Interview Wintersport

GrundnerDer Hauptgrund für die Urlaubsentscheidung ist die Größe des Skigebiets 
Was die Gäste von einem erfolgreichen Wintersportort erwarten – auch die Klimaproblematik spielt eine Rolle
Ein Gespräch mit Kornel Grundner von den Leoganger Bergbahnen

Immer mehr Wintersportgebiete versuchen, sich gegenseitig durch den Ausbau ihres Skigebiets zu übertrumpfen. Man muss sich fragen: Ist das sinnvoll in einer Zeit, in der durch die Klimaverschiebung zumindest Regionen in tieferen Lagen künftig mit wenig oder gar keinem Schnee rechnen müssen. Einer Studie der OECD zufolge wird bis 2020 die Schneegrenze bis auf 3000 Meter ansteigen. Nur etwas mehr als 60% der heutigen Skigebiete in den Alpen wären dann noch schneesicher. Wie denken die Verantwortlichen über die aktuelle Situation? Gibt es Zukunftspläne? Das folgende Gespräch mit Kornel Grundner, dem Geschäftsführer der Leoganger Bergbahnen im Salzburger Land, zeigt: Eine pauschale Aussage, wie die der OECD, ist fragwürdig. Die individuellen Unterschiede von Wintersportort zu Wintersportort sind zu groß.

1. Herr Grundner, der Skicircus Leogang/Saalbach/Hinterglemm/Fieberbrunnn hat sein Pistenangebot durch die neue Verbindung mit Fieberbrunn in diesem Winter weiter ausgebaut. Es gibt viele Besucher, die sich fragen, ob das unbedingt nötig war. 

Grundner: Ja, aus unserer Sicht schon. Mit Fieberbrunn ist ein attraktives, sportliches Skigebiet zum Skicircus hinzugekommen. Wir konnten unser Skigebiet mit nur einer Anlage, die von den Fieberbrunner Bergbahnen errichtet wurde, auf einen Schlag um rund ein Viertel vergrößern. Der Skicircus ist mit 270 zusammenhängenden Pistenkilometern nun das größte Skigebiet Österreichs!

2. Ist das so wichtig? Was bedeutet die Größe eines Skigebiets?

Grundner: Eine österreichweite Befragung, an der auch wir uns beteilig hatten, hat eindeutig ergeben, dass für rund 70 Prozent aller Gäste der Hauptgrund für ihre Urlaubsentscheidung die Größe des Skigebietes ist. Mit Fieberbrunn haben wir zudem einen Partner gewonnen, der über die Grenzen hinweg für sein Freeride-Angebot bekannt ist und mit der Freeride-World-Tour über einen Top-Event in der Szene verfügt.

3. Wenn wir Sie richtig verstehen, spielen also neben der Größe auch spezielle, sportliche Angebote eine wichtige Rolle bei der Urlaubsentscheidung. 

Grundner: Ja. Freeriden, also das Fahren abseits der Pisten, gewinnt ja immer mehr Freunde. Daneben steht für uns – und das ist mir sehr wichtig – der perfekte Service an oberster Stelle. Dazu zähle ich vor allem unsere Liftanlagen, die wir jedes Jahr weiter modernisieren. Komfortabel müssen sie sein und es darf keine Wartezeiten geben.

4. Haben die Leoganger Bergbahnen deshalb vor einem Jahr die Steinbergbahn, eine zweite Liftverbindung vom Tal ins Skigebiet, in Betrieb genommen?

Grundner: Ganz genau. Die Asitzbahn war bis zum letzten Jahr die einzige Aufstiegshilfe von Leogang ins Skigebiet. An frequenzstarken Tagen kam es an der Talstation immer wieder zu Wartezeiten. Und die wunderschöne Abfahrt vom Asitz, unserem Hausberg, konnte am Vormittag von den Skifahrern nicht einmal bis zur Mittelstation genutzt werden, da auch dort ein Zustieg kaum möglich war.

5. Die neue Steinbergbahn baggert nun aber noch mehr Skifahrer ins Skigebiet. Wird dadurch das Gedränge auf den Pisten und das Risiko von Kollisionen nicht zusätzlich erhöht?

Grundner: Daran hatten wir von Anfang an gedacht. Seit diesem Winter gibt es eine zweite Talabfahrt; sie ist viereinhalb Kilometer lang und schlängelt sich vom Asitz über einen Bergrücken mit vielen Übergängen und Wellen zurück zur Talstation der Steinbergbahn; sie folgt nicht dem Trend der in den letzten Jahren immer breiter und glatter gewordenen Pisten und bietet somit auch deshalb ein besonderes skifahrerisches Erlebnis. Mit den Übergängen und Wellen haben wir den von uns beabsichtigten Effekt erzielt, die Geschwindigkeit der Skifahrer zu reduzieren und somit das Risiko von Kollisionen zu vermindern.

6. Solche abwechslungsreichen Pisten, wie die, die Sie gerade beschrieben haben, erwarten die Touristen von heute generell von einem modernen Skigebiet. Aber müssen ….

Grundner: ……. ja, natürlich müssen sie bestens gepflegt sein. Und dann spielt die Schneesicherheit eine große Rolle. Wir konnten in diesem Winter trotz schlechter Naturschneelage bereits am 28. November starten und unseren Kunden die Skicircus-Runde bis Hinterglemm und retour vom ersten Tag an komplett anbieten. Das wurde von unseren Gäste sehr honoriert. Wichtig für ein Skigebiet ist auch die persönlich Note; wir nennen das Premium-Qualität.

7. Was heißt das?

Grundner: Dies beginnt bei Beschilderung, geht über die von mir bereits erwähnten modernen Anlagen, beste Pistenqualität, ansprechende Architektur bis zum freundlichen Mitarbeiter und einer perfekten Servicekette! Ganz wichtig ist auch die Verpflegung im Skigebiet. In unserem Skigebiet gibt es rund 50 Gastronomie-Betriebe, die alles bieten – von einfacher Kost bis zu kulinarischen Erlebnisse auf den Hütten.

8. Unter kulinarischen Erlebnissen verstehen Sie …

Grundner: … vor allem die Spezialitäten unserer Pinzgauer Küche. Denken Sie nur an Kasnocken, Kaspressknödel, Spinatknödel oder Pinzgauer Gröstl. Und zum Nachtisch einen köstlichen Topfenstrudel.

9. Jedes Skigebiet hat sich im Lauf der Zeit ein besonderes Image „erarbeitet“. So wird in Sölden das Nachtleben groß geschrieben. St. Anton am Arlberg lockt vor allem sportliche Skifahrer an. In Ischgl spielen Konzerte mit Madonna, Elton John etc. auf der Idalp jedes Jahr eine wichtige Rolle. Wo ordnen Sie Leogang ein, wo Saalbach/Hinterglemm?

Grundner: Während in Saalbach Hinterglemm neben der – ich möchte mal sagen – Unterhaltungsthematik der sportliche Skifahrer im Vordergrund steht, was durch verschiedene Rennen von Europacup bis Weltcup dokumentiert ist, bemühen wir uns in Saalfelden Leogang um „die kontrastreichste Urlaubsregion der Alpen“.

10. Das heißt, wenn ich Sie richtig verstehe – Sie setzen nicht nur auf den Alpinen Skilauf, sondern ….

Grundner: …. auf alle Wintersport-Gästen. Für alle gibt es adäquate Programme. Dazu zähle ich neben dem alpinen Skisport, der sicher die Hauptzielgruppe anspricht, vor allem den Nordischen Sport. Saalfelden Leogang hat sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Langlauf-Hochburg in Österreich entwickelt. 150 Kilometer täglich top gepflegte Loipen für alle Ansprüche und jeden Stil gibt es bei uns, die sogar bis in die Nachbarorte Maria Alm, Maishofen oder in die Biathlon Weltcup-Metropole Hochfilzen führen.

11. Und wer keine Ski dabei hat?

Grunder: Der kann wählen unter entspannenden Schneeschuhwanderungen, romantischen Pferdeschlittenfahrten, Eislaufen auf dem Ritzensee, Kufengaudis auf vier Rodelbahnen. Oder er wagt den spannenden Flug mit dem Flying Fox XXL, bei dem er, am einem dicken Drahtseil hängend, in sausendem Tempo bis 130 Stundenkilometer vom Asitz hinunterflitzt ins Tal. Sie sehen – bei uns wird es Schneeliebhabern nie langweilig.

12. Sie reden von Schneeliebhabern. Der Schnee hat in diesem Winter lang auf sich warten lassen. Der Skicircus hatte es dennoch geschafft, vor allem mit Kunstschnee ein perfektes Pistenangebot zu schaffen. Rechnet sich so ein Aufwand auf Dauer?

Grundner: Ja, in jedem Fall. Die hundertprozentige Beschneiung hat auf alle Fälle Priorität. Im kommenden Sommer soll ein weiterer Speicherteich errichtet werden. Diese Investitionen stellen für uns eine Art Versicherung für das Skiangebot in Leogang dar.

13. Der Skicircus hat nicht das Glück, in absolut schneesicheren, höheren Regionen zu liegen. Was passiert, wenn der Schnee einmal den ganzen Winter ausbleibt? Gibt es eine Zukunftsstrategie für Winterferien ohne Schnee?

Grundner: Ja, auch wenn Skisport vorerst weiterhin oberste Priorität hat. Aber wegen der Vielseitigkeit und der Reichhaltigkeit unserer Region, den Aktivitäten im Kulturbereich, beispielsweise im Kunsthaus Nexus in Saalfelden, den beliebten heimischen Produkten aus unserer Landwirtschaft, die aus den Ferien gern mit nach Hause genommen werden, der Pinzgauer Küche, die unsere Gäste in vielen Gaststätten und Hotels kennen lernen können, um nur einiges zu nennen, wird mir auch dann nicht bang, wenn der Winter einmal anders ausschauen sollte. Und vergessen darf man nicht unsere Investition in die Angebote des Sommers, der mittlerweile genauso gefragt ist, wie der Winter und rund 50 Prozent unseres Nächtigungskommens darstellt. Alles das, so meine ich, sollte helfen, die touristische Zukunft der gesamten Region weiter abzusichern und zu stärken.

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Autor: Henno Heintz, tour-press, Email

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