Kalenderblatt Mittwoch 22.4.2020

Kalenderblatt Mittwoch, 22. April 2020

reiten-0015.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.“ Friedrich von Bodenstedt (1819-1892)

22.4.1946: Geburtsstunde der SED

Beim Vereinigungsparteitag am 21. und 22. April 1946 kommt es in der sowjetischen Besatzungszone zum Zusammenschluss der Parteien KPD und SPD. Aus diesem geht die Sozialistische Einheitspartei Deutschland, kurz SED genannt, hervor, nachdem sich im Berliner Admirals-Palast 507 KPD-Abgeordnete und 548 Delegierte der SPD für die „Fusion“ ausgesprochen hatten.

Mehr Details:

SPD + KPD = SED lautete die neue Formel, mit der die beiden Arbeiterparteien unter einen Hut gebracht werden sollen. Besiegelt wird der nicht gerade aus freien Stücken erfolgte Zusammenschluss mit einem kräftigen Händedruck von KPD-Chef Wilhelm Pieck und seinem sozialdemokratischen Amtskollegen Otto Grotewohl :eine Geste, die vielen Gegnern wie eine „tödliche Umarmung“ durch den Kommunismus anmutet.

Der historische Händedruck zierte fortan als Symbol der Brüderlichkeit das SED-Emblem und alle weiteren Parteiabzeichen und wirkte angesichts der bald einsetzenden „Säuberungen“, primär in den einstigen SPD-Reihen, wie blanker Hohn.

Die kommunistischen Zeichen der Zeit warfen bereits im Herbst 1945 ihre Schatten voraus. Die KPD-Führung, lange Zeit einer Vereinigung mit den Sozialdemokraten wegen ideologischer Grundsatzfragen abgeneigt, drängte plötzlich auf rasche Zusammenführung. Ihren Parteiapparat hatten die kommunistischen „Klassenbrüder“ zwischenzeitlich zwar ausweiten können, doch den angestrebten Rückhalt in der Bevölkerung konnten ausschließlich die Sozialdemokraten für sich verbuchen. In der SPD, in der es ebenso viele Befürworter wie Gegner der Fusion gab, herrschte zudem die Auffassung, dass man schon wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit nach einer Vereinigung weiterhin den Führungsanspruch vertreten würde. Auch die neuen Töne der KPD, das jähe Bekenntnis zur Demokratie, brachte Fusionsgegner zum Umdenken. Ein fataler Trugschluss, wie sich bald herausstellen sollte. Auf dem zweitägigen Vereinigungsparteitag in Berlin, der am 21. und 22. April den Grundstein zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) legte, stimmte zunächst das Zahlenübergewicht noch: 548 Abgeordnete der SPD und 507 der KPD votierten für die Vereinigung.

Völlig unterschätzt hatte die ehemalige SPD-Führung den hinter den Kommunisten stehenden Parteiapparat der Sowjetunion, die deren Machtanspruch kräftig unterstützte, mit dem Hintergedanken, die SED zur stalinistischen Staatspartei umzuformen. Das eigentliche Ziel, miteinander für ein einheitliches, demokratisches Deutschland einzutreten, entpuppte sich bald als Illusion. Waren im ersten Jahr nach der SED-Gründung die Führungspositionen in der Partei noch paritätisch besetzt, begannen schon 1948 – nach dem Beschluss, „eine Partei neuen Typus“ zu bilden – die Säuberungsaktionen. Im Januar 1949 wurde die Parität ganz aufgehoben. 1950 schließlich wurde der aus der UdSSR zurückgekehrte Walter Ulbricht Parteichef der SED.

Gedenktage:

1997: Das Geiseldrama in Perus Hauptstadt Lima, das am 17.12.1996 mit der Besetzung der japanischen Botschaft durch Rebellen der Tupac Amaru begonnen hatte, findet heute ein blutiges Ende. Einheiten der peruanischen Armee stürmen das Gebäude, in dem sich noch 71 Geiseln befinden: Alle 14 Besetzer, zwei Offiziere und eine Geisel kommen dabei um.

1968: Großbritannien verabschiedet sich von seinen traditionellen Ein- und Zwei-Shilling-Münzen und erhält erstmals Fünf- und Zehn-Pence-Münzen nach dem Dezimalsystem. Die bisherige Einteilung des englischen Pfunds (1 Pfund = 20 Shillinge, 1 Shilling = 12 Pence) führte zunehmend zu Konflikten im Wirtschaftsverkehr mit anderen europäischen Ländern.

1915: Mit dem Einsatz chemischer Kampfstoffe nimmt die Kriegsführung eine völlig neuartige Dimension an: In der Nähe der belgischen Stadt Ypern greifen deutsche Truppen heute erstmals zu Chlorgas, um Geländegewinne zu erzielen, die mit herkömmlichen Waffen nicht zu realisieren gewesen wären.

1509: In England besteigt König Heinrich VIII. („König Blaubart“) den Thron. Er wird während seiner Regierungsperiode die Trennung der anglikanischen Kirche von der römischen Kirche herbeiführen und im Privatleben sechs Ehefrauen „verschleißen“.

1370: In Paris erfolgt die Grundsteinlegung zur Befestigungsanlage Bastille. Sie wird im 17. Jahrhundert unter Kardinal Richelieu zum berüchtigten Staatsgefängnis avancieren und anlässlich der französischen Revolution am 14. Juli 1789 gestürmt werden.

Geburtstage:

1937: Jack Nicholson, eigentlich John Joseph N.; US-amerikanischer Schauspieler. Der Hollywoodstar kann in alle nahezu alle Rollen schlüpfen und bleibt dabei stets authentisch. Eine mit einem Oscar ausgezeichnete Glanzrolle gelang ihm im Film „Einer flog übers Kuckucksnest“. 2003 brillierte er als Rentner in dem tragikomischen Film „About Schmidt“, gefolgt von den Komödien „Die Wutprobe“ und „Was das Herz begehrt“.

1916: Yehudi Menuhin († 12.3.1999); US-amerikanisch-britischer Violinist. Seine Karriere als Musiker begann 1927 mit einem triumphalen Auftritt des damals Elfjährigen in der New Yorker Carnegie Hall. Im Gegensatz zu anderen Wunderkindern folgte eine ungebrochen glanzvolle Laufbahn auf allen bedeutenden Bühnenhäusern der Welt.

1904: Julius Robert Oppenheimer († 18.2.1967); US-amerikanischer Physiker. Als Leiter des Baus der ersten US-Atombombe (1943-45) erlangte er großen Einfluss in der US-Atombehörde, der ihm jedoch wenig nutzte, als er 1953 die Konstruktion der Wasserstoffbombe aus moralischen Gründen ablehnte. Er verlor Position und Ansehen, nachdem ihm Beziehungen zum Kommunismus unterstellt worden waren.

1819: Friedrich von Bodenstedt († 18.4.1892); deutscher Schriftsteller, Publizist und Pädagoge. Der Herausgeber der Berliner „Täglichen Rundschau“ (1881-88) lehrte mehrere Jahre in Moskau und Tiflis, bevor er eine Professur in München annahm. Neben seinem Hauptwerk „Lieder des Mirza Schaffy“ schrieb er auch Epen, Dramen und Reiseliteratur.

1724: Immanuel Kant († 12.2.1804); deutscher Philosoph. Mit der „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) wurde er zum Klassiker der Aufklärung. Seine Gedanken zu Freiheit und Vernunft beeinflussen auch heute noch die Denker, ebenso der kategorische Imperativ: „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten kann.“

Copyright Rosmarie Elsner

Kommentare sind geschlossen.