Reise: Île d’Oléron

IdO_SalinenÎle d’Oléron

Leben im Rhythmus der Gezeiten.
Mimosen, Austern und viel Meer

Es ist September und ich bin wieder unterwegs zu einer Insel. Dieses Mal zur Île d’Oléron, Region Poitou-Charentes, Departement Charente-Maritime. Die größte Atlantikinsel Frankreichs im unteren Westen ist ein Schmuckstück im Charente-Quartett neben den Inseln Madame, d’Aix und de Ré.

Die Île d’Oléron ist unterteilt in 2 Kantone (Saint-Pierre-d’Oléron und Le Château-d’Oléron) und 8 Kommunen (La Brée-les Bains, Le Château-d’O, Dolus-d’O, Le Grand-Village-Plage, Saint-Denis-d’O, Saint-Georges-d’O, Saint-Pierre-d’O, Saint-Trojan-les-Bains) Inselhauptstadt ist das quirlige Saint Pierre.

Ein ideales Ziel für Freunde kleiner Entfernungen mit großem Kino, für Ruhesuchende, Kreative, Naturfreaks, Feinschmecker. Mehr als 80 Campingplätze (wo zwei Drittel der Übernachtungen stattfinden) und halb so viele Hotels erfüllen ein breites Wunschspektrum. Viele Einrichtungen liegen in nächster Nähe feinsandiger Dünen und weitläufiger Badestrände. Viele Campingplätze überbrücken die Ebbephasen mit großen Poollandschaften.


Brücke ins Urlaubs-Paradies… 

So klein die Île d’Oléron ist (ca. 34 km lang und 4-12 km breit und flach wie eine Flunder) so groß ist meine Begeisterung für diesen „Minikontinent“ mit Maxiqualitäten. Liebe auf den ersten Blick, oder wie es die Franzosen so treffend nennen: Le coup de foudre – mich trifft der Blitzschlag, als das „Viaduc d’Oléron“ vor mir auftaucht, die circa 3 km lange über 48 Säulen elegant den Atlantik überspannende Brücke vom Festland auf die Insel und beim Überqueren derselben das vom Meer eingeschlossene Fort Louvois in der untergehenden Sonne….Langsam durch die hereinbrechende Nacht fahrend, eine die tatsächlich noch dunkel ist, erreiche ich nach einigen Irrfahrten den Platz. Ich hatte das GPS nur mit der übergeordneten Ortsangabe gefüttert und nicht bedacht habe, dass „Saint George d’Oléron“ einmal quer über die Insel verläuft, wo es mich denn auch hinführen wollte…

Mein erster Stützpunkt für 2 Nächte ist ein „Châlet“ in Camping Airotel Les Gros Joncs & SPA, Les Sables Vignier (22.3.-11.11./Deutschsprachig am Empfang)

Am Dienstag Morgen, nach einer unendlich stillen Nacht am Atlantik, laufe ich bei kühler Morgensonne barfuß auf weißem Sand durch hügelige, bewachsene Dünen. Nach 5 Minuten liegt das Meer vor mir oder besser gesagt seine Ebbe-Science-Fiction-Landschaft mit felsigem Grund. Der Gros Joncs vorgelagerte Strand verspricht auch bei Flut kein echtes Schwimmvergnügen aber der Badestrand von Les Sables Vignier liegt fußläufig nur 10 Minuten entfernt. Claude Cavel hat den Platz vor über 50 Jahren gegründet und sein Angebot kontinuierlich erweitert. Zu Restaurant und Einkaufsmöglichkeiten wird ein großer Innen- und Außenpool geboten. Außerdem Seminarräume und ganzjährig ein inselweit genutztes SPA. Der Platz wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. für Behindertentauglichkeit.

Tourismus und Behinderung ist in Charente-Maritime schon lange ein wichtiges Thema. Behindertengerechte Umgebungen sind entsprechend markiert (Motorisch, Mental, Taub, Blind). Seit einigen Jahren bemüht man sich, auch Strände für Behinderte leichter zugänglich zu machen.

Unweit von Gros Joncs liegt Camping Le Suroit in L’Ileau  (29.3.-27.9.) geführt von den Deutsch-/Französischsprachigen Geschwistern Valerie und Patrick Seyffart deren ostfriesischer Vater der Liebe wegen hier gestrandet ist. Seit der französische Großvater den Platz vor 52 Jahren gegründet hat, ist er Familienbetrieb geblieben und Valeries Kinder helfen in den Ferien auch schon mal spielerisch mit. Riesenrutsche, Poollandschaft, kunterbunte Kunst und fröhliches Ambiente wirkt einladend und eine hübsche Hundedusche lässt ahnen, dass auch umgängliche Vierbeiner gern gesehene Gäste sind. Unter dem hohem Baumbestand spielt sich vorwiegend Camping im ursprünglichen Sinne ab: nur wenige Mobil Homes, mobile Wohnheime stehen nahe den Dünen und dem Strand, wo man bei Flut Schwimmen bei Ebbe chillen kann. Laut Kennern und Konkurrenten aus der Umgebung hat das Platz-Restaurant Le Coq quasi Sterne-Küche zu bieten, auch zum Mitnehmen und während der Saison findet jeden Mittwoch das inselweit beliebte „Festival der Meeresfrüchte“ statt. Das ist mir leider ausgekommen.

Wer sich’s in dieser Gegend lieber in einem Hotel gemütlich macht: Hôtel de la Petite Plage in Domino, geführt von Annabelle Borderie mit dem Restaurant Le Grain de Sable, wo Lebensgefährte Fabrice Roux den Kochlöffel schwingt, wirkt sehr einladend. Das Etablissement direkt am Strand, mit Wasserhahn-Leuchten über den Betten der winzigen, individuell gestalteten Zimmer, erinnert mich an Jacques Tatis genialen Film: „Die Ferien des Monsieur Hulot“.

 

Unverdorbene Natur allerorten

Cécile Chartier, von Marennes Oléron Tourismus begleitet mich ein Weilchen und vermittelt mir Wissenswertes über ihre Heimat.  Circa 15% der Insel sind mit Wäldern bedeckt, wobei die größten in Saumonards im Nordosten, in Domino im Nordwesten und in Saint Trojan les Bains im Süden liegen. In den Waldgebieten aus vorwiegend Pinien und Steineichen kann man Reiten, Wandern und Radfahren. Die Insel ist mit über 100 km gut ausgeschilderten Wander- und Radwegen ausgestattet. Verliehen werden die Stahlrösser in jedem größeren Ort und auf vielen Campingplätzen. Hier gibt es die Interaktive Straßenkarte zum Herunterladen

In Saint Trojan findet seit 55 Jahren im Februar das farbenfrohe Mimosenfest statt, dem die Insel einen seiner Beinamen verdankt. Dann geht hier die blumige Post ab, mit Umzügen, Festen und mehr. In der Nähe, direkt am Meer, liegt u.a. das gut besuchte Hotel Albatros das bis 1. November geöffnet hat. Im nahen Port des Salines-Freiluftmuseum (Le Grand Village Plage) kann man sich auf die Spuren des weißen Goldes machen, da wo der Palettier bzw. Salzgärtner mit dem Holzrechen die Salzblüte erntet, die Fleur de Sel, seit Jahren aus den Gourmetküchen der Welt nicht mehr wegzudenken. Die meisten Salinen Olérons sind aber längst der Austernzucht gewichen.

Die gut geschützte Flora und Fauna sorgt immer wieder für Überraschungen. Auf meinen Touren lassen mich aufflatternde Vögel oft überlegen, um welchen Typ es sich handeln könnte und ich komme selten drauf.

Noch mehr als die gefiederten Kreaturen inspirieren mich kraftstrotzende Austernzüchter, die meinen Naturbetrachtungen einen weiteren animalischen Aspekt hinzufügen. Salz auf unserer Haut, von der franz. Schriftstellerin Benoîte Groult fällt mir ein und beflügelt die Phantasie. (Oups: hoffentlich werde ich jetzt nicht wegen „männerfeindlicher Bemerkung“ abgemahnt. Aber Männer sehen das erfahrungsgemäß nicht so eng – ich schöpfe diesbezüglich aus dem Erfahrungsschatz mit 7 Brüdern.) 

 

Meeresfrüchte, Wein und Strände

Noch bin ich in der Kommune Saint-Georges d’Oléron unterwegs, die sich auf 4700 ha zwischen Ost- und Westküste erstreckt und unterschiedliche Vegetation sowie ca. 16 km Küste bzw. Strand bietet. Wein war neben dem Salzhandel wichtigste Einnahmequelle, bis die gemeine Reblaus vernichtend zugeschlagen hat. Heute gibt es nur noch ein gutes Dutzend Winzer, die weit weniger als 1000 ha Land bestellen, vorwiegend hier im nördlichen Teil der Insel wo sich auch die einzige verbliebene Winzergenossenschaft befindet (Saint Georges d’Oléron). Herkunftsbezeichnung der feinen Tropfen: „Vin de pays charentais – Ile d’Oléron“. Als besondere Spezialität gilt der eichenfassgereifte, süß-fruchtige Pineau, den ich auch zu köstlichem Meeresgetier mag. Das ganze Angebot schmeckt mir direkt bei den Züchtern, an einfachen Tischen mit Blick aufs Gewässer am allerbesten. Auch Fleischfreunde und Vegetarier kommen nicht zu kurz: Köstliches Rind und Lamm, ökologische Salamis, feinste Gemüse wie die Artischocke, sogar Gewürze wie Safran und leckerste Käsesorten: alles ist auf Märkten und in Geschäften zu bekommen. Wer sich auf Bio-Farmen nachhaltig eindecken möchte, hier eine Farmadresse

15% mehr Sonnenstunden als auf dem Festland wurden für die Insel errechnet. Eine gute Möglichkeit, diese zu nutzen sind die vielen Strände unterschiedlichster Art – derzeit 9 mit der blauen Flagge für Sauberkeit. Großes Inselplus: man kann sich frühmorgens die Windverhältnisse anschauen und dann zum Strand der Wahl fahren, je nachdem Geschmack eher familien-/kindgerecht oder halsbrecherisch sportlich.

Lieblingsstrand vieler Urlauber ist La Grande Plage, vor der Forêt de Saint Trojan. Hier sind Hunde bei Strafandrohung tabu, aber es gibt viele Strände, wo man sie – bei entsprechendem Verhalten – willkommen heißt. Am „Großen Strand“ kann man zwar auch bei Ebbe baden, da es aber Priele (Baînes) und hohe Wellen gibt (beides am Atlantik nicht zu unterschätzen) ist leichtsinniges Hinausschwimmen und -laufen lebensgefährlich!

Das bei Ebbe wie ein Kunstwerk herausragende Wrack eines gestrandeten Schiffes erinnert mich an die berühmte Aliénor d’Aquitaine, die lange Zeit auf der Insel „interniert“ war und im Jahr 1200 hier die Rôles d’Oléron erlassen hat. Dieser französische Seerechtskodex hielt erstmals Rechte und Pflichten der See- und Handelsleute schriftlich fest. Wenn nämlich seinerzeit die Inselvorräte knapp wurden soll an der Côte Sauvage (wilde Küste) Schiffen schon mal beim Schiffbruch nachgeholfen worden sein. Die Ladung wurde dann gebunkert und die Besatzung gnadenlos entsorgt.

Ich bin nicht sicher, ob das Inselbier: Bier der Schiffbrüchigen, sich hier eine gewisse Inspiration geholt hat…

 

Lecker essen zu akzeptablen Preisen

Mein abendlicher Speise-Plan sieht heute La Pigouille in La Cotinière vor, in der Kommune Saint Pierre d’Oléron. Da es nur 5 km von meiner Bleibe Gros Joncs entfernt liegt ist es gut mit der „kleinen Königin“ machbar, wie die Franzosen den Drahtesel gern nennen. Ein Orientierungsbummel durch den berühmten Hafen von La Cotinière vorneweg, dann der erste kulinarische Höhepunkt meines Aufenthalts in einem von außen völlig unauffällig wirkenden Restaurant, das im Interieur eine überaus appetitliche Markt-Atmosphäre bietet. Die Meeresfrüchte und deren Präsentation ist ein Genuss, das Preis-Leistungsverhältnis bestens.

Die Tische stehen so nahe beieinander, dass man leicht mit den Nachbarn ins Gespräch kommt. Meine unmittelbaren sind ein Paar mittleren Alters aus der Dordogne. Nach kürzester Zeit weiß ich, durch von Glas zu Glas Landwein erhitzter werdende Diskussion mit mir, dass der einzige Sohn mit einer Engländerin verheiratet ist und dass die Engländer das Allerletzte überhaupt sind: Null Kultur, Freundlichkeit oder irgend etwas Positives. „Barbaren“ seien sie… Oups. Der mit weniger emotionalen Bildungsbürgern besetzte 4-er-Tisch hinter mir klinkt sich ein und relativiert das Ganze ein bisschen. Letztendlich landen wir zu siebt beim vereinten Europa, das sich allerdings auch bald als Reizthema entpuppt…

Nach diesem trefflichen Abendmahl mit bester Unterhaltung fühle ich mich, beim glucksenden Quietschen authentischer Fischerboote am Hafen von La Cotinière, in eine Zeit versetzt, da noch niemand vom Leerfischen der Meere gesprochen hat und mir die Welt – Dank erholsamen Mangels an Information – angenehm „unglobal“ vorkam… Der Rosé beflügelt die Pedale und alsbald falle ich in einen tiefen, erholsamen Schlaf und träume von Engländern, genauer gesagt von der genialen Komikertruppe Mounty Python

 

Ans Ende der Welt und weiter

Einpacken, Auschecken von Gros Joncs und ab geht’s am heutigen Mittwoch zum grade mal 15 km entfernten „Ende der Welt“. So nennen die Einheimischen die Pointe de Chassiron am nördlichsten Punkt der Insel, wo sich schwarzweiß gestreift und eindrucksvoll der gleichnamige Leuchtturm erhebt. Nach Bezwingen der 224 Stufen liegt mir die gefährliche Felsküste zu Füßen und in Sichtweite die Île de Ré. Von Saint Denis aus wird sie per Boot angefahren. Ebenso Île d’Aix mit Napoleons Haus und Fort Boyard, das man nur umschiffen, nicht betreten darf. Dieses „steinerne Schlachtschiff“ (68 m l, 31 m breit, 20 m hoch) war früher Militärgefängnis. Seit 1990 herrscht dort ein anderer, wenngleich nicht weniger scharfer Befehlston: die TV-Mutprobe-Spielshow „Fort Boyard“, die erfolgreich international vermarktet wird, hält sich heute hartnäckiger als einst mancher Gefange.

Im Yachthafen von Saint Denis d’Oléron, nur ein paar Autominuten entfernt, kehre ich im Bistro du Port von Jacky und Julien Piquet ein, um etwas von den leckeren Snacks zu vernaschen: Galettes de Sarrazin, Muscheln, Fisch. Und das Ganze mitten in mediterranem Ambiente mit Blick über die Bootsarmada aufs weite Meer. Ein Interesse des jüngsten Familienmitglieds Paul, später einmal den Betrieb weiterzuführen, lässt sich noch nicht wirklich erkennen.

Unweit von hier liegt der vor Westwinden geschützte Sandstrand La Boirie mit bunten Strandkabinen – ein beliebtes Postkartenmotiv. Er ist für familiäre Badefreuden und zum sportlichen Segeln gleichermaßen geeignet. Camping Municipal liegt ganz in der Nähe direkt am Strand, wo noch eines der geschichtsträchtigen „Blockhäuser“ aus dem Sand ragt. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg war die Île d’Oléron Teil des Atlantikwalls.

Weitere Fragmente des Schreckens befinden sich noch heute an einigen Stränden und Dünen: z.B. in St Pierre, Le Chateau, La Cotinière, Pte de Chassiron …

 

Unterwegs Richtung Süden

…und zu meinem nächsten 2-Nächte-Domizil an der Austernstraße. Ich suche rasch Camping des Huttes von Lionel und Sylvie Gendreau auf (1.4.-15.11./205 Plätze auf 4 ha mit viel Baumbestand). Pool und Restaurant sind vorhanden, Hunde willkommen. Supermarkt 2 km entfernt. 300 m zum nächsten Strand: 5 km feiner Sandstrand an der „Wilden Küste“ Côte Sauvage bekannt für Surfvergnügen aller Art. Auf dem Weg zum Ortsende von Huttes liegen noch weitere Campingplätze – zu viele, um alle aufzusuchen. Das malerische Chaucre mit den weißgetünchten Häuschen und bunten Stockrosen, die überall auf der Insel anzutreffen sind, ist schnell durchfahren. Auf Dominos (Saint Georges) großem Marktplatz mit properen Markthäuschen kaufe mit großer Vorfreude einen cremigen Ziegenkäse. Die zähe Beschaffenheit des mitgekauften Baguettes, bringt den überaus leckeren Käse fast um. Das alles könnte ich mit etwas Rotwein ganz gut neutralisieren, aber das geht ja während des Autofahrens nicht (0-Promille erlaubt!).

Auch die lebendige Inselhauptstadt Saint Pierre d’Oléron liegt quasi auf dem Weg. Ich strolche dort ein wenig herum, „schlecke Schaufenster ab“, lécher les vitrines. Der größte Ort und Verwaltungszentrum der Insel ist mit einem Hypermarché LeClerc auch auf Großeinkäufer eingerichtet. Gewohnheitstiere aus Deutschland, woher viele Besucher kommen, finden hier ihren Lidl. Das Insel-Museum vermittelt tiefe Einblicke in die Inselseele, während die romanische, weithin sichtbare Laterne der Toten aus dem 7. Jh, um die herum früher der Friedhof lag, die Verbindung zu den Seelen der Verblichenen aufrecht erhielt. Der vielgereiste Schriftsteller und Seemann Pierre Loti aus Rochefort (heute international wenig beachtet, aber im 19. Jh einer der meistgelesenen Autoren) hat viel Zeit bei Verwandten in Saint Pierre d’Olèron verbracht. Das Haus steht zwar noch, ist aber nicht zu besichtigen.

Sogar Golferseelen wurden bedacht: sie können sich zumindest auf einem Neun-Loch-Platz ausstoben. Besser als nichts.

Eine herrliche Fahrt zwischen den Kommunen Saint Pierre und Dolus, entlang alter Salztümpel, liegt auch das riesige Vogelparadies: Le Marais aux Oiseaux, das 2013 30. Geburtstag gefeiert hat. Ich darf mich aber jetzt nicht von Vögeln irgendwelcher Art ablenken lassen, da große Werbeschilder im Vorfeld von Campingplätzen nicht erlaubt sind, und ich den versteckt liegenden Camping Indigo Les Chênes Verts in Dolus d’Oléron (27.5.-29.9.) suche, ist jetzt doppelte Aufmerksamkeit angesagt. Und voilà, am Ende einer Stichstraße rechterhand finde ich ihn (aber nur Dank GPS!).

Der junge Geschäftsführer Silvio Alves führt mich durch das staatliche, wildromantische Waldgebiet auf dem ursprüngliches Camping in Natur pur praktiziert wird: Große Toile & Bois-Zelte für bis zu 6 Personen sind perfekt in das hügelige Eichenwald-Gelände integriert. Es gibt kaum Mobilheime. Das Richtige für eingefleischte Zelt-Natur-Freaks. Auf dem Waldspielplatz und andernorts werden für Kinder Sommerprogramme mit  spielerischem Naturkundeunterricht angeboten. Einfache Verpflegung bekommt man im Café-Restaurant.

 

An der Austernstraße

Zwischen Boyardville und le Château-d’Oleron kommt eine wildromantische Küstenetappe ganz nach meinem Geschmack: die Austernstraße, la route des huîtres. Auch auf die Gefahr hin, dass ich platze: hier muss ich direkt vom Züchter eine Églade probieren. Einmalige Locations wie Michel Joyeau (Chenal d’Arceau) oder Chez Mamelou (Chenal de la Baudissière) liegen an der Straße. Ostréiculteure bieten im Direktverkauf Meeresfrüchte an. Muscheln sind ja leicht und ich nehme nur eine halbe der ansonsten riesigen Portionen. Diese typische Muschelzubereitung der Insel gehört zum Verkostungsmuss‘ (es sei denn, man hätte eine Meeresfrüchte-/Schalentiere-Allergie). Auf spezielle Art drapiert, mit Piniennadeln abgebrannt und zu Brot mit gesalzener Butter und Weißwein aus der Charente verspeist. Der Hammer!

(Kleiner Tipp: Falls Sie diesbezüglich Feuer gefangen haben und gern mal zu Hause Ihre Nachbarn nachhaltig verärgern und zudem eine Anzeige am Hals haben möchten: bereiten Sie eine unbedingt eine Eglade auf dem Balkon zu… Das Rezept am Ende des Artikels). Eclade

Port de la Baudissière

An der Austernstraße, kurz vor den Campingplätzen l’Ostréa und La Brande, haben sich die Fischerhütten des Port de la Baudissière in farbenfröhliche Künstlerhütten verwandelt: Bilder, Schmuck, Skulpturen und vieles mehr wird feilgeboten. Am liebsten würde ich gleich noch ein paar Austern schlürfen aber ich werde von den sympathischen Inhabern von Camping Ostréa, (Dolus d’Oléron, 29.3.-30.9.)/110 Plätze/Deutsch wird nicht gesprochen) Marie und Michel Kean zu einem opulenten Mittagessen erwartet. Es gibt Gäste aus Deutschland, die seit Jahren immer wiederkommen. Animation ist Französisch-Englisch, Spielplatz überdachter Swimmingpool sind groß, Supermarkt und Snackangebot klein. Am Grillplatz wurde extra für die Gäste ein reichhaltiges Kräuterbeet angelegt.

Auch mein nächstes Domizil liegt, nur 5 km weiter, direkt an der Austernstraße und nur 2,5 km von Le Château d’Oléron entfernt: Camping La Brande, (Le Château d’Oléron, 5.4.-11.11.), wo mir der freundliche Geschäftsführer mein gemütliches Châlet „La Fauvette“ zuweist. Auf der sympathischen, mehrfach ausgezeichneten Anlage ist vom türkischen Hamam über einen großen überdachten Pool und riesigen Spielplatz alles da. Die Nachhaltigkeit hat dem Platz bereits das l’Ecolabel Européen eingebracht und sein spürbares Qualitätsengagement wurde ebenfalls ausgezeichnet.

 

Le Château d’Oléron

Zur Stadterkundung nehme ich den Bummelzug (Erklärungen auf Französisch/35Min., 6 € mit Zitadelle). Die zu allen Zeiten eher nutzlose Festung wurde 1945, zwei Tage vor Kriegsende, bis auf einige gewaltige Mauern zerstört. Die alte Markthalle im Herzen der Stadt hält täglich außer Sonntag ihr Warenangebot feil. Lebendiges Marktleben findet übrigens in allen größeren Orten der Insel statt – oft mehrmals die Woche.

In jüngerer Zeit verwandelt sich ein Teil des Hafenbereichs zunehmend in eine farbenfrohe Künstlerkolonie. Die bunten Häuschen laden zum Flanieren und Konsumieren ein. Ein schönes Plätzchen ist das Restaurant les-Goélands, das der junge Gregory Lewron aus La Rochelle seit 3 Jahren führt. Beim Abendmenü zu 26 €, bestehend aus Lachstartar, Kabeljau und betrunkener Birne, ist köstlich und der Blick auch: über das Schiff „Rosa Illusion“ hinweg auf den größten Austernhafen der Insel, am Fuße der Zitadelle.

Eine gute Adresse ist auch: La Croix du Süd (Le port, Le Château d’Oléron) direkt im alten Hafen. Fred Lemoine bringt superfrische, hausgemachte Speisen, zu akzeptablen Preisen auf den Tisch. Das Restaurant mit großer Terrasse aus der mittig ein Olivenbaum durchs Dach wächst ist cool und vollgestopft mit Blickfängern. Tupperware nicht vergessen! Die leckeren Speisen kann man alle mit zum Campingplatz nehmen! Von hier aus hat man einen guten Blick auf das „Viaduct“ und Fort Louvois. Außerdem gibt es bei Ebbe einen ausgeschilderten Spaziergang auf dem Meeresgrund – das hat schon was…

 

Leben im Rhythmus der Gezeiten

Das Leben der Menschen im Takt von Ebbe und Flut fasziniert mich. Der Gezeitenkalender ist omnipräsent weil das regelmäßige Auf- und Untertauchen des Meeresbodens mit allen seinen Geheimnissen große Bedeutung für die Menschen hat. Beispielsweise der Bereich zwischen dem Hafen in Bourcefranc-Le-Chapus und Fort Louvois, das 1691-94 unter Ludwig XIV. entstanden ist und Teil des Befestigungsgürtels von Rochefort gegen die Engländer war.

In der Abenddämmerung bietet sich mir vom Hafen aus ein surreales Bild: Das von Wasser umschlossene Fort, links davon die Brücke zwischen Festland und Île d’Oléron (die ich bei der Überquerung in der entgegengesetzten Richtung nicht weniger beeindruckend fand) und davor undefinierbare Pfosten und sonstige Elemente die gespenstisch aus dem Meer ragen. Mit diesem Bild vor Augen schlafe ich ein – auf dem Campingplatz La Brande.

Was für ein Szenenwechsel, als ich tags darauf gegen 10h wieder am Hafen bin und bei herrlichem Septemberwetter beobachten darf, wie die Ebbe allmählich den Meeresboden bloßstellt. Das wogende Wasser um den 400m-Kopfsteinpflaster-Weg zwischen Hafen und Fort ebbt langsam ab und bald ist die Festung, von der aus man die Umgebung weitläufig besichtigen kann, zu Fuß erreichbar. Im Tower-Museum wird die Geschichte des Forts dargestellt. Bis 2013 war hier das Austernmuseum untergebracht, das in die Austernstadt in Marennes umgezogen ist.

Hektik auf dem Meeresboden

Beiderseits des Weges tauchen weitläufige Austernbänke auf, durch die jetzt Züchter und andere Arbeiter auf Traktoren und Lieferwägen herumsausen. Flache Austernboote schwärmen im seichte Küstenbereiche aus, um nach ihren Pfründen zu schauen. Eile ist geboten, denn in circa 4 Stunden kommt die Flut zurück – das ist sicherer als das Amen in der Kirche.

Jetzt sind auch wieder die autorisierten „Wilderer“ unterwegs, auf dem „Fischzug zu Fuß“, der „Peche à Pied“, bewaffnet mit Eimern, Plastiktüten, Hämmerchen und anderen Utensilien. Genau bestimmtes Meeresgetier darf mitgenommen werden. Eine phantastische Kulisse des Lebenstheaters, die man künstlich so gut nie erschaffen könnte, in matten bis leuchtenden Farbtönen aus dem Grün- bis Schwarzbereich. Die ebenfalls aufgetauchte, in Fragmenten noch existierende, frühere Landungsbrücke ergänzt die Szenerie hervorragend.

Nach 14 Uhr, als die Flut unerbittlich wieder alles in ihrem nassen Grab einschließt, ist für mich die Zeit reif, frische Austern im Hotel-Restaurant le Terminus zu schlürfen und über das Werden und Vergehen zu sinnieren, das plötzlich völlig normal erscheint.

 

Cité de l’Huître – die Stadt der Auster

Wenn man schon mal, wie jetzt mit dem Fort-Louis-Besuch, die Brücke und die Insel hinter sich gelassen hat, ist ein ausgiebiger Besuch in der Cité de l’Huître, der Stadt der Auster in Marennes angesagt. (Île d’Oléron und Marenne firmierte ohnehin gemeinsam). Hier erfährt man hautnah alles rund um die Auster: von der Zucht bis zur Kunst des Öffnens und am Ende präsentiert Küchenchef Fabrice Roral die Meeresfrucht auch einmal auf die heiße, überbackene Art. Direktorin Aline Pauwels, die selbst jahrelang Austernzüchterin war, was man dem grazilen Persönchen kaum zutraut, ist auch mit einem Ostréiculteur verheiratet. Ihren Kindern legt sie aber nicht unbedingt nahe, diese Berufstradition fortzusetzen: zu anstrengend und von den Arbeitszeiten her zu sozialunverträglich ist das Metier. Gut nachvollziehbar.

Das lange Heranwachsen der Austern

Auf der französischen Weihnachstafel sind Austern ein festes Bestandteil, auf das man auch hinspart. Bei internationalen Feinschmeckern stehen sie sowieso hoch im Kurs.  Die besten Austern wachsen an der Ostküste der Insel und die Aufzucht des Beckens von Marennes-Oléron deckt den Hauptanteil des französischen Austernbedarfs. Sie sind als einzige in ganz Frankreich mit „Label Rouge“ ausgezeichnet. Während der fünf Jahre, die eine Qualitätsauster vom Ansiedeln auf Zuchtstäben bis zur kulinarischen Reifeprüfung auf dem Teller braucht, wird die Perle der Meere (die hier allerding keine Perlen enthält) wie eine Prinzessin auf der Erbse gehegt und gepflegt. Kein Wunder, dass sie sich nicht leicht öffnen lassen will. In der Cité des Huitres werden u.a. Profiwettbewerbe veranstaltet, um die besten Austernöffner zu prämieren.

Beim Spaziergang durch Marennes bleibe ich wie angewurzelt vor der gigantischen Kirche St-Pierre de Sales (mit Stilelementen des 7., 14., 17. und 19. Jh.). stehen. Eine Größe, die man eher in Paris, Chartres oder Köln vermutet. die 289 Stufen in den Glockenturm garantieren einen phantastischen Panoramablick. Aber auch auf der Île d’Oléron gibt es große, außergewöhnliche Gotteshäuser: in Saint-Georges, in Dolus, Saint Denis, in Saint-Sornin…

Nach dem aufregenden Austern-Tag, in meiner letzten Nacht auf der Île d’Oléron, träume ich von einer weiblichen Auster, die sich auf dem Austernöffner-Wettbewerb minimal geöffnet hat, um den Eindringlingsaspiranten zu täuschen, ihm anschließend den Zeigefinger abzubeißen und sofort wieder zuzumachen. Mit ihrer Trophäe eilte sie unverzüglich zur Austern-Bank (eine der letzten, die nachweislich wasserdicht und mit garantiertem Schweigefaktor ausgestattet ist). Daraufhin wurde in der ganzen Charente eine hohe Belohnung ausgesetzt, für den Finder der Finger-Auster… Zum Zeitpunkt meines benommenen Erwachens, war man noch am Suchen…

 


Au Revoir Oléron, Bonjour Rochefort

Am Freitag muss ich die kleine artige und gleichzeitig so großartige Welt der Île d’Oléron verlassen, nicht ohne nach Überquerung der Brücke nochmal anzuhalten und den grandiosen Anblick nachhaltig in meinen grauen Zellen zu verankern (hat geklappt!).

Rochefort. Mein Zwischenstopp auf dem Weg nach La Rochelle ist nur 35 km entfernt. Die Stadt liegt zwischen Meer und Binnenland, 20 km vom Atlantik entfernt und doch durch den, viel Schlamm führenden Fluss Charente mit ihm verbunden…

Christine Lacaud, die Direktorin von Edition Kommunikation im Office Tourisme Rochefort Océan, die sehr schön gestaltetes Informationsmaterial mit viel Substanz über Rochefort und Umgebung verfasst bringt mir professionell auf die Schnelle ihre Stadt nahe. Angefangen hat alles mit der königlichen Seilmacherei, Corderie Royal, die im XVII. Jh mit 174 m Europas längste Fabrik war. Über eine leidvolle Entwicklung hinweg ist sie heute lokale Hauptattraktion mit vielen sehenswerten Segmenten. U.a. die Dauerausstellung: „Corderie et cordages, l’arsenal de Rochefort“ und wechselnde Ausstellungen sowie eine sehr bedeutsame Meeresbibliothek.

Sonnenkönig Ludwig XIV. (von dem mir aus Schulzeiten u.a. in Erinnerung geblieben ist: „Le Roi c’est moi“/der König bin ich – was mich immer schon an das königliche Bayerische: „Mir san mir“/wir sind wir erinnert hat) wollte einen maritimen Militärstützpunkt von Weltrang errichtet haben. 1666 hat sein Handlanger Colbert Rochefort Ort ausgewählt, der damals nicht mehr als ein Pünktchen am Meer war. Danach wurden hier 250 Jahre lang Galeeren, Fregatten und Segelschiffe ausgestattet und Rochefort galt als größtes Waffenlager Frankreichs. Ein bisschen ist die Stadt ist dieser Thematik treu geblieben. Beim Flanieren durch begegnet man häufiger feschen Uniformierten. Gendarmerie und Marine ist in großem Stil angesiedelt. Heute gilt Rochefort als kunsthistorische Hafenstadt, die einen klaren, weißen Charme ausstrahlt, der mich sehr anspricht. Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 7-12.30h findet in den Hallen und in der Avenue Charles de Gaulle ein bunter Markt mit Ständen kleiner Produkteure aus der ganzen Umgebung statt, der sich wunderbar in die alten Straßenzüge einfügt.

Weithin sichtbar ist der Pont transbordeur zur Überquerung der Charente zwischen Rochefort und Échillais, die gegen Gebühr zu bestimmten Zeiten nutzbar ist. Die Schwebefähre, ein Meisterwerk der Metallarchitektur, wurde 1900 durch Ferdinand Arnodin erbaut. Es ist die letzte ihrer Art in Frankreich und weltweit eine von acht: Zwei davon in Deutschland (Rendsburg-Osterronfeld und Osten-Hemmoor). Derzeit wird gemeinsam versucht, als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt zu werden.

Auch als Thermalstadt zur Linderung von u.a. Rheuma und Neurodermitis ist Rochefort bekannt und viele Kurende suchen den mitten in der Stadt liegenden Camping Municipal Le Rayonnement auf, wo Jean Louis Dalles die Geschäfte führt. Stolz zeigt mir Laurent Brizard, Directeur des Equipment de la Ville, was er aus dem einst eher bescheidenen Platz gemacht hat.

Rochefort-Tipp: einst wurde hier die Freiheitsfregatte Hermione erbaut, mit der General La Fayette um 1780 in einer Rekordzeit von 38 Tagen den Atlantik überquerte, um am Kampf für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten teilzunehmen. 1793 ist das Schiff vor der Bretagne gesunken und erst 1992 wurden spärliche Überreste aufgefunden. Dank Archivmaterials aus Großbritannien konnte von 1997 bis 2013 die Hermione (der Name stammt aus der griechischen Mythologie) originalgetreu, aber mit vielen neuzeitlichen, technischen Elementen gespickt, wieder aufgebaut werden. Jetzt ist die schöne Griechin auf Übersee-Tauglichkeitstour in der näheren Umgebung unterwegs weil sie 2015 auf den Spuren von General Lafayette nach Nordamerika segeln soll. 2015 wird hier gefeiert bis zum Abwinken.

 


Letzte Ausfahrt La Rochelle

Unterwegs nach La Rochelle (direkt ca. 30 km) besuche ich in Chatelaillon-Plage den überaus gepflegten Familienbetrieb: Camping Au Port Punay. Die Juniorchefin aus den NL spricht Deutsch. Hier wird großer Wert auf Ordnung gelegt: Sauberkeit springt einen geradezu an, der Swimmingpool ist ebenso vorbildlich wie der Kinderspielplatz etc… 200 m von Sandstrand Boucholeurs und nicht weit vom Austern- und Muschelhafen entfernt ist es ein idealer Platz für Familien mit Kleinkindern: „Deutsche, Zeitung, warme Brötchen und dann ein Fahrrad mieten – und keine der Attraktionen ist weit entfernt…“ – so steht es im Prospekt.

Und am Ende einer sonnendurchfluteten Woche bin ich zurück in La Rochelle der Hauptstadt von Charente-Maritime und meinem Ausgangspunkt dieser Reise. Eine junge, quirlige Stadt, deren Schönheit schon am 1910-22 erbauten Bahnhofsgebäude beginnt, dessen Fassade reich mit Jakobsmuscheln, Krabben und Fischen geschmückt ist. Weiter geht’s mit dem malerischen Bild am naheliegenden Hafen mit 3 Türmen aus dem 14/15. Jh., die ihre eigene Geschichte erzählen: Tour Saint Nicolas (Festungsturm/Wohnort der Stadtväter) und Tour de la Chaine (Kettenturm) flankieren die Hafeneinfahrt. Der Spitzturm (Laternenturm) diente früher als Leuchtturm für Seefahrer und gleichzeitig als Gefängnis. Bis 1994 lag der Fischerhafen hier im Zentrum. Wegen der Gezeiten wurde er 3km nach außerhalb  verlegt: unter die Brücke zur Île de Ré, La Pallice. Dort befindet sich auch der Flughafen.

Kürzlich entstand in La Rochelle Port de Minime, einer der größten Jachthäfen Frankreichs, wo auch einer von 3 Stränden der Stadt lieg. Die Schifffahrtslinie Croisière inter-îles bedient alle wichtigen Punkte und weitere Schifffahrtslinien bieten Kreuzfahrten zu umliegenden Zielen/Inseln an. Die meisten stellen aber Ende August den Hauptverkehr ein.

L’Aquarium de La Rochelle am Hafen zählt zu den größten privaten Aquarien Europas und ist ganzjährig geöffnet. Es ist überaus beeindruckend, plötzlich einem Hai ins Gesicht zu starren, dankenswerterweise durch die Glasscheibe. Nicht nur Kinder haben hier großen Spaß und lernen viel dazu. Ganz in der Nähe auch für Landratten interessant: Das Schifffahrtsmuseum.

Von archaischer Grandezza ist die große Altstadt mit ihren unterschiedlichsten Arkaden, die das Gesicht der Straßenzüge bestimmen. Das Rathaus ist eines der schönsten Frankreichs und in Anbetracht der überdimensioniert wirkenden Kirchen, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Die Superlativen nehmen kein Ende. Im wie ausgestorben wirkenden Stadtviertel der Schiffs-Ausstatter früherer Jahrhunderte, die maßgeblich den Sklavenhandel mitbestimmten, wohnt heute wieder die Oberschicht. Sie hat sich vermutlich in den wunderschönen Innenhöfen versteckt…

Neu: Mitten in der Stadt kann ein 1941 erbauter Bunker aus den Zeiten des Atlantikwalls besichtigt werden.

Nahe dem Hauptplatz, Place de Verdun, braucht man nur den Menschen mit Einkaufskörben zu folgen und schon landet man bei der Markthalle von 1834-36. Eine kleine Austern-Pinot-Verkostung bei Louis Marie Brochard kann ich zur Einstimmung wärmstens empfehlen. In den Straßen um die Halle tost das Marktleben.

Nachdem sich meine Stadtführerin Laurence verabschiedet hat, genieße ich an einem der kleinen Tischchen einen Café (1.30 €) und viel Atmosphäre. Hier kommen Hundebesitzer über ihre vierbeinigen Lieblinge miteinander ins Gespräch. Ein Paar ist so ins Streiten vertieft, dass es kaum wahrnimmt, wie ihr Zwillingswagen (nebst Inhalt) fast vom überdimensionalen Rangerover von der Straße geschoben wird. Darüber mokieren sich Umsitzende lauthals, während andere ihre Nase lieber in die Zeitung oder in die Angelegenheiten wieder anderer stecken… Aber alle scheinen die Septembersonne zu genießen: es menschelt.

Restaurants gibt es reichlich und in vielen Preiskategorien. Die zwei, welche ich an meinen La Rochelle-Abenden in Hafennähe ausprobiert habe, kann ich empfehlen: L’Aunis & L’Entracte

Auf dem Weg vom Abendessen zu meinem Hotel Bord’O begleitet von einem leckeren Caramel-Fleur-de-Sel-Eis, ertönt nachgerade als Abschiedskonzert aus den Kronen der Bäume im Hafen ohrenbetäubendes Vogelgezwitscher. Mercie beaucoup!

Am Sonntag nehme ich im Frühstücksraum Abschied vom Französischen Ambiente, das ich so sehr mag. Baguette mit gesalzener Charentebutter und Minicroissant zum Café au Lait. Die Lage des kleinen Hotels im Quartier Saint Nicolas, (Schutzheiliger der Seemänner) ist ideal und wenn man beim Hochstapfen über den verdreckten Teppichboden und ein paar Kleinigkeiten hinwegsieht ist das Hotel zwar schlicht aber sympathisch. Z.B. Zi 32 im 3. St./ca. 100 €/Nacht mit Blick über die Dächer und auf einen der Leuchttürme. Die Gäste sind international und jeden Alters. Die Kneipen in der Nähe machen ordentlich krach. Aber das ist halt Stadtlage. Direkt gegenüber liegt das sehr empfehlenswerte Restaurant: Ragazzi da Peppone, wo die Leute Schlange stehen. Ebenfalls super: Au gôut du jour (10, rue Saint-Nicolas).

Campen…

Ca. 20 Wohnmobilstellplätze (kostenlos und kostenpflichtig) macht das kurzfristige Parken leicht in La Rochelle. Pendelbusse sind kostenlos. Es gib 2 örtliche Campingplätze und mehr als 15 in der nahen Umgebung.

 


Der Weg ist das Ziel

Als Gern-Zug-Fahrerin habe mich für den TGV entschieden: München-Paris 6 Std., 3 Stunden Aufenthalt, Bahnhofswechsel von Gare de l’Est nach Bahnhof Mont Parnasse und genug Zeit für ein gemütliches Mittagessen in meiner Lieblingsgroßstadt. Bis La Rochelle weitere 3 Stunden Zeit zum Lesen und Landschaft anschauen. Gegen 19h Abholung Leihwagen von Hertz (3 Minuten vom wunderschönen Bahnhof entfernt) und ca. 90 km / 100 Minuten in Les Sables Vignier, meinem ersten Ziel im Nordwesten der Île d’Oléron. Erfreulich wenig Verkehr hat die Anfahrt versüßt (Juli-August soll verkehrstechnisch verheerend sein). Ab Anfang September ist deutlich spürbar Nachsaison. Schade nur, dass dann manche Märkte, Fischerfeste etc. nicht mehr stattfinden, öffentliche Verkehrsmittel spärlich unterwegs und viele Campingplätze, Restaurants und Hotels bereits geschlossen sind. Aber im Punkto Ruhe- und Einsamkeitsgewinn: der Hit!

 

 

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kleine Austern

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Rochefort

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Stilleben

Austernart

CampAuPortPunay

La Rochelle Maler

Hotelblick

Fahrradcity

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Information:

Zubereitung einer Éclade
1 Pfund Miesmuscheln pro Person: säubern, auf Bleche z.B. mit einer Scheibe Toast die ersten 4 Muscheln befestigen (in der Charente werden sie auf ein Holzbrett genagelt). Die Muscheln eng zu einer Rosette anordnen (Spitzen nach unten, damit die Asche nicht beim Garen nach innen gelangt.
 
Wenn alle Muscheln angeordnet sind, Bleche in ungefährlicher Umgebung aufstellen und mit einer dicken Schicht (möglichst 50 cm) aus trockenen Kiefernnadeln bedecken (evtl. drei oder vier Loorbeerblätter drunterlegen), an mehreren Stellen anzünden. Mehrmals wiederholen (bis zu 10 Minuten). Da es durch das Linienharz zu Stichflammen kommen kann, Wasser in der Nähe bereithalten, zur Sicherheit. 
Nach ein paar Minuten, wenn alle Nadeln verbrannt sind, die Muscheln mit etwas Breiten anheben, um die abgekühlte Asche abzuschütteln. Eventuell das Blech mit Wasser befeuchten. Abgekühlte, etwas gesäuberte Bleche nebst Muscheln auf einen Tisch mit Wachstuch legen. 
 
Die Muscheln mit Fingern essen, begleitet von Brot mit gesalzener Butter der Charente und einem Glas Weißwein! Viele Papierservietten bereithalten, weil es sich um eine sehr schmutzige Angelegenheit handelt weil die Muscheln, in Folge der offenen Flammen, sehr „rußig“ werden. Am Ende des Mahls sind alle Finger rußgeschwärzt, manche Münder auch aber die Stimmung dürfte bestens sein.
 

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