Kalenderblatt Mittwoch 30.10.19

Kalenderblatt Mittwoch, 30. Oktober 2019

Boxen von 123gif.de
Zitat des Tages: „Regieren ist die Kunst, Probleme zu schaffen, mit deren Lösung man das Volk in Atem hält.“ Ezra L. Pound (1885-1972)

30.10.1974: Muhammad Ali: Fight des Jahrhunderts

In Zaires Hauptstadt Kinshasa feiert der US-Boxer Muhammad Ali am 30. Oktober 1974 ein Comeback, wie es die Sportwelt noch nie erlebt hat. Mit einem völlig überraschenden K.-o.-Sieg in der 8. Runde über den wesentlich jüngeren Gegner und Favoriten George Foreman holt sich der 32-jährige Muhammad Ali alias Cassius Clay erneut den Weltmeistertitel im Schwergewicht.

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Nie wurde der in der Fachwelt geläufige Ausspruch vom „They never come back“ so fundamental widerlegt wie an jenem Mittwoch im Oktober 1974 in Kinshasa/Zaire. Mit einem Punktesieg über seinen Landsmann Joe Frazier hatte sich der Schwergewichtler zunächst den Weg zum Titelkampf gegen den 25-jährigen George Foreman erboxt. Dennoch ist sich die Sportwelt einig, dass der sieben Jahre jüngere Favorit seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht gegen den älteren und obendrein aus der Übung geratenen Ex-Champ mühelos verteidigen würde. Schließlich war Muhammad Ali, wie sich der Boxer nach seinem Übertritt zum Islam nannte, wegen Verweigerung des Wehrdienstes 1967 jahrelang aus dem Boxring verbannt gewesen.

Doch dann kam alles ganz anders. Nur wenige Sekunden nach Beginn des Wettkampfs landete Ali eine rechte Gerade im Gesicht des Gegners, der diesen Schlag wütend parierte. Foremans Wut nutzte Ali geschickt, indem er sein Vis-à-Vis wie in guten alten Zeiten provozierte und verspottete. Dabei hatte jeder erwartet, Ali würde versuchen, einigermaßen über die Runden zu kommen und sich seinen Gegner so defensiv wie möglich vom Leibe zu halten. Foremans Treffer steckte er weg, ließ sich sogar in die Seile und in die Ring-Ecke drängen, um dann vorzuschnellen und blitzschnell auszuteilen. In der achten Runde schließlich ging Foreman durch eine gewaltige Schlagkombination zu Boden.

Damit gelingt zum zweiten Mal in der Geschichte des Boxsports einem Schwergewichtler ein derartiges Comeback. Bei der Pressekonferenz nach dem „Rumble-in-the-Jungle“-Fight, der von allen Schwarzen als „historisches Ereignis“ gefeiert wurde, ließ der US-Boxer die jubelnde Menschenmenge wissen: „… ich weiß, dass ich mit dem Sieg über George Foreman und mit der Eroberung der Welt durch meine Fäuste meinem Volk nicht die Freiheit bringe. Ich bin mir darüber klar, dass ich über all dies weit hinausgehen muss und mich auf weit mehr vorbereiten muss. Ich weiß, dass ich eine neue Ära betrete.“

Wer mehr über den „Jahrhundertfight“ der heute von der Parkinson-Krankheit schwer gezeichneten Boxlegende erfahren möchte, findet eine Fülle von Informationen in Norman Mailers Buch „Der Kampf“; darüber hinaus widmet sich der preisgekrönte US-Dokumentarfilm „When we were Kings“ dem legendären Titelkampf in Zaire.

Gedenktage:

1985: Vom Raketenstützpunkt Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus tritt die Raumfähre „Challenger“ mit der Bezeichnung „D1“ ihre erste Weltraummission an. Mit von der Partie ist auch das europäische Raumlabor „Spacelab“ mit den deutschen Astronauten Reinhard Furrer, Ernst Messerschmitt und Ulf Merbold an Bord.

1973: Ausgelöst durch die „Watergate“-Affäre läuft das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Richard Nixon an, dem der Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington heute mehrheitlich zustimmt. Es führt in der Folge zum Rücktritt des Staatsoberhauptes im Sommer 1974.

1938: Das von der US-Radiostation CBS gesendete Hörspiel „Invasion vom Mars“ nach H. G. Wells Romanvorlage „Krieg der Welten“ löst bei Bewohnern im Osten der USA eine Massenpanik aus. Darin meldet der junge Schauspieler Orson Welles derart überzeugend die Landung Außerirdischer, dass die Zuhörer den fiktiven Inhalt für bare Münze nehmen.

1910: Im Schweizer Kanton Appenzell stirbt Henri Dunant, der Begründer des „Roten Kreuzes“ und einer der ersten Träger des Friedensnobelpreises (1901). Auf seine Initiative erfolgte auch die Einberufung der ersten internationalen diplomatischen Konferenz, die zu den späteren „Genfer Konventionen“ führte.

1786: Bei Versuchen mit Froschschenkeln, die mit Metallen berührt werden, entdeckt der Bologneser Naturforscher Luigi Galvani die „Berührungselektrizität“, die er zunächst fälschlicherweise als „tierische Elektrizität“ deutet. Wenige Jahre später bildet diese Entdeckung die Grundlage für die nach ihm benannte Galvanik und damit die Entwicklung elektrischer Batterien.

Geburtstage:

1933: Johanna von Koczian; deutsche Bühnen- und Filmschauspielerin. In den 1950er- und 60er-Jahren war sie einer der Kinolieblinge, die mit treuherzigem Augenaufschlag das Publikum verzauberten. Häufig wirkte sie in populären Nachkriegsproduktionen mit, darunter Kurt Hoffmanns Klassiker „Wir Wunderkinder“ (1958), bevor sie sich wieder verstärkt den Bühnenbrettern zuwandte.

1895: Gerhard Domagk († 24.4.1964); deutscher Mediziner. Zu seinen Verdiensten zählt die Entdeckung der antibakteriellen Wirkung von Sulfonamiden, deren Auswirkung auf Infektionskrankheiten und deren Erforschung für die Chemotherapie, wofür der Pathologe/Bakteriologe im Jahr 1939 mit dem Nobelpreis für Medizin belohnt wurde.

1887: Georg Heym († 16.1.1912); deutscher Lyriker und Dramatiker. Der gebürtige Schlesier und promovierte Jurist gehört neben Georg Trakl zu den bedeutendsten Vertretern einer frühexpressionistischen Lyrik. Im Alter von nur 24 Jahren ertrank er beim Schlittschuhlaufen auf dem Berliner Wannsee. Gedicht: „Der Gott der Stadt“ (1910).

1885: Ezra Loomis Pound († 1.11.1972); US-amerikanischer Schriftsteller, der überwiegend in England, Frankreich und Italien lebte. In Rapallo wurde der Begründer der Schule des Imagismus (1912) und dessen Hauptvertreter während des Zweiten Weltkriegs verhaftet (wegen antiamerikanischer Propaganda) und später in eine US-Nervenheilanstalt eingewiesen. Lyrisches Hauptwerk: „Cantos“ (1964) und „Pisaner Gesänge“ (1956/59).

1785: Hermann Fürst von Pückler-Muskau († 4.2.1871); deutscher Reiseschriftsteller, der sich darüber hinaus der Landschaftsgärtnerei, insbesondere der englischen Gartenbaukunst, widmete und darüber ein Buch verfasste. Leider ist sein Name der Bevölkerung heute mehr wegen einer nach ihm benannten Eisspezialität als durch seine eigentlichen Taten geläufig.

Copyright: Rosemarie Elsner

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