Kalenderblatt Samstag 28.3.20

Kalenderblatt Samstag, 28. März 2020

hund-0063.gif von 123gif.deZitat des Tages: „Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzuwinken und vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.“ Maxim Gorki (1868-1936)

28.3.1935: Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“

Im Berliner Ufa-Theater wird heute vor großem Publikum Leni Riefenstahls Film „Triumph des Willens“ uraufgeführt. Der umjubelten Premiere dieser zweistündigen Dokumentation des Reichsparteitags 1934 in Nürnberg wohnt auch Reichskanzler Adolf Hitler bei, der die 33-jährige Berliner Jungfilmerin persönlich zu diesem Propagandawerk beauftragt hatte.

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Wie auch in ihren späteren, heftig umstrittenen Werken, dem heroisierenden „Olympia“-Zweiteiler „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“ (1936) muss sich die Regisseurin und Fotografin immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dem Nationalsozialismus als Propagandistin gedient zu haben. „Als der Film damals herauskam, wimmelte es nur so von solchen Filmen“, verwehrt sich die Filmemacherin gegen derlei Angriffe und betont, dass sowohl ihr 1934 gedrehter Dokumentarfilm über den NSDAP-Parteitag als auch ihre Nachfolgewerke lediglich die damalige Zeit und nicht ihre politische Gesinnung reflektierten.

„Triumph des Willens“ ist der Auftakt zu einer beispiellosen Karriere der Berlinerin, die zunächst als Schauspielerin an der Seite des Südtiroler Schauspielers und Bergsteigers Luis Trenker in seichten Heimatfilmen mitwirkte. Nach Rollen in „Der heilige Berg“ und „Die weiße Hölle von Piz Palü“ begann sie, in Eigenregie Filme zu drehen. Bereits mit ihrem Debütwerk „Das blaue Licht“ (1932) zog sie die Aufmerksamkeit Hitlers auf sich, der die ehrgeizige Jungfilmerin mit der Dokumentation des NSDAP-Parteitages beauftragte.

Es folgten propagandistische Kurzfilme wie „Sieg des Glaubens“ und „Tag der Freiheit“. Zu ihrer wahren Größe lief Leni Riefenstahl mit ihrer Dokumentation zu den Olympischen Spielen 1936 in Berlin auf. In dem mehrstündigen „Olympia“-Zweiteiler „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“ zeigt sie eine ästhetische Abfolge athletischer Körper, die in ihrer Perfektion an griechische Götter erinnern: eine mystifizierte Hymne an Schönheit und Sport. Die Kombination aus klassischem Schönheitsideal, Musik, Wort, Bildern, flankiert von modernster Technik, machte aus dem Olympiafilm eine ungewöhnliche Sportreportage, deren Reiz sich kaum jemand entziehen vermochte. Dennoch trägt auch diese Show der „begnadeten Körper“ unverkennbar propagandistische Züge, wenngleich sorgfältig hinter olympischem Geschehen drapiert. Gegen diesen Vorwurf verwehrte sich die Regisseurin vehement. Keine Propagandafilme, sondern lediglich Dokumentationen der damaligen Zeit seien es gewesen, versicherte die Künstlerin, die bis zu ihrem Tod im September 2003 zurückgezogen am Starnberger See lebte.

Gedenktage:

1979: Harrisburg: Im Atomkraftwerk Three Mile Island kommt es beinahe zum GAU („Größter Anzunehmender Unfall“), als das Kühlsystem versagt und die Brennstäbe nahezu schmelzen. Der auf technische Mängel und menschliches Versagen zurückzuführende Reaktorunfall macht der Öffentlichkeit erstmals die Risiken der zivilen Nutzung der Kernkraft bewusst.

1942: Beim ersten großflächigen Luftangriff auf deutsche Wohngebiete durch die britische Luftwaffe werden große Teile des Stadtkerns von Lübeck zerstört. Dies ist der Anfang einer neuen Taktik unter Leitung des britischen Luftmarschalls Arthur Harris („Bomber-Harris“), mit der durch die Flächenbombardierung deutscher Großstädte die Zivilbevölkerung demoralisiert werden soll.

1941: Die englische Schriftstellerin Virginia Woolf („Orlando“, „Mrs. Dalloway“) nimmt sich das Leben. Nach Fertigstellung ihres Romans „Zwischen den Akten“ ertränkt sich die erfolgreiche, aber zeitlebens depressive und psychisch labile Autorin im Fluss Ouse in der Nähe ihres Wohnorts in Sussex.

1849: Zwischen Berlin und Frankfurt am Main wird die erste Fern-Telegrafen-Linie Europas in Betrieb genommen. Damit kann die Nachricht von der Wahl des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Erbkaiser in „Windeseile“ übermittelt werden.

1828: In der Donaumetropole Wien gibt der 31-jährige Komponist Franz Schubert sein erstes und zugleich letztes Klavierkonzert. Noch im gleichen Jahr wird der vielversprechende österreichische Musiker an einer Typhus-Infektion sterben.

Geburtstage:

1921: Dirk Bogarde († 8.5.1999); britischer Schauspieler. Internationale Lorbeeren erntete der 1992 der Queen zum „Sir“ geadelte Mime als „Gustav von Aschenbach“ in Viscontis Thomas-Mann-Adaption „Tod in Venedig“, im Kriegsepos „Die Brücke von Arnheim“ sowie im Fassbinder-Film „Despair – Eine Reise ins Licht“.

1897: Joseph „Sepp“ Herberger († 28.4.1977); deutscher Fußballspieler und -trainer. Die Mannheimer Fußballlegende, von 1936-64 Trainer der deutschen Nationalmannschaft, führte seine Elf 1954 im Finale gegen Ungarn erstmals zur Weltmeisterschaft („Wunder von Bern“). Häufig zitiert werden auch seine Sprüche rund ums Leder: „Der Ball ist rund“ oder „Ein Spiel dauert 90 Minuten“.

1868: Maxim Gorki, eigentlich Alexej Maximowitsch Peschkow († 18.6.1936); russischer Schriftsteller. Aufstand und Revolution, Arbeiter und Bürger stehen im Zentrum seiner naturalistischen Dramen und Romane. (Werke: „Nachtasyl“, „Die Mutter“). Er selbst gilt als einer der Wegbereiter des Sozialistischen Realismus als Kunstform.

1862: Aristide Briand († 7.3.1932); französischer Politiker. Der Sozialist, der 1926 für seine Pläne eines vereinigten Europas gemeinsam mit Gustav Stresemann den Friedensnobelpreis erhielt, war zehnmal Ministerpräsident und 17mal Außenminister. In seiner Funktion als Unterrichts- und Kultusminister (1906-08) führte er die Trennung von Staat und Kirche durch.

1592: Johannes Amos Comenius, eigentlich Jan A. Komensky († 15.11.1670); böhmisch-stämmiger Theologe und Pädagoge. In seinen Schriften setzte er sich für eine neuzeitliche Schultheorie ein, die unter anderem auch die Schulpflicht für Mädchen vorsah.

Copyright Rosmarie Elsner

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