Tollwood – artgerecht

Doppelte Rolle rückwärts:
menschen-0207.gif von 123gif.deMünchens Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft schwächt Bio-Kriterien für das Oktoberfest, die Auer Dulten und den Christkindlmarkt.

MÜNCHEN. NEIN ZUM RÜCKSCHRITT FÜR BIO. Der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft plant am Dienstag, den 5. Juli die „Anpassung der Bewertungssysteme für das Oktoberfest, die Auer Dulten und den Christkindlmarkt“. Der Beschlussvorlage ist zu entnehmen, dass die vergleichsweise ohnehin schon gering gewichtete Bewertung des Einsatzes von Bio-Produkten auf dem Oktoberfest, den Auer Dulten und dem Christkindlmarkt noch einmal entscheidend geschwächt werden soll: Bio-Produkte sollen in der Bewertung konventionellen Produkten aus Bayern gleichgestellt werden – ein Skandal vor dem Hintergrund des rasanten Ausbaus der industriellen Intensivtierhaltung in Bayern. Zudem werden die erreichten Öko-Punkte nur noch einfach, statt wie bisher zweifach gewertet.

Bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses Artgerechtes München und den Tollwood-Veranstaltern löst die Beschlussvorlage Entsetzen aus. Denn deutlich mehr Bio auf öffentlichen Großveranstaltungen ist gewollt, machbar und finanzierbar: Das zeigen die starken und in ihrer Anzahl eindrucksvollen Stimmen der MünchnerInnen für ein „artgerechtes München“, unabhängige Gutachten – und das „langjährige Pilotprojekt Tollwood“. Mehr Bio auf Großveranstaltungen, bei denen die Stadt Hausherrin ist, ist vor diesem Hintergrund längst nicht mehr eine Frage der Machbarkeit oder Finanzierbarkeit, sondern des politischen Willens.
Stephanie Weigel vom Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ und Umweltleiterin von Tollwood: „Dieser Vorstoß des Referates für Arbeit und Wirtschaft ist eine doppelte Rolle rückwärts und katapultiert Bio-Lebensmittel auf den Münchner Großveranstaltungen wieder völlig ins Abseits. Das ist nicht hinnehmbar – und auch nicht nachvollziehbar vor dem Hintergrund der aktuellen stadtpolitischen Debatte, die für alle anderen Wirkungsbereiche der Stadt eine positive Entwicklung erhoffen lässt “

Aktionsbündnis „Artgerechtes München“
Das Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ wurde im Mai 2015 vom Tollwood Festival initiiert. Ziel des Bündnisses ist, dass sich die Landeshauptstadt München per Stadtratsbeschluss dazu verpflichtet, in ihrem Wirkungskreis zukünftig nur noch Produkte einzusetzen bzw. zuzulassen, die nachweislich aus artgerechter Tierhaltung stammen: Dies beträfe alle städtischen Kantinen, alle städtischen Einrichtungen – Krankenhäuser, Kultureinrichtungen etc. – alle städtischen Empfänge sowie öffentliche Veranstaltungen, bei denen die Stadt München Hausherrin ist, z. B. das Stadtgründungsfest, die Auer Dulten, den Christkindlmarkt und das Oktoberfest.

Aktuell zählt das Bündnis über 31.000 Unterstützer. Sie alle engagieren sich dafür, dass die Landeshauptstadt München in ihrem Wirkungskreis nur noch Produkte aus artgerechter Tierhaltung zulässt. Bereits im September 2014 ergab eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid, dass 85 Prozent der Münchnerinnen und Münchner eine Landeshauptstadt wünschen, die auf Produkte aus artgerechter Haltung setzt und auch bereit wären, den Mehrpreis dafür zu bezahlen. Dass dies bezahlbar ist, zeigt ein unabhängiges Gutachten von a’verdis. Es kommt zu dem Schluss, dass die Mehrkosten für den Einsatz von Produkten aus artgerechter Haltung im Kinderbetreuungs- und Kantinenbereich unter zehn Prozent liegen würden, bei Empfängen und Großveranstaltungen zwischen zehn und 20 Prozent.

Unterstützung erfährt das Aktionsbündnis von allen Seiten: Unternehmen wie die Hofpfisterei und Münchner Kindl Senf, Verbände wie die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e. V., Slow Food München, der Seniorenbeirat München oder PROVIEH, sind ebenso dabei wie KünstlerInnen, MedizinerInnen und WissenschaftlerInnen, der Münchner Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, Karl Ludwig Schweisfurth oder Konstantin Wecker. Mitmachen beim Aktionsbündnis „Artgerechtes München“ kann jeder.

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