Kalenderblatt Montag 28.10.19

Kalenderblatt Montag, 28. Oktober 2019

Zitat des Tages: „Gewissensbisse sind Erinnerungen an das, was man eigentlich vergessen wollte.“ Bernhard Wicki (1919-2000)

menschen-0123.gif von 123gif.de Download & Grußkartenversand28.10.1908: Daily-Telegraph-Affäre: Kaiserlicher Tritt ins Fettnäpfchen

Wenn es darum geht, ins politische Fettnäpfchen zu treten, hat Deutschlands Kaiser Wilhelm II. ein sicheres Gespür. Wie heute, als in der englischen Zeitung „Daily Telegraph“ ein Interview erscheint, in dem er kein Blatt vor den Mund nimmt. Zwar sollte der Text noch einmal überarbeitet werden, erschien dann aber versehentlich in Wilhelms polterhaftem „O-Ton“. Die königlich britische Verwandtschaft ist von den „Entgleisungen“ des Neffen jedenfalls entsetzt.

Mehr Details:

Was der preußische Neffe im Massenblatt „Daily Telegraph“ von sich gibt, erschüttert nicht nur die Briten, auch das diplomatische Parkett zwischen den durch verwandtschaftliche Bande befreundeten Nationen England, Russland und Deutschland bekommt gehörige Kratzer ab. König Edward VII., Wilhelms Onkel, erfährt bei dieser Gelegenheit, was der Spross seiner Schwester Victoria über ihn und die englische Nation denkt. Darüber hinaus brüstet sich der deutsche Kaiser und Preußenkönig mit Ruhmestaten, die eigentlich auf Edwards Konto gehen. Auch den von der britischen Krone gewonnenen Burenkrieg maßt sich Seine Majestät Wilhelm II. an, weil angeblich er derjenige gewesen sei, der einen günstigen Einfluss auf Russland und Frankreich ausgeübt und dadurch die Bildung eines anti-britischen Kolonialbundes verhindert habe.

Immer wieder spielt Wilhelm II. auch auf den alten Argwohn an, den ihm das englische Volk angeblich entgegenbringe. Oberst Stewart Worseley, der das Interview mit dem Kaiser führte, das bald darauf als „Daily-Telegraph-Affäre“ in Preußens Annalen eingehen wird, sieht sich veranlasst, das freimütige Gespräch der Nation im direkten Wortlaut zu überbringen. „Ich tue dies in der Hoffnung, dass es dazu beitragen wird, das hartnäckige Missverständnis, dem die vom deutschen Kaiser für England gehegten Gefühle begegnen (…) aus der Welt zu schaffen“, betont Wilhelm II. und erreicht das genaue Gegenteil. Denn Seine Majestät spricht darin „tacheless“, beweihräuchert sich selbst und sein „Lieblingsspielzeug“ (die deutsche Flotte), während er die Engländer als „tolle Märzhasen“ tituliert und sie des Misstrauens gegenüber Deutschland und seiner Person bezichtigt. „Was ist eigentlich über Euch gekommen, dass ihr euch einem Argwohn überlassen habt, der einer großen Nation nicht würdig ist?“ klagt er die Briten an und fragt, warum sie seine ausgestreckte Hand zurückweisen und davon ausgehen, dass er in der anderen Hand einen Dolch trage.

Das Interview führte auch Preußen zum Eklat. Was jedoch nur die wenigsten wissen: Wilhelm II. hatte den Text vertraulich an Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow weitergeleitet mit der Bitte, ihn vor der Veröffentlichung zu überarbeiten. Dieser aber reichte das Manuskript ungelesen an einen anderen Referenten weiter, und schließlich gelangte es in der Ur-Form an die englische Presse.

Fazit: Viel Aufregung und noch mehr Schlamperei im sonst so disziplinierten Preußen.

Gedenktage:

1962: Auf der Insel Kuba werden die sowjetischen Raketenabschussrampen demontiert. Damit ist die akute Kriegsgefahr, die durch einen Machtpoker der Supermächte USA und Sowjetunion die Welt seit einer Woche in Atem hält, vorerst gebannt.

1922: Marsch auf Rom. Um ihren Anführer Benito Mussolini notfalls mit Gewalt an die Regierung zu bringen, marschieren Zehntausende Mitglieder der faschistischen Kampfverbände auf die italienische Hauptstadt. Durch die Übermacht der „Schwarzhemden“ genötigt, beauftragt König Viktor Emanuel I. den 39-jährigen Politiker mit der Regierungsneubildung.

1919: Der US-Kongress verabschiedet das Prohibitionsgesetz, das die Herstellung, den Transport und den Verkauf alkoholischer Getränke verbietet. Am 16. Januar 1920 ist es endgültig soweit, für die amerikanische Bevölkerung wird dann eine lange und „trockene“ Zeit anbrechen.

1886: Als Symbol für Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie wird heute die 46 m hohe Freiheitsstatue in der Hafeneinfahrt von New York feierlich eingeweiht. US-Präsident Grover Cleveland enthüllt die „Statue of Liberty“, die als Geschenk Frankreichs an die Vereinigten Staaten in 200 Kisten verpackt ihren weiten Weg von Rouen über den Ozean in die „Neue Welt“ angetreten hatte.

1636: In Cambridge, im späteren US-Bundesstaat Massachusetts, öffnet die erste private Universität ihre Pforten. Benannt ist die Hochschule nach dem 29-jährigen Theologen und Stifter John Harvard, der bei seinem Tod im Jahr 1638 der Hochschule nahezu sein gesamtes Vermögen inklusive seiner Privatbibliothek hinterlassen wird.

Geburtstage:

1967: Julia Roberts, eigentlich Julie Fiona R.; US-amerikanische Filmschauspielerin, der die Herzen der Zuschauer nur so zufliegen. Dafür sorgen auch Rollen in Liebeskomödien, die der liebreizenden Schönen auf den Leib geschneidert werden, u.a. „Pretty Woman“ (mit Richard Gere) und „Notting Hill“ (mit Hugh Grant) oder das Drama „Erin Brokovich“ – allesamt Kassenschlager; für letzteren wurde sie 2001 mit Oscar und Golden Globe ausgezeichnet.

1963: Eros Ramazzotti; italienischer Schlagersänger mit großer Fangemeinde. Der glutäugige Römer mit dem göttlichen Namen, dessen Ehe mit dem Schweizer Model und TV-Moderatorin Michelle Hunziker Anfang 2002 in die Brüche ging, sang sich mit „Se Bastasse Una Canzone“ in die deutschen Charts. Einen Riesenhit landete er 1998 im Duett mit Pop-Ikone Tina Turner („Cose Della Vita“).

1955: William Henry „Bill“ Gates; US-amerikanischer Unternehmer und Computerfreak. Im Alter von 19 Jahren gründete der introvertierte Tüftler das Software-Unternehmen Microsoft, führte es mit Programmen wie Windows zum Welterfolg und scheffelte mit der „weichen Ware“ harte Dollars, die sich trotz diverser Einbrüche zum Milliardenvermögen angehäuft haben.

1919: Bernhard Wicki († 5.1.2000); österreichischer Schauspieler und Regisseur. Gleich mit seinem ersten Regiewerk, dem mehrfach ausgezeichneten Kriegsfilm „Die Brücke“ (1959), traf der Schüler Gustav Gründgens ins Schwarze. Auf fruchtbaren Boden fiel auch die Kooperation mit internationalen Kollegen, u.a. mit John Wayne („Der längste Tag“) und Helmut Qualtinger („Das falsche Gewicht“).

1759: Georges Jacques Danton († 5.4.1794); französischer Advokat, Politiker (Justizminister) und radikaler Revolutionsführer, der wegen seiner Schreckensherrschaft unter Maximilien de Robespierre hingerichtet wurde. Das Schicksal des Führers der Girondisten kam in diversen Bühnenstücken zur Aufführung, darunter „Dantons Tod“ von Georg Büchner.

Copyright: Rosemarie Elsner

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