Reise: München/Giesing

HK_GiesingDezember 2014 Hirschkäfer Verlag
Martin Arz

GIESING

Reiseführer für Münchner

144 Seiten, 16,90 €, Broschur. ISBN 978-3-940839-36-7

Ich kann es nur wiederholen: Quadratisch, praktisch gut – oder auf Neubayrisch: It’s so Munich! Die handlichen und intelligent aufgebauten Münchner Viertel-Führer von Martin Arz laden nicht nur zum Blättern ein, sondern wecken die Lust, aufzubrechen und einzutauchen in altes Wissen und in Straßenzüge, Wirtshäuser etc. Im neuesten Führer geht es um Giesing (sprich „Giasing“) – die Stadt innerhalb der Stadt“. Hier menschelt es – wie immer, wenn sich Gegensätze berühren: die alten, einfachen Arbeitersiedlungen in Ober- und Untergiesing mit den vornehmen Villenvierteln Harlaching und Menterschwaige.

Überaus erfreulich ist, dass das theoretische Wissen fachgerecht in die Tat umgesetzt werden kann. Bei Hirschkäfers werden nämlich auch die passenden Stadtteil-Safaris angeboten. So ein Gutschein nebst Buch (sofern für das gewünschte Viertel bereits erschienen) ist ein treffliches Weihnachtsgeschenk! Unter uns: mir wäre so ein Gutschein wesentlich lieber als der xte Luxusmüll.  RS/PTM

Bauern, Revoluzzer und Schickimickis
München, im Dezember 2014. Giesing – für viele gebürtige Münchner ist das immer noch »Terra incognita«, unbekanntes Land. Denn Giesing hatte bis vor Kurzem einen ganz speziellen Beigeschmack. Doch woher kam dieser sagenhaft schlechte Ruf? Das und vieles mehr wird im neuen Reiseführer für Münchner »Giesing« von Martin Arz ausgiebig erklärt. Das Buch widmet sich der Historie und den Histörchen des Viertels, alles üppig bebildert mit historischen Ansichten und aktuellen Fotos.

Wie viele Münchner Stadtteile ist auch Giesing erheblich älter als München selbst. Einst stand ein stolzes Bauerndorf oben am Giesinger Berg. Davon merkt man nichts mehr. Lange galt Giesing dann als klassisches Arbeiterviertel, es zählte Anfang des 20. Jh. sogar zu den ärmsten Stadtteilen Münchens. Zuletzt geriet Giesing verstärkt in den Fokus der Immobilienspekulanten. Durch das Freiwerden gro- ßer Flächen – zuletzt das Agfa-Gelände – entstanden und entstehen neue Wohnquartiere. Das Bild Giesings verändert sich rasant.

Hier setzt »Giesing« an. Was war, was das Viertel und seine Bewohner geprägt hat, ist unser Hauptthema. Giesing verfügt heute über eine enorm große Fläche. Hier leben über 100.000 Menschen. Das ist eine Großstadt innerhalb der Millionenmetropole.

»Giesing« führt die Leser durch ganz Giesing mit all seinen Unter-Vierteln innerhalb des Viertels. Giesing verteilt sich heute auf zwei Stadtbezirke, den Bezirk 17 Obergiesing-Fasangarten und 18 Untergiesing-Harlaching. Da wird etwas auseinanderdividiert, was eigentlich zusammengehört – auch wenn das Gebiet von der Sozialstruktur bis heute in zwei Teile zerfällt. Das historische Bauerndorf Giesing wurde zum Arbeiterviertel und ist heute Obergiesing, die einstige Arme-Leute-Siedlung Lohe und die ehemaligen Industriegebiete unterhalb des Bergs bilden heute Untergiesing. Aber auch das vornehme Harlaching sowie die Menterschwaige, jene bevorzugten Villen-Wohngegenden für die Besserverdienenden, gehören schon seit ewigen Zeiten historisch zur Gemeinde Giesing. Der einzige Fremdkörper ist der Fasangarten, der mutwillig dem Bezirk 17 zugeschlagen wurde, historisch aber immer zu Perlach gehörte.

»Giesing« macht sich auf Spurensuche. Was blieb von der ältesten Mühle Münchens? Wo standen einst die großen Bauernhöfe und die zahlreichen kleinen Adelssitze? Wo befand sich die »Lohe« mit ihren erbärmlichen Behausungen der einfachen Arbeiter? Auf dem Grund der Bauern entstan- den große Wohnsiedlungen und auf dem Land der Adeligen zog man Fabriken hoch. So z. B. die größte Lederfabrik Europas an der Pilgersheimerstraße. Und die Reste der winzigen Häuser in der Lohe muten uns heute romantisch-idyllisch an. Gleich um die Ecke stand übrigens das berüchtigte »Narrenhaus«, das Giesings Ruf so nachhaltig ruinierte. Und die Giesinger Heuwaage wurde geradezu sprichwörtlich: »Deine Uhr geht so falsch wie die Giesinger Heuwaage!«

Historisches findet ebenso Berücksichtigung wie Aktuelles. Vergangenes und Verlorenes steht neben Verborgenem und Verführerischem. Blättern, schmökern, Bilder angucken – das Buch soll so viel Spaß machen wie Giesing und Harlaching.

»Giesing« ist kein trendiger Szeneguide für kurzlebige Gastronomie- und Erlebnisshopping- Experimente – Giesing bietet ohnehin nur ein recht überschaubares Angebot in den Bereichen Restaurants und Nachtleben. Dennoch geben wir im Service-Teil auch ein paar Tipps zum Shoppen und Speisen. Das Buch ist vor allem auch ein Stadtteilführer für Münchner und alle Interessierten, die Giesing in all seinen Facetten (dazu zählen wir auch Harlaching) ein wenig näher kennenlernen möchten.

Anhand der übersichtlichen Karten lässt sich »Giesing« wie ein klassischer Reiseführer nutzen, um das Viertel selbst zu erlaufen. »Giesing« ist gleichzeitig der vierte Band einer neuen Reiseführer-Serie zu Münchner Stadtvierteln: Klein, stark, schwarz sind die Bücher, die in Zusammenarbeit zwischen dem Hirschkäfer Verlag und dem Franz Schiermeier Verlag entstehen. Bisher erschienen: »Haidhausen«, »Isarvorstadt« und »Maxvorstadt«. Noch im Dezember 2014 erscheint »Westend« im Franz Schiermeier Verlag.

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