22.3.-13.5.18 Keukenhof

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22.3.-13.5.18 Keukenhof in Holland

Dem Frühling ins Gesicht schauen
Bewusstes Eintauchen ins duftende Farbenmeer von Keukenhof (Lisse, Südholland) wirkt auf mich wie eine kurzfristige Gehirnwäsche gegen negative Dauerberieselungen aller Art. Als Sahnehäubchen gilt dabei der Bleumencorso Bollenstreek (18.-22.4.18): „Das Gesicht des Frühlings“ ist ein unvergleichliches Highlight an Farben, Formen und Düften (Hyazinthen, Tulpen und Narzissen), bestehend aus 20 Prunkwagen, 30 mit Blumen geschmückten Autos und mehreren Musikkapellen. Der Korso ist im Zentrum der Blumenzwiebelgegend rund 40 km unterwegs von Noordwijk (auch Blumenbadeort Europas genannt) nach Haarlem. Heuer widmet sich das jährlich wechselnde Gesamtmotto dem Thema Blumenromantik und zieht sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen. 

 

Keukenhof. Ein ganz besonderer Küchengarten
Die Geschichte der Keukenhof-Parkanlage, des größten Freilandgartens der Welt, reicht bis ins 15. Jh. zurück als sich Gräfin Jacoba von Bayern (1401-36) im Keukenduin (Kräutergarten in den Dünen) bediente. Der weltbekannte Blumenpark rund um das verschlafene Schloss Keukenhof von 1641 erblühte erst ab 1949. Von jährlich circa 1 Million Besuchern kommen 75% aus dem Ausland, hauptsächlich aus Deutschland. 100 Züchter liefern mehr als 7 Millionen Blumenzwiebeln pro Jahr die von 40 Gärtnern ab September/Oktober des Vorjahres im 32 ha großen Park gesetzt werden. Am Ende der Saison wird dem Boden alles wieder entnommen damit im Herbst der Zyklus von Pflanzen, Blüte, Ernte erneut beginnen kann.

Zwei Monate lang bietet Keukenhof seinen Besuchern ein florales Feuerwerk der Superlative: 8 Inspirationsgärten, den mit 100 Kunstwerken größten Skulpturengarten der Niederlande, 20 Blumenshows, Irrgarten, Spielplatz, Streichelzoo, Schnitzeljagden etc. für Kinder. Das Themenmosaik (Romantik) besteht aus 50.000 Zwiebeln (Tulpen, Traubenhyazinthen und Krokusse).

Keukenhof ist auch als Handelsförderer ein internationales und unabhängiges Schaufenster des niederländischen Zierpflanzensektors mit Schwerpunkt auf Blumenzwiebeln. 15% der Besucher sind Professionelle, die u.a. im größten Blumenauktionshaus der Welt „Royal Flora Holland“ in Aalsmeer zugange sind. Dort können Interessierte bei Führungen Zeuge des gigantischen Blumenhandels werden und miterleben wie Millionen von Zwiebeln wie Aktien an der Wallstreet gehandelt werden.
 
Alles Blüten – oder was? Tulipomania – Tulpenwahn
Die tolle Knolle stammt ursprünglich aus dem Osmanischen Reich und bedeutet soviel wie Turban. Heimisch ist sie in Türkei, Iran, Pakistan, Afghanistan und anderen Ländern Zentralasiens. 1593 wurden mit der Ernennung von Carolus Clusius zum Professor der Botanik in Leiden Tulpen erstmals in den Niederlanden bekannt. Clusius war zuvor Präfekt des Kaiserlichen Heilkräutergartens in Wien, das als Tor zum Osmanischen Reichs galt. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Holland begann er mit der Kultivierung von Tulpen, die sich bei der wohlhabenden Bevölkerungsschicht schnell großer Beliebtheit erfreuten. Ganz besonders die Exemplare mit lebhaften Farben, mehrfarbigen Kelchen, Tulpenblätter mit Linien, Streifen und Blütenblätter mit Flammenzeichnung waren besonders beliebt. Erst später stellte sich heraus, dass solche ausgefallenen Varianten durch Viren verursacht wurden. Heute sind die Niederlande weltweit Marktführer in der Tulpenzucht. Beinahe 12.000 Hektar werden hier gezüchtet, 70 % kultiviert als Frischblumen.

Doch brachten Tulpen nicht immer nur fröhliche Farbtupfer ins Leben der Menschen. Es gab eine Zeit da hat der Tulpenwahn viele Spekulanten in den finanziellen Ruin getrieben. Die Preise für Tulpenzwiebeln stiegen über Nacht ins Astronomische weil sie zum Luxusartikel und Statussymbol wurden. Mit der Errichtung von Tulpenbörsen 1636 erreichte dieser Wahn in den Niederlanden seinen Höhepunkt. Menschen verkauften Hab und Gut, um in Tulpen zu investieren. Doch schon 1637 kollabierte der Markt und der schwindelerregende Tulpen-Hype nahm ein jähes Ende. Der Wert der zuvor heiß begehrten Knollen sank innerhalb weniger Stunden um 95 %. Bis heute bezeichnet man große wirtschaftliche Luftblasen Tulpenwahn oder Tulpenmanie.
 
Holland-Flower-Power und Stadttouren
So eine FlowerPowerReise ans holländische Blumenmeer lässt sich ideal mit Besuchen bildschöner Städte wie Haarlem oder Amsterdam verbinden die man für einen ersten Überblick am besten bei einer Kanalfahrt erkundet.
 
Haarlem wartet mit vielerlei für jeden Geschmack auf, wobei das Frans Hals Museum zum kulturellen Pflichtprogramm gehört. Dort haben sich so einige Künstler in der Dauerausstellung „blumig“ realisiert. 2017 war dieses Museum Teil des Blumenfrühlings. Nach Kunst- und Kultur sind zur Seelenpflege Kirchenbesuche angesagt… Mein Favorit ist de Jopenkerk (Jacobskirche) im Raaks-Quartier dem geschäftigen Zentrum von Haarlem. Das ehemalige Gotteshaus beherbergt jetzt eine moderne Brauerei mit Grand Café und Restaurant. Beim Genießen leckerer Biersorten kann der Gast den Brauvorgang verfolgen. Wer nicht sicher ist, welches Bier am besten konveniert, bestelle sich eine Proeverijtje (Probeauswahl) zur Verkostung drei verschiedener Sorten und als deftige Unterlage die landestypische Spezialität Bitterballen (Kroketten). 2016 wurde hier das (auch für bierverwöhnte Bayern) sehr leckere Adrian White zum besten Weißbier der Welt gekürt. Für die Speisen werden frische, saisonale Zutaten aus der Region, zum Großteil aus biologischem Anbau verwendet. Noch nicht genug der klerikalen Eindrücke? Dann weiter zur  mittelalterlichen Grote oder St. Bavo Kirche (nach Vereinbarung zu besteigen) auf dem Grote Markt, der als einer der schönsten Plätze der Niederlande gilt (UNESCO-Weltkulturerbe).

Ganz Amsterdam freut sich auf den Nationalen Tulpentag, mit dem im Januar eines jeden Jahres die Tulpensaison eröffnet wird. Dann darf im Tulpenpflückgarten am Dam Square das Ergebnis von ca. 200.000 gesetzten Zwiebeln gepflückt werden. An diesem kostenlosen Vergnügen nehmen jährlich rund 10.000 Menschen teil. Wer alles über die Tulpe wissen will: Im Tulpenmuseum im Stadtteil Jordaan wird die Geschichte der holländischen Tulpen und Blumenzucht auf unterhaltsame Weise dargestellt. Anschließend sollte man sich in diesem Traditionsviertel nicht nur ein traditionelles Rote-Beete-Süppchen mit Hering schmecken lassen… (Amsterdam-Artikel)
 
Alles außer gewöhnlich: Vork & Mes restaurant
Ein Dinner im malerisch am Rande des Haarlemmermeerse bos, am Stadtrand von Hoofddorp gelegenen Restaurant Vork & Mes (Gabel & Messer) ist etwas ganz besonderes! Im atemberaubenden HydraPier Pavillon (entworfen von Hani Rashid/Asymptote Architects, New York) zaubert Chefkoch Jonathan Karpathios „echtes Essen“ – mit Bio-Gemüse, Blumen und Kräutern aus eigenem Anbau.

Sportliche Kellner, die alles zu Fuß über eine steile Treppe hochbalancieren, servieren das leckere Essen. Nicht nur Architektur und Lage sind einzigartig (Das Restaurant wurde als Ausstellungsgebäude konzipiert), auch das Preis-Leistungsverhältnis kann sich sehen lassen. Um Plätze muss man sich allerdings sehr frühzeitig bemühen. (Paviljoenlaan 1, 2131 LZ Hoofddorp)
 
 
Allgemeine Information:
Keukenhof
Bleumencorso Bollenstreek
Haarlem
Amsterdam

Campingempfehlungen:
5 km nach Keukenhof: Camping Sollasi, 2211 ZC Noordwijkerhout. Einfach, am See gelegen. In Noordwijk gibt es weitere 5 Campingplätze. Im Blumenbadeort Europas“ liegt man quasi auf Tulpenzwiebeln.
10 km nach Haarlem, 20 km nach Keukenhof: Duincamping de Lakens, 2051 EC Bloemendaal aan Zee
Camping de Duinrand, 2041 JA Zandvoort
17 km nach Keukenhof: Camping Koningshof Holland, 2231 NW Rijnsburg


dieser Artikel ist ebenfalls erschienen in Ausgabe 03/2018 der Zeitschrift CAMPING des DCC

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