Kalenderblatt Sonntag 26.4.20

Kalenderblatt Sonntag, 26. April 2020

Zitat des Tages: „Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.“ Marc Aurel (121-180 n.Chr.)

Explosionen von 123gif.de26.4.1986: Super-GAU: Reaktorkatastrophe von Tschernobyl

Sicherheitsmängel und Bedienungsfehler führen im ukrainischen Tschernobyl zum größten Reaktorunfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie: 28 Menschen sterben an Ort und Stelle, Tausende werden verstrahlt oder sterben an den Spätfolgen. Aus den um den Unglücksreaktor verseuchten Gebieten müssen 135.000 Menschen evakuiert werden. Über halb Europa breitet sich eine riesige radioaktive Wolke aus.

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Wie sich erst Tage später herausstellen wird, kam es in Block 4 des Kernkraftwerks von Tschernobyl bei einem Experiment zu einer Überhitzung der Kernbrennstäbe, der eine Kettenreaktion folgte: Das Schmelzen der Brennstäbe ließ die Kühlmittel verdampfen, dadurch gerieten die Graphit-Bremsvorrichtungen (sog. Moderatoren) in Brand, die wiederum die Wasserstoffexplosion des Reaktorgehäuses auslösten und unvorstellbare Mengen radioaktiver Strahlung freisetzten.

Die für den GAU (Abkürzung für Größter Anzunehmender Unfall) verantwortlichen sowjetischen Stellen hüllen sich zunächst in bedrückendes Schweigen; auch die hiesigen Behörden üben sich anfangs noch im Beschwichtigen der Tatsache, die die deutsche Bevölkerung in den der Katastrophe folgenden Jahren ebenso betrifft wie die der angrenzenden Länder. Die Auswirkungen der radioaktiven Niederschläge auf die Bodenerzeugnisse werden noch jahrzehntelang in Europa zu verspüren sein, nicht nur in den Tagen danach, als man den Bürgern vom Verzehr von strahlenbelastetem Obst und Gemüse abrät. Nur zum Vergleich: Die bei dem Reaktorunfall frei gewordene Radioaktivität ist bis zu vierzigmal höher als die beim Abwurf der ersten Atombombe 1945 in Hiroshima.

So geraten auch zahlreiche Bürger in Deutschland, Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien, der Tschechoslowakei und Skandinavien in Angst und Schrecken, nachdem sie am übernächsten Tag von den Medien über das volle Ausmaß des Reaktorunglücks informiert werden. Schließlich war der 26. April ein strahlender Frühlingstag, ein Samstag, den viele mit Kind und Kegel im Freien verbrachten – und dem ein heftiger Regen folgte, der den Boden radioaktiv verseuchte. Doch erst am Abend des 28. April wird der GAU in Tschernobyl offiziell zur furchtbaren Gewissheit, obwohl bereits am Vortag im benachbarten Polen und sogar im Norden Schwedens eine erhöhte Strahlung wahrgenommen wurde, die auf einen Atomreaktorunfall hindeutete und den Alptraum erst publik machte.

Von Seiten der Sowjetunion erfolgte weder eine Warnung, noch bat man die westlichen Nationen um Hilfestellung: Dort betrachtete man die Jahrhundertkatastrophe, die ein Areal von 25.000 Quadratkilometern verseuchte, den halben Kontinent (und die Gesundheit seiner Bewohner) in Mitleidenschaft zog, als ein „internes“ Problem.

Gedenktage:

2002: Am letzten Tag der Abiturprüfung erschießt ein 19-jähriger Ex-Schüler des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums mit einer Pump Gun insgesamt 16 Menschen, darunter 13 Lehrer, zwei Schüler und einen Polizisten, bevor er sich selbst tötet. Grund für das Blutbad: Der Amokläufer Robert Steinhäuser, Mitglied des Schützenvereins, war wegen schlechter Leistungen von den Prüfungen ausgeschlossen worden.

1996: Der Multimillionär und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma, der am 25. März vor seinem Haus im Hamburger Stadtteil Blankenese brutal niedergeschlagen und entführt worden war, wird nach 33 Tagen gegen ein Lösegeld von rund 30 Mio. Mark freigelassen.

1994: NPD in die Schranken verwiesen: Das Bundesverfassungsgericht weist eine Verfassungsbeschwerde der rechtsradikalen Partei ab und stellt fest, dass die Vergasung von Juden während der Nazi-Zeit nicht als „Lüge“ bezeichnet werden darf. Eine derartige Behauptung sei nicht durch Artikel 5 des Grundgesetzes (Recht auf freie Meinungsäußerung) gedeckt.

1966: In der heutigen Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Rom fällt die Entscheidung über den Austragungsort für die Sommerspiele 1972 zugunsten der Isarmetropole München.

1937: Im spanischen Bürgerkrieg wird die baskische Stadt Guernica von deutschen Fliegern der Legion Condor bombardiert und fast völlig zerstört; 1.645 Menschen kommen dabei ums Leben. „Guernica“ heißt auch das berühmte Gemälde Pablo Picassos, in dem er die Schrecken des Bürgerkriegs in seiner spanischen Heimat auf die Leinwand gebannt hat.

1847: In London fertigt die Firma Adams & Co. den ersten Doppeldeckerbus. In der „oberen Etage“ können 14 Passagiere Platz nehmen, die – da kein schützendes Dach vorhanden ist – nur den halben Fahrpreis bezahlen müssen.

Geburtstage:

1940: Giorgio Moroder; oscargekrönter Musikproduzent und Komponist aus Südtirol, dessen Karriere in den USA begann. Neben Hits für Donna Summer oder Ricky Shayne schrieb er die Filmmusik zu „Flash Dance“, den FIFA-Song für die Fußball-WM 1990 in Italien sowie den Olympia-Titel „Reach Out“ für die Sommerspiele in Los Angeles, 1984.

1908: Marianne Hoppe († 23.10.2002); deutsche Schauspielerin. Die in Rostock geborene Künstlerin verkörperte die hohe Schule der Schauspielkunst und glänzte sowohl auf den Bühnenbrettern als auch auf der Kinoleinwand („Der Schimmelreiter“, „Der Schritt vom Wege“). Die „Preußin mit dem spröden Charme“, von 1936-46 mit dem Regisseur Gustav Gründgens verheiratet, wurde 93 Jahre alt und starb im bayerischen Siegsdorf.

1896: Ernst Udet († 17.11.1941); deutscher Generaloberst und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Der Pilot, der sich 62 feindlicher Abschüsse „rühmen“ konnte und seit 1936 in führender Position im Reichsluftfahrtministerium tätig war, verübte 1941 in Berlin Selbstmord. Adolf Hitler deklarierte den Freitod seines Gefolgsmannes als Unglücksfall.

1789: Eugène Delacroix († 13.8.1863); französischer Maler. Der Repräsentant der Romantik lebte seine leidenschaftliche Persönlichkeit in seinen Bildern aus. Er gilt wegen der Lebhaftigkeit seiner Vorstellungskraft und des großzügigen Umgangs mit Farben als Wegbereiter des Impressionismus. Bekanntestes Werk: „Das Massaker von Chios“ (1824), das im Pariser Louvre ausgestellt ist.

121 n. Chr.: Marc Aurel, eigentlich Marcus Aurelius Antoninus († 17.3.180 n.Chr.); römischer Kaiser. Der Inbegriff des „gerechten Herrschers“ beendete das Zeitalter römischer Expansion und konzentrierte sich auf den sozialen Ausgleich innerhalb seines Imperiums. Sein stetes Streben nach Selbstbeherrschung und Pflichterfüllung kommt auch in seinen „Selbstbetrachtungen“ zum Ausdruck.

Copyright Rosmarie Elsner

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