9.12.15 Winckelmann-Büste

Glyptothek München Neuerwerbung einer Winckelmann-Büste von Salvatore de Carlis

WinckelmannDie Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek München haben eine von dem Bildhauer Salvatore de Carlis 1808 geschaffene Marmorbüste von Johann Joachim Winckelmann erworben. Die Büste war von dem Begründer der Glyptothek, dem Kronprinzen und späteren bayerischen König Ludwig I., beauftragt und seit der Eröffnung der Glyptothek 1830 für mehrere Jahre dort ausgestellt worden. Nachdem sie dann für lange Zeit in Privatbesitz und der Öffentlichkeit nur eingeschränkt zugänglich war, kehrt die Büste nun wieder an ihren früheren Aufstellungsort zurück.

Der aus Trient stammende Bildhauer Salvatore de Carlis hat die 68 Zentimeter hohe Büste in Carrara-Marmor gefertigt. Sie ist schlicht gehalten und besteht aus einem Hermenpfeiler sowie dem sich daran anschließenden Porträtkopf. Durch den Verzicht auf die Darstellung eines historischen Kostüms bekommt die sorgfältige Gestaltung des Kopfes mit stark gelocktem Haar, buschigen Augenbrauen, großen Augen und hoher Denkerstirn eine besondere Bedeutung. Das Porträt des Kunstgelehrten und Archäologen Johann Joachim Winckelmann soll Energie und konzentriertes, staunendes Schauen versinnbildlichen. Es stellt einen reifen Mann in der Blüte seines Lebens dar.

Ursprünglich hatte Kronprinz Ludwig 1807 Salvatore de Carlis den Auftrag erteilt, eine Büste Winckelmanns für das Nationaldenkmal der Walhalla zu fertigen. In der in Donaustauf bei Regensburg gelegenen Ruhmeshalle sollten, so Ludwig, von „teutschen Künstlern“ gefertigte „Brustbilder von rühmlich ausgezeichneten Teutschen“ präsentiert werden. Salvatore de Carlis zählte damals auch zu den deutschen Künstlern. Nachdem Trient 1805 zu Bayern gekommen war, erhielt er von König Maximilian I. von Bayern eine Pension. Sein Bildnis des bedeutenden Altertums- und Kunstkenners Winckelmann sollte neben solchen von damals maßgeblichen Herrschern, Künstlern und Wissenschaftlern ausgestellt werden.

Dazu kam es nicht. Ludwig gefiel das Porträt vor allem aufgrund der Maße nicht. Denn die sehr früh in Auftrag gegebene Winckelmann-Büste passte aufgrund ihrer zu kleinen Größe und ihres sich verjüngenden Sockels nicht mehr in die Reihe der später beauftragten Walhalla-Büsten. Der bayerische Kronprinz beauftrage 1813  den damals in Rom lebenden Berliner Bildhauer Ridolfo Schadow damit, eine zweite Version der Winckelmann-Büste für die Walhalla zu erstellen.

Die Winckelmann-Büste von de Carlis ließ Ludwig im „Saal der Neueren“ in der Glyptothek aufstellen. In diesem letzten Saal des Ausstellungsrundgangs wurden nicht antike Bildwerke, sondern die Porträts von bedeutenden nachantiken Bildhauern der Renaissance und des Klassizismus sowie ausgewählte Werke aus deren plastischem Schaffen präsentiert. Das Bildnis des Begründers der Klassischen Archäologie sollte Winckelmanns wissenschaftliche Bedeutung für die Klassifizierung von antiken Kunstwerken herausheben. Denn der damalige Ausstellungsrundgang in der Glyptothek beruhte auf den neu von ihm erstellen  Ordnungsprinzipien. Wohl bereits mit der Eröffnung der Neuen Pinakothek im Jahr 1853 wurde die Büste dorthin gebracht und im Erdgeschoss ausgestellt. 1868 gelangte sie ins (1938 abgerissene) Herzog-Max-Palais an der Ludwigstraße in München, danach ins Schloss Tegernsee und schließlich auf den Kunstmarkt.

Wieder zurück in der Glyptothek wird die neu erworbene Winckelmann-Büste von Salvatore de Carlis im Museumsfoyer gemeinsam mit der von Bertel Thorvaldsen gefertigten Büste Ludwigs als Kronprinz präsentiert. Beide Kunstwerke regen dazu an, über die Genese der Glyptothek zu reflektieren.

Sinnfälliger Weise wird die Winckelmann-Büste am 9. Dezember 2015 in der Münchner Glyptothek erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Johann Joachim Winckelmann wurde am 9. Dezember 1717 in Stendal geboren. Als Nestor der Klassischen Archäologie wird sein Geburtstag von Archäologen traditionell in Form von Vorträgen und Gedenkfeiern als „Winckelmannstag“ begangen.

Die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstiftung der Länder haben dankenswerter Weise die Neuerwerbung der Winckelmann-Büste von Salvatore de Carlis für die Münchner Glyptothek zu gleichen Teilen gefördert.

Die Büste wird in der Reihe „Forschungen der Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek“ publiziert.

Pressekontakt: Dr. Astrid Fendt Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek


 

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