Kalenderblatt Samstag 30.11.19

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Zitat des Tages: „Banker sind Menschen, die dir bei gutem Wetter einen Schirm leihen, ihn aber zurückfordern, sobald es zu regnen beginnt.“ Mark Twain (1835-1910)

30.11.1999: Das Geheimnis der schwarzen Parteikonten

In den Novembertagen des Jahres 1999 nimmt in Deutschland eine Parteispendenaffäre ihren Lauf, die durch den früheren Schatzmeister der CDU Walther Leisler-Kiep ins Rollen geriet und die die Bundesbürger durch das ganze Jahr 2000 begleiten, erstaunen, schockieren, nerven und mitunter auch erheitern wird. Heute räumt erstmals der ehemalige CDU-Parteivorsitzende, kein Geringerer als Altkanzler Helmut Kohl, ein, von sogenannten schwarzen Konten gewusst zu haben.

Mehr Details:

Die Parteispendenaffäre um die Schwarzkonten der CDU nimmt auf der heutigen Sondersitzung des CDU-Präsidiums eine erstaunliche Wende bzw. wird noch undurchsichtiger. Altkanzler Kohl „beichtet“ dort dem Unionspräsidium und später der Presse, von einer Kontenführung abseits der offiziellen Spendenpraxis gewusst zu haben. Diese sei zwar nach dem Parteiengesetz rechtlich nicht korrekt, ihm aber „nur formal“ und demnach vertretbar erschienen. Im übrigen habe er mit einem „pro-forma-Gesetzesverstoß“ niemandem schaden, sondern seiner Partei ausschließlich dienen wollen. Kohl und sein Amtsnachfolger Wolfgang Schäuble weisen auf dieser Sitzung jeglichen Verdacht zurück, politische Entscheidungen seien über diese „außergewöhnliche“ Spendenpraxis beeinflusst worden.

Die Nation reagiert auf dieses mangelnde Unrechtsbewusstsein von höchster Instanz größtenteils verstört und verständnislos. Zwei Tage später tritt auch der deutsche Bundestag in Aktion und beauftragt einen Untersuchungsausschuss mit der Prüfung der verdeckten Kontenführung. Doch statt Licht ins Dunkel des Parteispendenskandals zu bringen, führen die Ermittlungen in einen immer tieferen Spendensumpf, der der CDU die bislang größte Krise ihres Bestehens bescheren wird. Darüber hinaus tauchen plötzlich auch im Bundesland Hessen „Schwarzkonten“ auf, und eine bisher geheime Barspende des Waffenhändlers Karl-Heinz Schreiber in Höhe von 100.000 Mark aus 1994 bleibt spurlos verschwunden. Sowohl Parteichef Schäuble als auch sein Vorgänger Kohl, die beteuern, nichts zu verbergen zu haben, geraten zunehmend unter Druck; letzterer weil er sich wie ein bockiges Kind weigert, die Spendernamen preiszugeben und sich dabei auf ein Ehrenwort beruft, das im Gegensatz zur Verfassung der Bundesrepublik Deutschland steht.

Die mehrmals angekündigte „Stunde der Wahrheit“ will einfach nicht schlagen; dafür hält die Affäre Partei und Bevölkerung ein Jahr lang in Atem, lässt Köpfe rollen und beschert der CDU zwar eine neue Parteiführung, leider aber nie eine zufriedenstellende Klärung.

Gedenktage:

1989: In Bad Homburg kommt der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch einen von RAF-Terroristen verübten Bombenanschlag ums Leben. Die Bombe wurde von den Attentätern durch eine Lichtschranke gezündet.

1939: Mit der Begründung, einige „Grenzkorrekturen“ vornehmen zu wollen, eröffnen Truppen der Roten Armee auf Befehl Josef W. Stalins den Angriff auf die finnische Hauptstadt Helsinki und Teile der Karelischen Landenge. Zwar wehren sich die zahlenmäßig unterlegenen finnischen Truppen tapfer, unterzeichnen aber nach mehrmonatigen Kämpfen zwangsweise einen Friedensvertrag, der ihnen zehn Prozent ihres Landes abverlangt.

1900: Oscar Wilde, einstiger Liebling der Londoner Gesellschaft, stirbt im Alter von 46 Jahren in Paris. Dorthin hatte sich der britische Schriftsteller nach der Entlassung aus dem Zuchthaus von Reading zurückgezogen, wo er zwei Jahre Haft wegen angeblicher Homosexualität verbüßte. In Paris lebte er zuletzt unter dem Pseudonym Sebastian Melmoth in ärmlichen Verhältnissen.

1872: Im schottischen Glasgow findet das erste Länderspiel in der Fußballgeschichte statt. Die Mannschaften von England und Schottland trennen sich nach der Begegnung mit einem Unentschieden (0:0). Weil der bedingungslose Einsatz der Spieler bei weiteren Austragungen häufig zu Verletzungen führt, wird das Tragen von Knieschützern vorgeschrieben.

1487: Herzog Albrecht IV. von Bayern erlässt für alle Münchner Bierbrauer eine strenge Brauordnung, nach der der edle Gerstensaft nicht mit Zusatzstoffen verfälscht werden darf. Dies ist die Geburtsstunde des „Reinheitsgebotes“, das sein Sohn und Nachfolger Wilhelm IV. im April 1516 auf ganz Bayern ausweiten wird und das noch heute seine Gültigkeit besitzt.

Geburtstage:

1955: Billy Idol, eigentlich William Michael Albert Broad; englischer Sänger. Seine Karriere begann er als Punkmusiker bei der Band „Generation X“. Der internationale Durchbruch gelang dem Rebellen mit den blond gefärbten Haaren jedoch als Solist, und das mit dem ausgesprochen romantischen und gar nicht punkigen Titel „Sweet Sixteen“ (1987), dem 1990 mit „Cradle Of Love“ ein weiterer Hit folgte.

1874: Winston Churchill († 24.1.1965); britischer Politiker. Nicht nur als Premierminister von Großbritannien (1940-45 und 1951-55) und als einer der „Großen Drei“ (neben Stalin und Roosevelt) schrieb der leidenschaftliche Zigarrenraucher Weltgeschichte. Das Multitalent betätigte sich auch als Maler und Schriftsteller, erhielt 1953 den Literaturnobelpreis und wurde im gleichen Jahr wegen seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben.

1835: Mark Twain, eigentlich Samuel Langhorne Clemens († 21.4.1910); US-amerikanischer Schriftsteller. Bekannt wurde der am Mississippi aufgewachsene Autor mit seinen noch heute populären Abenteuerromanen um „Tom Sawyer“ und „Huckleberry Finn“. Der Fluss gab ihm auch seinen Künstlernamen: Die Schiffer riefen ihm bei seiner Arbeit als Lotse „mark twain“ zu, was soviel bedeutet wie eine Navigationsmarkierung von zwei Faden Wassertiefe.

1508: Andrea Palladio († 19.8.1580); italienischer Architekt. Zahlreiche beeindruckende Paläste, Kirchen und Villen in der Gegend um Vicenza und Venedig gehen auf den berühmten Baumeister zurück, der auch den Klassizismus im übrigen Europa, insbesondere in Holland und Frankreich, weitgehend prägte. Darüber hinaus beeinflusste er den Theaterbau in Europa nachhaltig.

1466: Andrea Doria († 25.11.1560); italienischer Seefahrer. Zunächst stand der Genueser im Dienst von Papst Innozenz VIII., wechselte aber später als Admiral auf die Seite König Karls V. über. Der Mann, nach dem ein berühmtes Schiff benannt wurde, verhalf Frankreich zur Wiedereroberung Genuas im Jahr 1527, besiegte die Türken und warf 1547 die Verschwörung der Fieschi, eines konkurrierenden Adelsgeschlechts, nieder.

Copyright: Rosemarie Elsner

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