Buch: Tierschutz mit Messer…

Spurbuchverlag
Andrea Flemmer

Tierschutz mit Messer und Gabel

286 S., 29,80 €, gebunden. ISBN 978-3-88778-456-0

„Bei dem Wort ‚Tierschutz‘ denken viele zunächst an geschlachtete Robbenbabys, geprügelte Hunde oder aussterbende sibirische Tiger. Dabei liegt Tierschutz viel, viel näher. Er fängt nämlich auf dem eigenen Teller an. Doch in der Realität hört für die überwiegende Mehrheit der Tierschutz dort auf.“

So die Star-Köchin Sarah Wiener in ihrem Vorwort zum vorliegenden Buch, in dem die Sachbuchautorin Andrea Flemmer die Realität der Nutztierhaltung in Deutschland zeigt. Die promovierte Diplom-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin, die bereits mehrere Ratgeber zu Medizin, alternativen Therapien und Ernährung geschrieben hat, geht in diesem Buch auf ein Thema ein, das uns alle angeht, nämlich Tierschutz, und zwar durch bewussten Umgang mit tierischen Lebensmitteln. Sie schildert darin die Auswüchse der Massentierhaltung in allen Facetten, zeigt aber auch Alternativen zu brutalen Praktiken wie beispielsweise Schreddern von Küken, Enthornung von Rindern oder die Trennung von Kalb und Mutterkuh. Dabei geht es ihr nicht um den völligen Verzicht auf Fleisch, vielmehr darum, zu zeigen, dass Fleisch und tierische Produkte sehr wohl unter tierfreundlichen Bedingungen erzeugt werden können. Dazu führt sie diverse Beispiele für alternative, dem Tierwohl verpflichtete Haltung an, nennt die Anbieter von Fleisch und Milchprodukten aus artgerechter Tierhaltung und erklärt die Prüfsiegel der Tierschutzverbände. Neben den Alternativen aus Deutschland werden auch solche aus Österreich, der Schweiz und weiteren Ländern vorgestellt. 

Tiermast erfolgt heute in geradezu atemberaubendem Tempo. Das ist nur unter qualvollen Bedingungen möglich. Keine Tierart bleibt da verschont. Die drastische Schilderung gängiger Massentierhaltung macht deutlich, wie weit diese von artgerechter Haltung entfernt ist. Unbegreiflich, – nicht nur für Andrea Flemmer – dass Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz verankert ist und dennoch so erschreckend wenig Anwendung findet. Es ist sicher vielen bekannt, unter welchen Bedingungen diese ‚Nutz‘-Tiere leben – und schließlich auch sterben. Zwar gilt immer noch, dass die meisten Verbraucher bei Lebensmitteln in erster Linie auf den Preis achten, doch Berichte über die katastrophalen Zustände in der Massentierhaltung führen zunehmend zu einem Umdenken. Außer Mitleid mit der gequälten Kreatur braucht es dafür aber auch konkretes Wissen. Dazu bedarf es Aufklärung. Andrea Flemmer liefert sie mit ihrem Buch und belässt es nicht bei der Beschreibung größtenteils unhaltbarer Zustände, sondern zeigt, wie – und dass – es auch anders geht.

Darüber hinaus informiert sie aber auch über die fatalen Folgen dieser Massen-tierhaltung für die Menschen: Derart erzeugte Nahrungsmittel sind von minderer Qualität, denn sie enthalten weniger gesunde Inhaltsstoffe als die aus artgerechter Haltung und können sogar der Gesundheit schaden: Zwangsläufig hoher Einsatz von Antibiotika führt zu den bekannten Resistenzen und ihren katastrophalen Folgen. Und über Gülle und Abluft der industriellen Tierhaltung gelangen Keime auch auf die Felder.

Mediziner wie auch Ernährungsexperten empfehlen ohnehin, den allgemein viel zu hohen Fleischkonsum einzuschränken. – Das Weniger an Konsum kompensiert dann das Mehr beim Preis für artgerecht erzeugte tierische Lebensmittel.

Wer sich nicht unbedingt vegetarisch ernähren möchte, wohl aber Wert auf tierische Lebensmittel aus artgerechter Haltung legt, bekommt mit diesem Buch eine ergiebige Informationsquelle und nützliche Einkaufshilfe an die Hand.

Der Fleischkonsum in den Industrieländern ist enorm. Mit 10 Prozent weniger könnte rein rechnerisch der Welthunger besiegt werden.

Die Produktion von jedem Kilo Fleisch verbraucht enorme Mengen Wasser, Land und Futtermittel, die anderswo für die Ernährung der dortigen Bevölkerung fehlen.

1094 Tiere isst im Durchschnitt allein jeder Deutsche im Jahr. Wie sie gelebt – und gelitten – haben, danach fragen nur wenige Verbraucher. „Wenn alle Deutschen an einem Tag in der Woche fleischlos essen würden, müssten jährlich 140 Millionen Tiere weniger geschlachtet werden“. – Welch grandioser Tierschutz mit Messer und Gabel.

Das wäre aber sicher nicht im Sinne der Profiteure der Branche. – die Großkonzerne der Fleischwirtschaft, welche enorme Subventionen aus Bundeshaushalt und EU erhalten – je größer der Betrieb, desto mehr.  (Ursula Süß-Loof, M.A.)

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