landes: Die rechtspopulistische Kandidatin Mireya Moscoso gewinnt die Präsidentschaftswahlen mit beinahe 45 Prozent der Stimmen vor ihrem Mitbewerber.

1974: Die DDR und die Bundesrepublik Deutschland einigen sich auf Ständige Vertretungen ihrer Länder an den jeweiligen Regierungssitzen: Die Amtsgeschäfte in Ost-Berlin vertritt bis 1980 der Politiker und frühere Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ Günter Gaus; in Bonn leitet der Diplomat Michael Kohl bis 1978 die DDR-Vertretung.

1945: Nach einer zweiwöchigen Belagerung gibt die Reichshauptstadt Berlin ihren Widerstand auf und kapituliert vor den Truppen der Roten Armee; bald darauf weht statt Schwarz-Rot-Gold die Rote Flagge vom Berliner Reichstag. Berlins Bevölkerung erwartet mit dem Einmarsch eine Welle der Gewalt.

1936: Die Oper „Peter und der Wolf“, die auf einem Märchen der Brüder Grimm basiert, wird in Moskau uraufgeführt. Der musikalische Urheber, der russische Komponist Sergej Prokofjew, betitelt sein Werk als eine „Sinfonische Erzählung für Kinder“.

1635: Die französische Hauptstadt Paris erhält ihre älteste Gartenanlage, den „Jardin des Plantes“. Die heute als Botanischer Garten mit Gewächshäusern und Zoo dienende Anlage war bei ihrer Gründung dem französischen Herrscher Ludwig XIII. als Heilkräuterpark vorbehalten.

Geburtstage:

1912: Axel Caesar Springer († 22.9.1995); deutscher Verleger. Sein nach dem Krieg aufgebautes Presseimperium, der Axel Springer Verlag in Berlin, beinhaltet regionale und überregionale Tageszeitungen, Sonntagsblätter und Fernsehzeitschriften, darunter „Die Welt“, „Bild-Zeitung“, Hör zu“ und „Funk Uhr“.

1901: Bing Crosby († 14.10.1977); US-amerikanischer Entertainer von Weltruf. Er stand insgesamt 40mal auf Platz 1 der Hitparade, sang im Duett mit Grace Kelly im Film „Die oberen Zehntausend“ den Liebessong „True Love“, erhielt für die Filmrolle in „Going My Way“ einen Oscar und verkaufte von seinem Weihnachtssong „White Christmas“ mehr als 30 Millionen Platten.

1892: Trude Hesterberg († 30.8.1967); deutsche Schauspielerin, Chansonsängerin und Kabarettistin. Die gebürtige Berlinerin leitete das Kabarett „Wilde Bühne“, wo sie ihre literarischen Chansons zum Besten gab und trat in Film- und Fernsehinszenierungen auf, unter anderem als „Zauberin“ in Wolfgang Staudtes Märchenfilm „Die Geschichte vom kleinen Muck“.

1772: Novalis, eigentlich Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg († 25.3.1801); deutscher Dichter. Seine Gedichte und Prosastücke zeichneten ihn als mystisch-religiösen Denker der Frühromantik aus. Zu seinen Hauptwerken zählen „Heinrich von Ofterdingen“ und die „Hymnen an die Nacht“.

1729: Katharina II., die Große, eigentlich Sophie Friederike Auguste Prinzessin von Anhalt-Zerbst († 17.11.1796); russische Kaiserin (1762-96). Ihre Herrschaft leitete eine der glanzvollsten Epochen der russischen Geschichte ein und begründete den Aufstieg ihres Landes zur europäischen Hegemonialmacht.

Copyright Rosmarie Elsner

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