Kalenderblatt Freitag 24. April 20

Kalenderblatt Freitag, 24. April 2020

augen-0310.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Takt ist eine schreckliche Sache. Wenn man ihn nicht hat, regt sich jeder auf. Wenn man ihn hat, merkt das kein Mensch.“ Shirley MacLaine (1934)

24.4.1974: Der Spionagefall Guillaume

Der bislang schwerwiegendste Spionagefall in der Geschichte der Bundesrepublik führt heute zur Verhaftung von Günter Guillaume, des persönlichen Referenten von SPD-Bundeskanzler Willy Brandt. Guillaume gesteht, ein von Ost-Berlin eingeschleuster Agent und Offizier der Nationalen Volksarmee der DDR zu sein und seine Vertrauensstellung im Kanzleramt missbraucht zu haben. Die Affäre führt im Mai 1974 zum Rücktritt des Kanzlers.

Mehr Details:

Der brisanten Enttarnung folgte die harsche Kritik am Verfassungsschutz der Bundesrepublik auf dem Fuß. Bei den Untersuchungen wurde deutlich, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz bereits 1970 Bedenken gegen den ehemaligen Redakteur aus dem Osten geäußert hatte; trotz dieser – nicht beachteten – Vorbehalte gelangte der Agent zwei Jahre später ins Bundeskanzleramt und erwarb sich dort eine Vertrauensstellung. Auch einem erneuten Verdacht durch Innenminister Hans-Dietrich Genscher im Jahr 1973 wurde keinerlei Beachtung geschenkt. Umso größer waren das Entsetzen und auch die menschliche Enttäuschung, als sich der Verdacht gegen den Spion, der das persönliche Vertrauen des Bundeskanzlers genoss, im April 1974 bestätigte.

Guillaume war 1956 als vorgeblicher Flüchtling gemeinsam mit seiner Frau Christel aus Ost-Berlin in die Bundesrepublik gelangt und vom Ministerium für Staatssicherheit im Rahmen seiner nachrichtendienstlichen Aktivitäten auf die Parteiarbeit der SPD angesetzt worden. Ein Jahr nach seiner Umsiedelung in den Westen trat er der SPD bei und arbeitete sich dank seines Organisationstalents in der Partei im wahrsten Sinne des Wortes „hoch“. 1968 übernahm er den Posten als Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Stadtrat von Frankfurt am Main und konnte in dieser Zeit wichtige Kontakte zu Deutschlands Spitzenpolitikern knüpfen. Auch in seiner Funktion als persönlicher Referent Brandts erwies er diesem vordergründig „wertvolle“ Dienste, koordinierte die Kanzler-Termine und hatte Einblick in wichtige innerparteiliche Dokumente.

Die Spionage-Affäre endete für Günter Guillaume mit der Verurteilung wegen Landesverrats (1975) zu einer Haftstrafe von 15 Jahren. Im Oktober 1981 gelangte er im Austausch gegen mehrere in der DDR inhaftierte westdeutsche Agenten zurück in den Osten. Kanzler Brandt hingegen sollte an dem Politskandal scheitern: In einem Schreiben an Bundespräsident Heinemann teilte er am 6. Mai mit: „Ich übernehme die politische Verantwortung für Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Agentenaffäre Guillaume und erkläre meinen Rücktritt.“

Gedenktage:

1997: Die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Monika Böttcher, geschiedene Weimar, die 1988 von einem Schwurgericht in Fulda wegen Mordes an ihren beiden Töchtern zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, endet heute mit einem Freispruch.

1972: In Ost-Berlin findet eine zweitägige Konferenz statt, in der über in- und ausländische Tanzmusik, darunter auch Jazz, Beat und Rock ’n‘ Roll, entschieden wird. In den gestrengen Ohren des Kulturministeriums finden zwar Jazz-, Folk- und Beatmusik „Gnade“; Rockmusik bleibt weiterhin verpönt.

1957: Die Verfilmung der „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, einem Roman von Thomas Mann, wird in West-Berlin uraufgeführt. In der Titelrolle ist Horst Buchholz als charmanter Schwerenöter zu sehen, der im Monat zuvor den „Bambi“ als beliebtester deutscher Schauspieler erhalten hat.

1953: Die englische Queen schlägt den britischen Premierminister Winston Churchill seiner Verdienste um Großbritannien wegen zum Ritter. Nun darf sich der renommierte Staatsmann das Wörtchen „Sir“ vor seinen Namen schreiben.

1923: „Das Ich und das Es“, die beiden im ständigen Zwiespalt befindlichen Wesensteile des Menschen, sowie das „Über-Ich“ (die auferlegten Normen und Verhaltensmuster) werden erstmals vom Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, in seinem heute erscheinenden Werk detailliert beschrieben.

1854: In Wien findet die „Hochzeit des Jahrhunderts“ statt: Kaiser Franz Joseph I. vermählt sich mit der 16-jährigen Prinzessin Elisabeth von Bayern. Die „Lovestory“, die sich im echten Leben nicht immer so romantisch wie auf der Kinoleinwand abgespielt hat, wurde in drei „Sissi“-Folgen mit den Schauspielern Romy Schneider und Karlheinz Böhm verfilmt.

Geburtstage:

1942: Barbara Streisand; US-amerikanische Künstlerin mit vielfältigen Talenten. Sie verwandelt jedes Lied, jede Filmrolle und jeden Auftritt in Erfolg, etwa in „Hello Dolly“ oder „Funny Girl“, im Duett mit Bee Gees-Sänger Barry Gibb („Woman in Love“), Bryan Adams oder Celine Dion. Mit „Yentl“ und „Herr der Gezeiten“ gab sie auch ihr Debüt als Regisseurin und Produzentin.

1934: Shirley MacLaine; US-amerikanische Schauspielerin und Schriftstellerin. Die Schwester von Warren Beatty, deren Ambitionen als Buchautorin sich auf spirituelle Gebiete erstrecken, glänzte in turbulenten Komödien („Irma La Douce“) oder – tragikomisch – in „Das Appartement“ an der Seite von Jack Lemmon. Darüber hinaus engagiert sich die quirlige Mimin auch auf politischem Sektor.

1911: Karl Schiller († 26.12.1994); deutscher Politiker (SPD) und Volkswirtschaftler. Wirtschaftspolitische Verdienste errang der ehemalige Rektor der Universität Hamburg in der Doppelfunktion als Wirtschafts- und Finanzminister. Der Rücktritt des Superministers (1972) war die Folge des Scheiterns seines Sparkonzepts, das seiner ausgabenfreudigen Partei widerstrebte.

1904: Willem de Kooning († 19.3.1997); niederländisch-amerikanischer Maler. Der zornige Charakter des Hauptvertreters des Abstrakten Expressionismus, der 1926 in die USA emigrierte, spiegelt sich in seinen aggressiven, kraftvollen Bildern wieder, die dem abstrakten Expressionismus zugerechnet werden. Bekannte Werke: „Seated Women“ und „The Visit“.

1837: Friedrich von Holstein († 8.5.1909); deutscher Diplomat, den Reichskanzler Otto von Bismarck selbst ins Auswärtige Amt berief und dessen Gegner er bald wurde. Als „Graue Eminenz“ lange unterschätzt, wurde er wegen seiner aggressiven Politik in der Marokkokrise (1906) von Reichskanzler Fürst von Bülow entlassen.

Copyright Rosmarie Elsner

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