Biotopia-Naturkundemuseum Bayern

Architektur des Biotopia-Naturkundemuseums Bayern

baustelle-0156.gif von 123gif.deDas Büro Staab Architekten stellte am 18.9.17 in München die ersten abgestimmten Entwürfe für das BIOTOPIA-Naturkundemuseum Bayern der Öffentlichkeit vor. Neben der Präzisierung der Nutzerwünsche wurden die Vorgaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in die Planung integriert. Der geplante Neubau lehnt sich behutsam an das historische Schlossensemble in Nymphenburg an und ist gleichzeitig als moderner Museumsbau zu erkennen.

Die Architekten knüpfen an die Visionen von Hofbaumeister Joseph Effner (1687-1745) an, der um 1715 einen Gesamtplan für Schloss Nymphenburg entwarf. Dieser legte mit dem Bau der äußeren Erweiterungen einen Höhensprung zwischen den Gebäuden der Schlossanlage und den daran anschließenden, dienenden Gebäudeteilen fest. Auch differenzierte er die Fassaden der beiden Gebäudeteile in Farbe und Detaillierungsgrad: die Gebäude der Schlossanlage wurden mit aufwändigen Fassaden- und Putzstrukturen in graublau und weiß versehen, während die Nebengebäude eher schmucklose, weiß gekalkte Putzfassaden mit leicht strukturierten, gelben Putzfaschen erhielten. Entsprechend dem südlichen Pendant in der Schlossanlage, dem Schwaigebau, greift der Neubau den historisch vorgesehenen Höhensprung auf und übernimmt die äußeren Abmessungen und die First- und Traufkanten seines Vorgängerbaus.

Dem äußeren Erscheinungsbild des Museums kommt für die Einbindung in das historische Schlossensemble besondere Bedeutung zu: Die Fassade stellt einerseits sicher, dass sich der Neubau harmonisch mit dem einzigartigen Barockensemble des Nymphenburger Schlosses verbindet, andererseits hat sie die Aufgabe, das Gebäude nach außen hin als überregional bedeutendes Museum sichtbar zu machen und zum Besuch anzuregen.

Staab Architekten greifen die Gliederung und die Farbigkeit der historischen Nebengebäude auf und übersetzen sie in eine zeitgemäße, mit dem Schlossensemble harmonierende Fassade. Die innere Organisation des Museums ermöglicht großzügige Fensteröffnungen im Erdgeschoss. Diese gliedern die Fassade rhythmisch und sind in Anlehnung an die historischen Putzfaschen farbig eingefasst. Auch die mineralische Keramikdeckung des Daches wird auf die benachbarten Dachflächen des Schlosses abgestimmt. Im Innenhof nutzen die Architekten die Möglichkeit, die Museumsnutzung mit einer großzügigen Verglasung stärker in den Vordergrund treten zu lassen.

Die öffentliche Zugänglichkeit der Schlosshöfe wird mit dem Neubau des Naturkundemuseums gestärkt. Zwei Torbögen an den Schmalseiten des Museumshofs greifen ein vorhandenes Motiv der Schlossanlage auf und ermöglichen den Durchgang von der Maria-Ward-Straße zum Botanischen Garten. Diese Durchlässigkeit kann zukünftig auch für eine stärkere Verbindung der Sehenswürdigkeiten Schloss, Naturkundemuseum und Botanischer Garten genutzt werden. Im Innenhof liegt der Haupteingang zum Museum. Der Hof ist zugleich Vor- und Außenbereich des Museums, in dem dieses Anreize setzen kann, und in dem auch ein geeigneter Ort für ein Café entsteht.

Der Rückblick

Den Wunsch nach einer Erweiterung des Museums Mensch und Natur gibt es seit dessen Eröffnung im Jahr 1990. Eine Erweiterung am aktuellen Standort wurde aber erst durch den Umzug der LMU-Institute möglich. 2008 wurde ein erster Bauantrag an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt, der noch zweimal überarbeitet und schließlich 2012 genehmigt wurde. In der Folge wurde ein Architekturwettbewerb ausgelobt, den 2014 das renommierte Büro Staab Architekten aus Berlin gewonnen hat. Der Wettbewerb wurde durch den Freistaat Bayern in enger Abstimmung mit der Landeshauptstadt München und unter Einbindung des zuständigen Bezirksausschusses durchgeführt. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen haben die Belange der Denkmalpflege in das Wettbewerbsverfahren eingebracht. Das neue Gebäude wird das aus der Nachkriegszeit (1960/70er Jahre) stammende, ehemalige Lehrstuhl- und Laborgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München, in dem ein modernes Naturkundemuseum nicht realisierbar ist, ersetzen. So wird in den kommenden Jahren das heutige Museum Mensch und Natur am Nymphenburger Schloss in München umfassend erweitert und als „BIOTOPIA–Naturkundemuseum Bayern“ mit einer weltweit einzigartigen Neukonzeption wiedereröffnet.

Das neue Museum wird eine Gesamtfläche von rund 12.800 qm haben. Der weitere Planungsprozess wird etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen, bevor mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Das Büro Staab Architekten hat deutschlandweit Projekte wie den Neubau des Richard Wagner Museums in Bayreuth, für das das Büro 2017 mit dem Bayerischen Staatspreis »Bauen im Bestand« ausgezeichnet wurde, oder das Museum der Bayerischen Könige in Hohenschwangau realisiert, die für eine gelungene Einbettung neuer Architektur in bestehende historische Ensembles stehen.

Fazit

Die Menschen vor Ort, die Behörden, die Experten und die Projektverantwortlichen eint bei der Gestaltung ein gemeinsames Ziel: Das großartige Ensemble des Nymphenburger Schlosses und das an die Schlossanlage angrenzende neue Museum sollen sich auch unter architekturästhetischen Gesichtspunkten gegenseitig befruchten und gemeinsam ein attraktives harmonisches Bild abgeben, das auf eine breite Zustimmung bei der Bevölkerung trifft. Die Gestalter setzen sich daher sehr intensiv mit den Gedanken und Wünschen der Bürger auseinander. Im Rahmen des Planungsprozesses finden verschiedene öffentliche Informationsveranstaltungen statt, die schon heute die Vision von BIOTOPIA zum Leben erwecken. In den kommenden Jahren sind Veranstaltungen und Festivals geplant, sodass während der Bauzeit „kein Tag ohne Museum“ vergehen wird.

Der aktuelle Stand der Vorplanung wird am 18.09.2017 allen Interessierten, von den Anwohnern bis hin zu den politischen Vertretern, im Hubertussaal in München im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung mit dem Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg vorgestellt.

Zitat Michael John Gorman, BIOTOPIA-Gründungsdirektor: „BIOTOPIA wird junge Menschen wieder verstärkt an die natürliche Umwelt heranführen. Dies kann an dem einzigartigen Ort zwischen Schloss Nymphenburg, Schlosspark und Botanischem Garten stattfinden. In einer Architektur, für die Volker Staab genau den richtigen Weg geht, um eine behutsame Integration in das historische Schlossensemble zu gewährleisten.“

BIOTOPIA – Naturkundemuseum Bayern
Maria-Ward-Str. 1a
80638 München

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